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Vom Lachen mit und ohne Windeln

Kabarett Vom Lachen mit und ohne Windeln

Kann man einen ganzen Abend lang Kabarett nur über das Lachen machen? Ja, kann man. Erst recht, wenn man Michael Frowin und Timo Doleys heißt.

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Lachen ist ein natürlicher Instinkt. Aber ein gewisses Niveau muss trotzdem gewahrt werden. Diese und mehr Weisheiten hatten Michael Frowin (rechts) und Timo Doleys für die Zuschauer parat.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Die beiden Künstler präsentierten am Donnerstagabend ihr Programm „Lachen in Zeiten der Cholera“ im ausverkauften KFZ. Von Anfang an war klar, man hatte es hier mit zwei Vollprofis ihres Faches zu tun. Temporeich und urkomisch, wortgewandt und pointensicher, bissig und bitterböse kamen Michael Frowin und Timo Doleys daher. Sie führten dem Publikum gekonnt vor, wie viele Facetten das Lachen bei genauer Betrachtung hat. „Kommt eine Frau zum Arzt...“, ging es los, und wenn man so anfängt, hat man laut Frowin die Lacher ganz sicher auf seiner Seite.

So war es auch am Mittwoch. Die Urform des allseits beliebten Stammtischwitzes entwickelte sich zum Running-Gag, der durch den ganzen Abend trug. Aber die beiden Kabarettisten hatten natürlich noch mehr auf Lager. Hochinteressant waren zum Beispiel die Erkenntnisse der Wissenschaft über das Lachen, die Frowin zum Besten gab. Lachforscher hätten das Grunzen der Steinzeitmenschen als Ursprung des Lachens ausgemacht, so der Kabarettist. Der Urzustand des Menschen sei eigentlich Heiterkeit, dennoch solle man stets darauf achten, nie unter Niveau zu lachen. Vor allem in Deutschland.

Gelegentlich setze die Komik den Menschen außer Gefecht, fuhr Frowin fort. Dann komme es zum Tränenlachen, mancher mache sich sogar vor Lachen in die Hose. Weshalb Kabarett ohne Windeln nicht zu empfehlen sei. Wie es sich für gutes Kabarett gehört, bekam am Mittwoch auch die Politik ihr Fett ab. Politiker und ihre skurrilen Ideen seien ja in den seltensten Fällen komisch, meinten die beiden Künstler. Und oft wisse man gar nicht, ob man über sie lachen oder weinen solle. Besonders die FDP geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Schallendes Gelächter ernteten die Kabarettisten für das Bild des Guido Westerwelle, der von seinem eigenen Hund an der Leine spazieren geführt wird.

Mit ihren Witzen über Minderheiten wagten sich die Kabarettisten mutig an eine Grenze. Politisch nicht korrekte Gags zu erzählen, das ist besonders schwierig. Die beiden schafften es jede Pointe so zu wenden, dass sie letztlich den Spieler im Rücken traf.

Am Schluss zeigten die Kabarettisten einmal mehr ihr schauspielerisches Können, indem sie die verschiedensten Arten des Lachens demonstrierten. Von der meckernden Ziege über das Prusten, das in einen trockenen Raucherhusten übergeht, bis hin zum hauchigen Geräusch eines Drehaschenbechers wurde alles geboten. Kein Wunder, dass die Heiterkeit im Publikum groß war und der Abend mit tosendem Applaus und, wie soll es bei dem Programmnamen anders sein, lautem Gelächter zu Ende ging.

von Bettina Preussner

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