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Marburg Vom Nachbarn feucht halten lassen
Marburg Vom Nachbarn feucht halten lassen
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20:48 24.11.2010
Eckart von Hirschhausen unterschied in seinem Programm „Liebesbeweise“ zwei Arten von Liebesmodellen: Die Schnittblumen und die Topfpflanzen. Letztere müssen auch schon mal vom Nachbarn feucht gehalten werden. Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Kabarett für die Massen, das bot Eckart von Hirschhausen am Dienstag in der Marburger Stadthalle. Und die Masse schien zufrieden, auch wenn die stehenden Ovationen am Ende selbstgemacht waren. Denn der Kabarettist hatte das Publikum als Zugabe mitsingen lassen und zwar praktischerweise im Stehen.

Hirschhausen gilt als Deutschlands erfolgreichster Medizin-Kabarettist, auf dem Feld war er Pionier, das hatte noch keiner gemacht, das wollten die Menschen sehen. Zuvor hatte er es schon mit „normalem“ Kabarett und Zauberei versucht, jedoch ohne allzu großen Erfolg. Jetzt ist er erfolgreich und füllt die Säle. Massenkompatibel ist er, durchs Fernsehen gepuscht.

Sein neues Programm spiegelt das wider. Hirschhausen zeigt sich darin als selbstgefälligen Alleskönner, der mal singt, mal Bändchen schwingt, dann wieder wohltätige Organisationen bewirbt und sich als Paartherapeut versucht. Allerdings bleiben seine Beziehungstipps dabei auf dem Niveau von Allgemeinplätzen, die nichts Neues bringen und auch nicht wirklich lustig sind. Allein seine Ausflüge in die Medizin, die das Thema Liebe wissenschaftlich beleuchten führt zu dem ein oder anderen „Aha“-Erlebnis. Als er am Ende mit esoterisch-spärischer Klavierbegleitung wie ein Heilsprediger vom Pinguin erzählt und zu dem Schluss kommt, dass wir größere Netzwerke brauchen und uns zu Kolonien zusammenschließen müssen, ist die Stimmung teils beseelt, teils eingeschläfert.

Und den letzten Gang zum Mikrofon, um „Leaving on a Jetplane“ in einer unsäglichen deutschen Fassung zum Besten zu geben, hätte sich Hirschhausen wirklich sparen können. Denn dass er kein Sänger ist, hat er an dem Abend zur Genüge bewiesen. Man möchte ihm zurufen: Doktor bleib bei deinem Stethoskop!

von Tanja Hamer

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