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Von Liebe, Melancholie und Hausputz

Wohnzimmerkonzert mit Tess Wiley Von Liebe, Melancholie und Hausputz

Bohrinsel statt Konzerthalle, Tropfsteinhöhle statt Club: Es zieht Musiker mitunter an ungewöhnliche Orte für ein Konzert. Immer wieder einmal auch in fremde Wohnzimmer. So wie am Wochenende Tess Wiley bei Pastor Alexander Hirsch in Cappel..

Marburg. Keine Verstärker, keine Technik, nicht einmal ein Mikro. Die letzte Reihe hört trotzdem alles. Mehr als vier Reihen gibt es nämlich nicht im Wohnzimmer von Dinah und Alexander Hirsch.

Es ist ein klirrend kalter Samstagabend und hinter der Tür der Wohnung von Familie Hirsch in Cappel schälen sich die Gäste aus Jacken und Schals. Hände werden geschüttelt, man stellt sich einander vor, so man sich noch nicht kennt und jemand reicht ein Kuchenblech in die kleine Küche.

Dort streut Dinah Hirsch noch Krokant auf ihre Muffins und zwischen Käsespießen und dem Körbchen fürs Getränkegeld steht Tess Wiley und stimmt ihre Gitarre. Die Musikerin, die aus Amerika stammt und in Gießen lebt, kennt Wohnzimmer-Konzerte aus ihrer Heimat und freut sich auf den Abend. „Es ist immer eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt sie. Und die besondere Atmosphäre war auch der Grund für die Gastgeber, erneut zu einem Wohnzimmer-Konzert zu sich nach Hause einzuladen. Vergangenen Sommer hatten Dinah und Alexander das Duo „Chasing Summer“ aus den USA zu Gast und waren wie ihre zwei Dutzend Gäste begeistert von der Idee und der Stimmung.

Einige der Menschen, die dieses Mal in ihrer Wohnung sitzen, kennen die beiden selbst nicht. Sie und Tess Wiley haben die Gäste über facebook eingeladen. Bei 30 Zusagen war Schluss und nun sitzt die zusammengewürfelte Truppe zwischen Familienfotos, Büchern und Vitrine. Für den Eintritt liegt ein Strohhut im Wohnzimmerregal. Zwischendurch werden Chips und Erdnüsse durchgereicht und während einer kleinen Pause kann sich jeder in der Küche stärken oder sich im Flur mit den anderen Gästen und Tess Wiley unterhalten.

Während des Konzerts erzählt die Musikerin etwas über die Entstehung ihrer Songs und über ihre Musik. „Superfast Rock’n‘Roll played slow“, der Name einer ihrer Platten, ist Programm: superschneller Rock’n‘Roll, langsam gespielt. Sie spielt Gitarre und sie singt. Meist singt sie auf Englisch und oft singt sie von Liebe und Melancholie - das seien die zwei Dinge, die besondere Musen seien. „Wenn es einem gut geht, will man einfach nur Spaß haben, dann schreibt man keine Lieder“, so Wiley.

Sie singt aber auch auf Deutsch und von Anette („Und dann nennt er Dich Anette, obwohl du Silke heißt, weil er so gern eine Freundin hätte, die Anette heißt“ - ein Text, der „super fast“ auf Deutsch zum echten Zungenbrecher gerät) oder ein Lied mit dem Titel „Licht leuchte auf“, das sie für den Auftritt in einer Kirchengemeinde geschrieben hat. Auch Hestia, der Göttin des Herdes und dem Thema Hausputz ist ein Stück gewidmet - weil man ja nicht immer nur über Liebe und Melancholie schreiben will.

Die Liebe ist übrigens auch schuld, dass Tess Wiley aus Houston nach Hessen kam. Und auch wenn sie in ihrer Kindheit nie Country-Musik gehört habe - deren Einflüsse seien trotzdem in ihrer Stimme zu hören, meint die Texanerin.

„Sehr schön, sehr chillig“, lautete das Fazit des Abends für die Gäste und die Gastgeber. Das nächste Wohnzimmer-Konzert kann kommen.

von Nadja Schwarzwäller

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