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Vom Markusdom in die Stiftskirche

Kantorei Marburger Land Vom Markusdom in die Stiftskirche

„Klangexplosionen“ - so lautete das vielversprechende Motto des Abends. Zu hören waren Werke von Schütz, Scheidt und Pachelbel, die im 17. Jahrhundert von der Mehrstimmigkeit in Venedig inspiriert waren.

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Bezirkskantorin Christiane Kessler (rechts) leitete das Konzert der Kantorei Marburger Land in der Stiftskirche Wetter. Der Chor wurde begleitet von Musikern des Kammerorchesters Marburg und des Bläserensembles Christenberg. Foto: Michael Hoffsteter

Wetter. Im Programmheft wies der ehemalige Landeskirchenmusikdirektor Martin Bartsch darauf hin, dass eine gotische Hallenkirche wie in Wetter sich für eine prachtvolle Musik hervorragend eigne, ebenso wie der Markusdom in Venedig damals der barocken klanglichen Prachtentfaltung diente.

Die 55 Mitglieder der Kantorei Marburger Land, sowie die acht Mitglieder des Marburger Oktetts machten dem Programm von der ersten Sekunde an alle Ehre. Feierlich und sehr energisch nahmen sie die 150 Zuhörer bei „Ich freu mich des, das mir geredt ist“ von Heinrich Schütz mit auf die Reise in eine Zeit als man mit besonders schönen Melodien und mit Koloraturen verzierten Wörtern Gottes Worte würdigen wollte.

Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff „Cappella“, der anders als das heutige „a cappella“ eine Gruppe von Sängern und Instrumentalisten bedeutet, die klanglich gleichgestellt sind. In Wetter waren dies ein Streicherensemble aus dem Kammerorchester Marburg sowie das Holz- und Blechbläserensemble Christenberg. In den vergangenen sechs Monaten, in denen einmal monatlich geprobt worden war, haben sich die verschiedenen Gruppen sehr gut aufeinander eingespielt.

Träumerische Gitarren-Soli als Zwischenspiel

Allerdings hatte die Wetteraner Stiftskirche bei der Klangentfaltung ihre Grenzen. Gerade bei der kräftigen Eröffnung verloren sich die Stimmen stellenweise sehr stark und der Gesang des Chores vermischte sich zu einem diffusen Klangteppich.

Anders bei den Stimmen des Marburger Oktetts. Diese waren deutlich erkennbar zu hören. Dort kam das Stimmgeflecht der polyphonen Sätze viel besser zur Geltung.

Unterbrochen wurde das Konzert durch Gitarrenmusik aus der Renaissance-Zeit. Der 28-jährige Simon Steinhäuser spielte solo auf seiner Gitarre wunderschön und ruhig. Dort konnten die Zuhörer bei träumerischen Klängen die prächtige und aufwendige Musik des Barock etwas sacken lassen.

Während des Konzertes erwartete die Bezirkskantorin Christiane Kessler eine besondere Herausforderung.

Die Aufführenden, die unter ihrer Leitung standen, wechselten im Verlauf immer wieder ihren Platz. So stand das Marburger Oktett mal oben auf der Empore. Ein anderes Mal standen die Sänger der Kantorei hinter dem Publikum und stellten ein Klangerlebnis dar, das für Gänsehaut sorgte.

Beim letzten Lied des Abends „Nun danket alle Gott“ von Samuel Scheidt hatten sich sogar die Instrumentalisten links und rechts neben dem Mittelschiff verteilt: Links standen Holzbläser zusammen mit den Sängerinnen des Marburger Oktetts, auf der rechten Seite standen die männlichen Mitglieder und die Blechbläser und vorne stand der Chor mit den Streichern. Dafür spendete das Publikum reichlich Beifall und einige zollten sogar im Stehen ihren Respekt für diese großartige Leistung.

von Mareike Bader

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