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Marburg Von Löwen und Lämmern
Marburg Von Löwen und Lämmern
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20:56 22.01.2012
Die in Schweden lebende Kanadierin Wendy McNeill begeisterte ihre Fans im KFZ. Quelle: Jan Bosch

Marburg. Schaurig schunkelnde Akkordeonklänge prägen ihren Stil, Folk Noir, irgendwo zwischen der Schwere von Tom Waits und den elektrisierenden Weiten Madrugadas. Ihre Songs erzählen Geschichten von traurigen Hasen, Löwen und Lämmern, dunklen Hunden. Die poetisch ausgeschmückten Fabeln und Märchen erklären das Schmunzeln, welches oft auf den Lippen der sympathischen Kanadierin liegt.

Die gute, alte Quetschkommode gewinnt in ihren Händen unglaublich an Coolness, wenn sie vertieft geheimnisvoll-melancholische Akkorde zieht, im nächsten Moment mit ein wenig Polka die Düsternis etwas lichtet. Dazu zupft Bassist Andreas Nordell vergnügt seinen Kontrabass, lässt den Bogen mit viel Hall über die Saiten streichen und holt aus seinem Instrument mehr heraus, als nur Rhythmus. Er schafft Klangwelten, die, passend zu McNeills Texten, an Regen und Meer, Wind und Schnee erinnern.

Erik Nilsson klappert und klopft, jedoch nie aufdringlich, auf allem, was er an Schräubchen und Rahmenteilen an seinem Schlagzeug findet. Immer wieder lässt er die gedämpften Schlegel die Tonleiter des schunkelnden Dreivierteltaktes hinab wirbeln, der regelmäßig von einem Schlag auf die mannshohe Pauke beendet wird, die eine unglaubliche räumliche Weite in die Musik bringt.

In der zweiten Hälfte des Konzertes legt McNeill immer öfter das Akkordeon beiseite und greift zur akustischen Gitarre. Sanft eingesetzte Loops bereichern ebenfalls das durchweg ausgeglichene Klangbild, verstärken sogar die konstant entrückte und schwebende Atmosphäre ihrer Musik. Das Trio schafft zwar karge, jedoch niemals langweilige Soundlandschaften, die zu recht vom Publikum nach jedem Song gefeiert werden, als ginge es um die dritte Zugabe.

Fazit: vom ersten bis zum letzten Ton fesselnd!

von Jan Bosch