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Von Kindern, die Kinder sein dürfen

Andreas Steinhöfel Von Kindern, die Kinder sein dürfen

Andreas Steinhöfel ist einer der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschlands. Auf Lesebühnen macht er sich inzwischen rar, es sei denn, es ist für einen guten Zweck.

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Der in Biedenkopf lebende Bestsellerautor Andreas Steinhöfel im Kreise seiner jungen Fans. Dem Autor und Übersetzer gelang mit seiner Trilogie um Rico, Oskar und die Tieferschatten ein großer Wurf. Alle drei Bücher werden derzeit aufwändig verfilmt.Foto: Ben Wangler

Marburg. Er trägt einen karierten Anzug, ist mürrisch und sarkastisch, kennt alle geheimen Untaten der Menschen und spricht diese aus, wenn man ihn nach einem Beweis über seine Identität befragt. Und er steht an der Eingangstür und fordert: „Rückt endlich den Elch raus!“

Der karierte Herr ist der Weihnachtsmann in Andreas Steinhöfels Geschichte „Es ist ein Elch entsprungen“. Er hat einen seiner Angestellten verloren, den lässig-charmanten Elch und Gourmet Mr. Moose, der durch die Zimmerdecke gestürzt ist und mit bestem amerikanischem Akzent aus „Casablanca“ zitiert und die Damenwelt umgarnt.

Die Geschichte behandelt das Thema der Erfüllung des Herzenswunsches des kindlichen Ich-Erzählers und die Rettung von Santa Claus aus der geschlossenen Psychiatrie. Eine geraffte Lesungsvariante las der vielfach preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautor am Samstagnachmittag bei schummerigem Licht im von 240 Besuchern gefüllten großen Saal des TTZ vor, darunter waren gut 80 Kinder, von denen einige auf einem extra ausgelegten roten Teppich zwischen Bühne und Stuhlreihen inmitten überdimensionierter Plüschtiere gemütlich lagen und saßen.

Mit zwei Geschichten aus seinem ersten Buch, dem Sammelband „Dirk und Ich“, eröffnete Steinhöfel seine sehr einfühlsam vorgetragene Lesung, die jedoch aufgrund technischer Schwierigkeiten nicht immer ganz das Ohr der Besucher erreichte: Das Mikrofon saß nicht richtig, rutschte ab und selbst nach der Pause und einem neuen Tischmikrofon hallte der Ton bisweilen zu sehr und die Boxen summten im Hintergrund.

In ansonsten eindrucksvoller Lese-Performance erzählte Steinhöfel in konzentrierter, minimalistischer Sprache, die von Kritikern auch mit der eines Erich Kästner verglichen wird, von frechen und lebendigen Kindern. Seine Helden sind Kinder, denen man glaubt, etwas zutrauen zu können und die, so kommentiert Steinhöfel dieses Kinderbild, im Winter mit dem Schlitten im Teich landen und dann nicht sofort eine psychische Dysfunktion zugeschrieben bekommen.

Seine Weihnachtsgeschichte „Es ist ein Elch entsprungen“ wurde mittlerweile zum zweiten Mal verfilmt. Mit der ersten (von 2005, Regie: Ben Verbong) war Steinhöfel aufgrund unabgesprochener Drehbuchänderungen unzufrieden; die neue filmische Umsetzung („A Christmoose Story“, 2013, Regie: Lourens Blok) ist am Skript näher dran, sagt der Autor. Es ist eine niederländisch-schwedische Produktion, die vielleicht im nächsten Jahr in Deutschland auf DVD erscheinen wird.

Aber zuerst wird wohl am 10. Juli 2014 die von Fans sehnsüchtig erwartete Verfilmung des Bestsellers „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ in den deutschen Kinos Premiere feiern. Vor der Kamera stehen Stars wie Axel Prahl, Ursela Monn und Milan Peschel.

Die Lesung des gebürtigen Battenbergers, der in Biedenkopf aufgewachsen ist und seit drei Jahren wieder dort lebt, war eine Benefizveranstaltung, deren Erlös komplett an den Verein Shining Orphans Children Home gespendet wird, der ein Kinderheim in Kashani (Kenia) aufgebaut hat und weiter ausbaut. Der Verein ist eine Initiative des Kirchhainer Ehepaars Müller, die während eines Besuchs in Mombasa (Kenia) von den Zuständen eines Waisenhauses erschüttert waren und beschlossen, den Kindern zu helfen. Veranstalter war der Finanzdienstleister FinanzSozietät Marburg GmbH.

Wer Kontakt zu den dem Verein Shining Orphans Children Home aufnehmen möchte, macht dies über: Mareike und Claus Müller, Röthestraße 75, 35274 Kirchhain, Telefon 06422/2668.

von Ben Wangler

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