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Von Kunstfälschern, Künstlern und Banausen

Horst Schwebels "Der Durchstreicher" Von Kunstfälschern, Künstlern und Banausen

Von Hause aus ist Horst Schwebel Professor für Praktische Theologie. Der ehemalige Direktor des Marburger Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart liest am Sonntag ab 11 Uhr im Café Vetter.

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Horst Schwebel stellt auf Einladung der neuen Literarischen Gesellschaft sein Buch „Der Durchstreicher“ vor.Foto: Schulz

Marburg. „Das kommt mir bekannt vor. So etwas habe ich schon einmal gesehen. Genau das ist moderne Kunst.“ Das könnten am Wochenende Besucher der documenta vielleicht auch sagen. Aber Horst Schwebel meint seinen Buch-Künstleronkel Frederik. Der konnte „zeichnen wie ein Gott“, heißt es in „Der Durchstreicher“, der ersten von neun sehr unterhaltsamen und mit Augenzwinkern erzählten Satiren des gleichnamigen Buches von Schwebel.

Dieser Frederik konnte zwar zeichnen wie ein Gott, aber kein Schwein hat sich dafür interessiert. So ging es ihm wie vielen anderen Künstlern. Erst als er seine Bilder energisch übermalte mit schwarzen oder roten Stiften wurde er berühmt.

So kann es gehen in der Kunstszene: Doch der kunstsinnige Schwebel hat Theologie studiert. So gehört die zweite Geschichte einem Theologen: „Ich kaufe mir einen Pfarrer“. Einige witzige Hausgottesdienste später zieht es Olaf - so nennt der Ich-Erzähler den Mietpfarrer - reuig in den Schoß der Kirche zurück. Der Ich-Erzähler der Kurzgeschichte weiß sich zu helfen: „Diesmal nehme ich eine Pfarrerin! Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr finde ich Gefallen daran. Die christliche Liebe, Gestalt geworden in einer schönen, klugen, liebenswerten Frau. Eine Pfarrerin zum Anfassen...“

Architektur, Theologie und der bisweilen ziemlich verrückte Kunstbetrieb sind die Themen Schwebels. Dabei muss er gar nicht mehr arg übertreiben, nur pointiert erzählen, denn die Wirklichkeit ist schon komisch genug. Ein wunderbares, kleines Buch.

Schwebel war von 1980 bis 2006 er Hochschullehrer an der Philipps-Universität Marburg und Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart. Daneben kuratierte er Ausstellungen, unter anderem im Kontext der documenta und gibt neben anderem die Reihe „Theologie und Ästhetik“. Er ist verheiratet mit der langjährigen FDP-Stadtverordneten Gerlinde Schwebel.

Horst Schwebel: „Der Durchstreicher“, Verlag Blaues Schloss, 98 Seiten, 14 Euro.

von Uwe Badouin

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