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Vom Christenberg zum Kilimandscharo

Forschung zur Höhenkrankheit Vom Christenberg zum Kilimandscharo

Eine Reise zur Erforschung der Höhenkrankheit am Kilimandscharo startet heute unter Leitung des Marburger Lungenmediziners Dr. Christian Kreisel.

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Dr. Christian Kreisel hat schon einmal die Besteigung des Kilimandscharo geschafft.

Quelle: privat

Marburg. Auf die Besucher aus Mittelhessen wartet unweit des Äquators am Kilimandscharo­ sonniges Spätsommerwetter mit Temperaturen von bis zu 30 Grad Celsius. Es ist eine besondere Forschungsreise zum afrikanischen „Risikoberg“, die der Marburger Mediziner Dr. Christian Kreisel in den vergangenen Monaten generalstabsmäßig vorbereitet hat und die in dieser Woche startet. Der am Marburger Uni-Klinikum beschäftigte­ Arzt erforscht seit Jahren die Höhenkrankheit. Sein Ziel ist es, genauere Fragebögen zu entwickeln, die Bergwanderern am Kilimandscharo als Frühwarnsystem helfen sollen, wenn sich eine Höhenkrankheit ankündigt (die OP berichtete).

Denn das Gefährliche an dem bei Touristen aus Deutschland und anderen sehr beliebten Berg in Ostafrika ist nicht der beschwerliche Weg hoch auf den auf 5 895 Metern Höhe malerisch gelegenen Gipfel. Es ist vielmehr meistens so, dass die Bergwanderer ihre Kräfte zu sehr überschätzen und höhenkrank werden, weil sie zu schnell zu viele Höhenmeter überwinden. Im Extremfall kann diese Höhenkrankheit sogar zum Tod führen. Pro Jahr sterben daran zwischen 35 und 50 Menschen bei der Besteigung des Kilimandscharo. „Risikofaktoren für die Höhenkrankheit sind die absolut erreichte Höhe sowie die Aufstiegsgeschwindigkeit aber auch eine genetische Veranlagung“, erläutert Kreisel.

Um das jetzt noch genauer­ zu erforschen, will Kreisel nun bei einer Forschungsreise in Echtzeit genau überprüfen, was bei so einer Besteigung des Kiliman­dscharo passiert. Wie entwickelt sich die Höhenkrankheit? Welche Mechanismen stehen dahinter? Gibt es Kriterien für eine Vorhersage der Höhenkrankheit? Auf diese Fragen werden Antworten gesucht.

24 Bergwanderer im Alter zwischen 20 und 70

Nach einer Veröffentlichung über das Forschungsvorhaben in der Oberhessischen Presse­ im vergangenen August meldeten sich zahlreiche OP-Leser, die an der medizinisch begleiteten Reise in Afrika teilnehmen wollen. Jetzt umfasst die kleine „Expedition“ 24 Bergwanderer im Alter zwischen 20 und 70. Sie werden neben Bergführern aus Afrika begleitet von Kreisel sowie Dr. Tim Jäcker, Oberarzt aus dem Uni-Klinikum. Für die Besteigung des Kili­mandscharo haben die Marburger Forscher sechs Tage angesetzt, an einem Tag soll es wieder runtergehen. Somit nimmt sich das Team einen Tag länger  Zeit als sonst bei den Kiliman­dscharo-Besteigungen üblich.

Wichtiger Bestandteil der afrikanischen Reise sind die täglichen Gesundheitschecks der Teilnehmer, erläutert Christian Kreisel. Der erste Check erfolgt auf 1 600 Metern Höhe. Sie sollen jeweils am Morgen stattfinden, begleitet von Psychotests wie beispielsweise Fragebögen zur Selbsteinschätzung der Bergbesteiger. Mehr als zwei Drittel der Bergwanderer, die auf Afrikas höchstes Bergmassiv gehen, werden nach der bisherigen Statistik höhenkrank. Demzufolge prognostiziert Christian Kreisel, dass 16 Teilnehmer der Reise höhenkrank werden. Er ist nun sehr gespannt, ob diese Schätzung auch so eintreffen wird. Die Ärzte werden den Bergwanderern jeden Morgen Empfehlungen geben, ob sie weitergehen sollen oder nicht.

Die allgemeine körperliche Fitness der Reiseteilnehmer wurde übrigens schon vorab überprüft und zwar nach einer Wanderung im Marburger Land, die hoch zum Christenberg oberhalb von Münchhausen führte. Dabei erwiesen sich alleTeilnehmer potenziell als bergtauglich.

Die Kosten für den Flug und die Bergtour müssen die Teilnehmer selber übernehmen, dafür haben sie aber natürlich eine exklusive ärztliche Begleitung. Mitfinanziert wird die Logistik des Projekts durch Sponsoren aus Marburg.

Mit auf die Flugreise nach Tansania geht auch Professor Harald Renz, der Ärztliche Geschäftsführer des Marburger Uni-Klinikums. Er will sogar ein oder zwei Tage mit auf den Kilimandscharo hochwandern. Renz findet das wissenschaftliche Projekt sehr spannend. Es ist für ihn auch ein Pilotprojekt, wie modernste medizinische Technologie zur Überwachung der Bergsteiger in afrikanischer Höhe eingesetzt werden kann.

Renz kommt aber auch mit, weil er zusammen mit Kreisel medizinische Kontakte zu Partnern in der Region rund um den Kilimandscharo anbahnen möchte. So stehen Gespräche mit afrikanischen Gesundheitspolitikern auf dem Programm.

von Manfred Hitzeroth

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