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Marburg „Viva la Patria“ – eine Rebellenrevue
Marburg „Viva la Patria“ – eine Rebellenrevue
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20:34 22.09.2010

Marburg. Die Lesung Ingo Malchers war nur schwach besucht. Die Lücken an den Bistrotischen sind vielleicht auf den etwas irreführenden Titel des Buches „Tango Argentino“ zurückzuführen. In dem politischen Buch geht es nicht ums Tanzen, vielmehr ist es, wie uns der Untertitel verrät, das „Portrait eines Landes“.

Zu Beginn machte der Autor, der selbst zehn Jahre in Buenos Aires gelebt hat, darauf aufmerksam, dass er weniger eine Lesung im eigentlichen Sinn abhalten wolle. Er erzähle lieber Geschichten. Eine „Rebellenrevue“ nannte er seinen Vortrag. Die letzten hundert Jahre Argentiniens wolle er so am Beispiel seiner Revolutionäre Revue passieren lassen. Argentinien selbst habe nie einen richtigen Umsturz erlebt, was nicht hieße, dass nicht viele daran gearbeitet hätten, so Malcher. Er verwies darauf, das nicht alle seiner Rebellen sympathisch seien, nicht alle hätten eine wünschenswerte Politik verfolgt.

Die Reise in die Vergangenheit begann der Autor zur Hochzeit der argentinischen Anarchisten, den 20er Jahren. Humorvoll, aber auch mit ernstem Anklang trug Malcher die Geschichte des Boris Wladimirovich vor. Der adelige Arzt, Biologieprofessor und Maler, kommt durch eine Weltreise nach Argentinien und schließt sich dort der Arbeiterrevolution an.

Auch die rebellischen Frauen kamen nicht zu kurz. Esther Norma Arrostito wurde in Kuba als Guerilla ausgebildet und war der Kopf der berüchtigten „Montoneros“, Durch Entführung und Erpressung versuchten diese Perón zurück ins Land zu holen. Auf ihren Bekennerschreiben prangte stets der Ausruf „Viva la Patria“. Die bewegende Geschichte der Menschenrechtlerin Hebe de Bonafini machte betroffen. Seit 30 Jahren demonstriert sie für die Verurteilung der Mörder ihrer Söhne, die von der Miltärjunta ermordet wurden.

Abschließend fand auch Diego Armando Maradona seinen Platz in der Rebellenrevue. Maradona, der „in keinerlei gesellschaftliche Konventionen passe“, trage so etwas wie eine „argentinische Volksphilosophie“ in sich.

von Viola Verena Schrader