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Marburg Vollsperrung bleibt bestehen
Marburg Vollsperrung bleibt bestehen
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00:17 05.10.2018
Derzeit der schnellste Weg nach Weidenhausen: Mit dem Kajak unter der Brücke hindurch. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Es ist wohl momentan Marburgs wichtigste Baustelle, und zwar mitten an der Drehscheibe von der Stadtautobahn über den Rudolphsplatz hin in die Stadtmitte. Die Rede ist von der Baustelle an der Weidenhäuser Brücke.

Eigentlich sollte in diesen Tagen die Entscheidung verkündet werden, ob die Brücke zur Hälfte der Sanierungszeit Ende dieses Jahres eine halbseitige Öffnung stadteinwärts oder stadtauswärts erfolgen sollte. Doch jetzt kommt alles wieder ganz anders. Die Komplettsperrung soll bis zum Ende der Bauarbeiten bestehen bleiben. Das teilte die städtische Pressestelle mit. „Die Sperrung der Weidenhäuser Brücke ist für uns alle nicht ideal, aber zum Erhalt dieser zentralen und stadtbildprägenden Infrastruktur notwendig“, erklärte Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) in der Pressemitteilung.

Winter könnte Arbeiten stoppen

Hintergrund der Entscheidung zur Veränderung des Bauzeitenplans sind die bereits vor einigen Wochen durch die Stadt öffentlich gemachte Verzögerungen durch extreme Wetterlagen wie Hochwasser und die Hitze sowie neue Statikberechnungen eine vom historischen Bauplan abweichende Höhe einer der Brückenbögen (die OP berichtete). Dadurch habe es erhebliche Verschiebungen bei den ­Arbeiten gegeben, die zwingend einer Vollsperrung bedürfen.

Durch die nun bevorstehende kalte Jahreszeit könnten nach Darstellung der Stadt weitere Verzögerungen entstehen, weil zum Beispiel Asphaltarbeiten bei Minusgraden nicht ausgeführt werden können. So hätte man nach Angaben von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sowieso mindestens bis Februar und vielleicht sogar bis April warten müssen, bis eine halbseitige Öffnung der Brücke möglich geworden wäre. Unter anderem müsse jetzt noch der neue Fußgängersteg an die Brücke angedockt werden, auch weil die damit verbundenen Fernwärmeleitungen im Winterhalbjahr wieder ans Netz ­gehen müssten.

Spies zeigt Verständnis für Ärger von Geschäftsleuten

Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten zur Frage, in welche Richtung eine halbseitige Öffnung der Brücke sinnvoll gewesen sei, liegt zwar mittlerweile vor. Und es besagt laut OB Spies, dass nur eine Öffnung stadtauswärts verkehrstechnisch gesehen sinnvoll sei. Doch das Gutachten ist jetzt auch obsolet, weil die Idee der halbseitigen Brückenöffnung für den Autoverkehr ohnehin verworfen wurde. „Wir mussten jetzt die Planungen an die Gegebenheiten anpassen“, sagte Spies der OP.

Die Verantwortlichen der Stadt erhoffen sich von der Planänderung immerhin eine Reduzierung der Gesamtbauzeit um rund zwei Monate. „Unser Ziel ist es, die Brücke zum Ende der Sommerferien 2019 komplett zu öffnen“, so Baudezernent Stötzel. „Weil wir um die Herausforderung der Brückensperrung für die Bürger, aber besonders auch für den Einzelhandel wissen, wollen wir als Stadt helfen, die Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft abzufedern“, macht Spies deutlich. „Die Geschäftsleute wissen Bescheid. Die finden das nicht schön. Das können wir verstehen“, sagte Spies im Gespräch mit der OP. „Das ist nicht erfreulich“, kommentierte Ulrich Mücke, Prokurist des Kaufhauses Ahrens, die jetzt öffentlich gemachte Entscheidung.

Ideen für Weihnachtsgeschäft

„Wir befürchten, dass die anhaltende Komplettsperrung einen negativen Einfluss auf das Weihnachtsgeschäft hat“, sagte­ Mücke auf Anfrage der OP. So habe man bei Ahrens stets darauf gesetzt, dass es spätestens Anfang Dezember zur halbseitigen Öffnung der Brücke kommen werde, und das am besten stadteinwärts. „Es ist für uns wichtig, dass die Stadt für unsere Kunden in die Stadt reinkommen“, meint Mücke. Ebenso bedauerlich findet Friedrich Bode (Werbekreis Oberstadt) die Entscheidung des Magistrats. „Wenn es nicht anders geht, dann geht es wohl nicht anders“, reagierte Bode allerdings auch etwas fatalistisch.

Mit einigen Ad-hoc-Plänen wollen die Stadtverantwortlichen für Entlastungen des ­innerstädtischen Weihnachtsverkehrs sorgen. So werden die Stadtwerke an den Adventssamstagen den kompletten innerstädtischen Busverkehr gebührenfrei anbieten. Und Autofahrer können in der Vorweihnachtszeit am alten Gaswerk am Afföller und an der alten Universitätsbibliothek in der Wilhelm-Röpke-Straße mit einer Parkscheibe vier Stunden lang kostenlos parken.

von Manfred Hitzeroth