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Marburg Vierzügigkeit: Schulamt muss entscheiden
Marburg Vierzügigkeit: Schulamt muss entscheiden
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00:17 14.01.2019
Die Leitung der Elisabethschule fordert mehr Räume. Die Schulaufsichtsbehörde ist in der Verantwortung, wenn der Magistrat die Schule verkleinern will. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die OP hatte im Dezember über die Raumnot an der Elisabethschule berichtet. Der Magistrat will prüfen lassen, ob es künftig nur noch vier statt fünf Klassen pro Jahrgangsstufe geben soll (Vierzügigkeit statt Fünfzügigkeit). In dem Zusammenhang hieß es in dem Artikel, dass die Stadt Marburg als Schulträger auch ohne Zustimmung des Hessischen Kultusministeriums eine Vierzügigkeit festlegen könne.

Diese Information hatte die OP von der Pressestelle erhalten. Dabei hatte es jedoch ein Missverständnis gegeben: Die Auskunft der Pressestelle bezog sich auf den Schulentwicklungsplan. Darin prognostiziert der Schulträger die erwartete Zahl an Schülern für die kommenden Jahre und im Zusammenhang damit auch den Bedarf an Schulen. Wie viele Klassen es geben soll, muss darin nicht festgelegt werden. Insofern bedarf das auch keiner Zustimmung durch das Kultusministerium.

So kann der Schulträger beispielsweise an neu gegründeten Schulen eigenständig zusätzliche Klassen schaffen – sofern damit nicht die Kapazitätsgrenze überschritten wird.

Schulleiter: Magistrat hat mit Verkleinerung gedroht

Geht es jedoch wie im Fall der Elisabethschule um die Festlegung einer neuen Kapazitätsgrenze, bedarf es durchaus der Zustimmung des Staatlichen Schulamtes, das als untergeordnete Behörde des Kultusministeriums fungiert. In aller Regel folgten die Schulämter bei der Festlegung der Zahl der Klassen den Empfehlungen der Schulträger, so Philipp Bender, stellvertretender Pressesprecher des Hessischen Kultusministeriums. Die Festlegung einer Kapazitätsgrenze schütze eine Schule rechtlich davor, dass sich Schüler einklagen können, führt Bender aus.

Tobias Meinel, Schulleiter der Elisabethschule, merkte gegenüber der OP noch einen weiteren Punkt an: In dem Artikel sei unerwähnt geblieben, dass die Schulgemeinde die Prüfung einer Vierzügigkeit als Drohung verstehe. Und zwar für den Fall, dass sich die Schule nicht auf eine Umwidmung der Mittel aus dem Bildungsbauprogramm (Bibap) einlasse. Der Magistrat hatte vorgeschlagen, die für die Sanierung der Naturwissenschaften vorgesehenen Mittel stattdessen für den Bau neuer Räume einzusetzen. „Diese Drohung ist es, die in der Schule Verärgerung hervorgerufen hat“, sagt Meinel.

Stadt weist Vorwurf zurück

Die Elisabethschule sei in Marburg die Schule mit den meisten Anmeldungen, schon jetzt müsse man Schüler abweisen. In Zukunft seien zudem steigende Schülerzahlen zu erwarten. Besondere Angebote wie nach Geschlechtern getrennter Sportunterricht, bilinguale Klassen und ein Kunst-Leistungskurs würden durch eine Verkleinerung der Schule gefährdet. Denn sie rechneten sich erst ab einer gewissen Gruppengröße. „Dass die Fünfzügigkeit auf den Prüfstand gestellt wird, ist daher ein harter Schlag für uns“, sagt der Schulleiter.

Auf OP-Nachfrage hieß es vonseiten der Stadt, die Androhung einer Kapazitätsbegrenzung habe es nicht gegeben. „Diesen Vorwurf weist der Magistrat der Stadt Marburg mit Nachdruck zurück“, so die Pressestelle. Man habe der Schulgemeinde unabhängig von dem Vorschlag einer Umwidmung der Mittel die Prüfung mitgeteilt.

Meinel will Gespräch mit Magistrat suchen

In den nächsten Wochen rechne man mit einem Ergebnis, „ob eine Vierzügigkeit umgesetzt werden kann und welche Auswirkungen dies auf die Raumsituation und die gesamte Gymnasiallandschaft hätte“. Dies werde dann mit dem Staatlichen Schulamt, der Schule und dem Stadtelternbeirat besprochen. Eine mögliche Kapazitätsbegrenzung müsse vom Schulamt bis spätestens 30. November eines Jahres festgelegt werden.

Schulleiter Tobias Meinel sagt zum aktuellen Stand, die Schulleitung sei mit dem Fachdienst Schule im Gespräch. In der kommenden Woche wolle man Klarheit über die zu erwartenden Schülerzahlen und die aktuelle Raumsituation bekommen. Falls gemeinsam ein künftiger zusätzlicher Bedarf festgestellt werde, solle dieser in einem Konzept festgehalten werden. Darüber wolle man dann mit dem Magistrat sprechen.

von Freya Altmüller