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Marburg Tanja Pusch ist "Heimliche Heldin" 2018
Marburg Tanja Pusch ist "Heimliche Heldin" 2018
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00:16 04.12.2018
Tanja Pusch spielt im Handicap-Team des Basketball-Clubs Marburg. Quelle: Melanie Weiershäuser
Großen-Buseck

Minutenlang herrscht absolute Ruhe im Kulturzentrum Großen-Buseck, obwohl sich dort mehr als 400 Gäste eingefunden haben. Plötzlich brandet Applaus auf, weil Volksbankvorstand Dr. Lars Witteck eine Person bekannt gibt, die sein Institut als „Heimlichen Helden“ auserkoren hat.

Neunmal durchleben auch die Marburgerinnen Tanja Pusch und Hilde Rektorschek dieses Prozedere. „Das wird wohl heute nichts. Wir sind nicht dabei“, sagt Rektorschek. Sie hat kein gutes Gefühl. Schließlich sind zu diesem Zeitpunkt bereits neun von zehn Auszeichnungen vergeben worden. „Ganz ruhig, Hilde“, sagt Tanja Pusch, „einer kommt ja noch“. Plötzlich gibt es einen Jubelschrei. Tanja Pusch reißt die Arme hoch, ein Stuhl fällt um. Doch das spielt keine Rolle. Jetzt hat es auch Hilde Rektorschek realisiert und freut sich mit Tanja Pusch. Auch die 36-Jährige ist nun eine „Heimliche Heldin 2018“.

Vorgeschlagen wurde sie von der Koordinatorin und Beauftragten des Basketball-Handicap-Teams des BC Marburg – eben von Hilde Rektorschek. „Wenn man bedenkt, dass es insgesamt rund 130 Vorschläge aus der mittelhessischen Region gab, dann ist man selbstverständlich auch ein bisschen stolz, dass einer seiner Schützlinge ausgewählt wurde“, sagt Rektorschek. Die Volksbank Mittelhessen hat die Auszeichnung mit 1.000 Euro dotiert, die dem Handicap-Team des BC zugute kommt. Tanja Pusch erhielt darüber hinaus einen Gutschein in Höhe von 150 Euro. 

Heimliche Heldin hält Handicap-Team zusammen

„Klar freue ich mich über die Auszeichnung. Allerdings will ich mich gar nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen, weil das, was ich getan habe, für mich selbstverständlich war“, sagt Tanja Pusch, die in Rotenburg an den Fulda zur Welt kam und seit frühester Kindheit in Marburg lebt.

Es gab es in diesem Jahr allerdings eine Phase, in der es wichtig war, dass sie im Mittelpunkt stand: „Im Handicap-Team lief es gar nicht so gut. Immer wieder gab es Zoff und Streit, da wollte ich einfach was tun“, sagt Pusch, die dem Team seit rund acht Jahren angehört. Sie verfasste einen offenen Brief an alle Team-Mitglieder.

Damit nicht genug: Sie suchte viele Einzelgespräche, um dadurch den Zoff zu entschärfen und den Zusammenhalt wieder herzustellen. Mit Erfolg: Die Streitigkeiten wurden bereinigt. „Für mich ist es wichtig, immer freundlich miteinander zu sprechen, seinen Mitspielerin zuzuhören und immer zu helfen, wenn sie ein Problem haben“, sagt Pusch.

Pausch trug 2017 das olympische Feuer

„Ich habe das anfangs gar nicht so wahrgenommen. Dann aber habe ich nach und nach gemerkt, dass sich im Team vieles zum Positiven hin verändert hat. Und das ist der Verdienst von Tanja“, sagt Hilde Rektorschek. „Wenn sie eine Idee hat, dann will sie die auch erfolgreich umsetzen.“

All dies nahm Rektorschek zum Anlass, Tanja Pusch für die Ehrung zur „Heimlichen Heldin“ vorzuschlagen. „Ihre Haltung ist geleitet von Respekt, Wertschätzung, Verantwortung und Hilfsbereitschaft anderen gegenüber. Ihren einfühlsamen Einsatz habe ich bewundert“, teilte Rektorschek der Volksbank Mittelhessen mit, die im Juni dazu aufgerufen hat, einen „Heimlichen Helden“ aus seinen Reihen zu benennen.

Tanja Pusch „zeigt Größe“, sagt Rektorschek, „obwohl ich doch nur 1,47 Meter groß bin, was zum Basketball gar nicht passt“, fügt Pusch hinzu. Allerdings besticht sie auf dem Feld durch Schnelligkeit und Treffsicherheit. Bei den nationalen Special Olympics 2016 und den Special Olympics Hessen 2017 in Marburg gewann sie jeweils Bronze (einmal mit dem Mixed-Team, zuletzt mit dem Frauen-Team). 2017 durfte sie als Anerkennung ihrer besonderen sportlichen Leistungen das olympische Feuer tragen. 

Volksbank zeichnet auch zwei heimische Vereine aus

„Heimliche Helden sind jene Menschen, die sich in ihrer freien Zeit aufopferungsvoll für andere einsetzen, sich sozial engagieren oder ihren Verein in besonderem Maße unterstützen – und zwar ohne viel Aufhebens darum zu machen“, sagte Volksbankvorstand Dr. Lars Witteck anlässlich der Preisverleihung.

Die Volksbank Mittelhessen veranstaltete den Förderwettbewerb bereits zum achten Mal und unterstützte das ehrenamtliche Engagement der Aktiven in diesem Jahr mit insgesamt 50.000 Euro. Zehn Heldengeschichten konnten die Jury ganz besonders überzeugen – darunter auch die Geschichte von Tanja Pusch, die als gelernte Großküchenhelferin derzeit in der Hauswirtschaft des Marburger „Altenhilfezentrums Auf der Weide“ arbeitet.

Neben den „Heimlichen Helden“ wurden von der Volksbank Mittelhessen auch 40 Vereine für ihr besonderes Engagement mit jeweils 1.000 Euro bedacht – darunter aus dem hiesigen Landkreis der Fußballverein 1919 Wehrda und der Radsportverein Edelweiß 1921 Goßfelden.

von Michael E. Schmidt