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Marburg Volle Fahrt auf Stadtwerke-Chefsessel
Marburg Volle Fahrt auf Stadtwerke-Chefsessel
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00:16 02.10.2018
(Symbolfoto) Wer beerbt den großen Steuermann der Stadtwerke? Hinter Geschäftsführer Norbert Schüren tummeln sich mehrere Kandidaten für seine Nachfolge. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Stadtwerke-Geschäftsführung ist jahrelang ein Duo gewesen: Norbert Schüren­ als Zuständiger für den kaufmännischen Bereich, Dr. Bernhard Müller – als Nachfolger von Reiner Kühne – für den technischen Bereich. Jetzt wird an der Spitze des kommunalen Unternehmens eine dritte Stelle geschaffen: Holger Armbrüster, bislang Prokurist und zuständig für Vertrieb, Handel und Kundenservice wird nach Stadtwerke-Angaben ab 1. Oktober aus dem Duo ein Trio machen.

Noch ist unklar, ob Armbrüster somit als designierter Nachfolger für Schüren – dessen Abgang Ende nächsten Jahres ansteht – vorgesehen ist. Denn im Hintergrund gibt es seit Monaten ein Ringen um die Grundsatzfrage, ob die neue Stadt-werke-Spitzenpersonalie eine politische Prägung haben soll oder nicht. Schüren, zentraler­ SPD-Stratege in der Universitätsstadt und Landkreis Marburg-Biedenkopf, gilt zwar als Finanzexperte und Branchenkenner, machte aber nie einen Hehl aus seinem politischen Wirken und seiner Vergangenheit unter anderem als Staatssekretär. Soll Schüren den beförderten Armbrüster einarbeiten, ihm Zeit für den Überblick über neue Aufgabenbereiche geben, oder dient die neue Stelle einem langfristigen Ziel?

Polit-Patt könnte Grund für Personalentscheidung sein

In der Kommunalpolitik gibt es jedenfalls Befürchtungen, dass die Schaffung eines dritten Geschäftsführer-Postens dazu dienen könnte, dass mit Müller und Armbrüster künftig zwei Experten faktisch die Geschäfte leiten, sich um das Tagesgeschäft kümmern, und somit einer dritten Kraft – Mister oder Misses unbekannt – den Rücken für politische, stragetische Ausrichtungsfragen frei halten.

Nach OP-Informationen ist so ein Modell auch aufgrund eines Interessens-Patts zwischen den kommunalpolitischen Akteuren zwar nicht geplant. Jedoch fällt die Stadtwerke-Personalentscheidung in die Zeit der Diskussion um eine perspektivische Einrichtung einer vierten Magistratsstelle – ein Aufgabengebiet etwa für Andrea Suntheim-Pichler (BfM). Bisher wird dieser Schritt in die Stadtverwaltung durch die CDU, die mit Roger Pfalz ihrerseits über einen Finanzexperten und denkbaren Stadtwerke-Mitgeschäftsführer verfügt, blockiert. Wäre die Co-Führung des kommunalen Unternehmens also der Kompromiss für die BfM-Spitzenfrau in der ZIMT-Regierung?

Die SPD hingegen könnte bei solch einem Szenario etwa ihren Ex-Oberbürgermeisterkandidaten Matthias Acker, bei den Gießener Stadtwerken tätig, oder die städtische Pressesprecherin Sabine Preisler – der Ambitionen auf die Stadtratsstelle nachgesagt wurden – im Blick haben. Verkehrsgesellschaftsleiter Jürgen Wiegand dürfte bei einer ­etwaigen Polit-Ausrichtung hingegen eher außen vor sein.

von Björn Wisker und Till Conrad