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Vielfalt aus dem französischen Koffer

Konzert Vielfalt aus dem französischen Koffer

Einen zum Bersten gefüllten Koffer voll guter Laune und massig guter Musik hatten am Samstagabend „Ma Valise“ bei ihrem Auftritt im Marburger KFZ im Gepäck.

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Die französischen Musiker von „Ma Valise“ zeigten im Marburger KFZ Vielfalt – sowohl sprachlich, musikalisch als auch an den
verschiedensten Instrumenten.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Etwas mehr als 100 Zuschauer erwarteten die vier Franzosen in der schwülen Abendhitze. Dass sich die Temperaturen noch deutlich erhöhen würden, war jedem klar. Bereits im vergangenen Jahr gastierten „Ma Valise“ in der Stadt und brachten das Publikum der Waggonhallen zum Toben.

Raphael Rialland, Ronan Niel, Michel Pinault und Gweltaz Niel sind allesamt Multi-Instrumentalisten. „Ma Valise“ bedeutet „mein Koffer“, was schon auf die ausgedehnte Reisetätigkeit der Band deuten lässt. Gesungen wird in fünf verschiedenen Sprachen - darunter Kreolisch und Rumänisch - von der Solidarität mit Flüchtlingen und Ausgebeuteten sowie den Widersprüchen des Alltags. Seit Ende der neunziger Jahre gaben die vier Musiker fast 1000 Konzerte in allen Winkeln der Welt. Die Aufenthalte in Afrika, Lateinamerika und Osteuropa haben deutliche Einflüsse in der weltoffenen Musik hinterlassen, die mit hartem Punk oder gemütlichem Reggae vermischt werden.

Kaum hat Rialland die ersten Töne auf seinem Akkordeon angestimmt, ist die Besuchermenge nicht mehr zu halten. Voller Inbrunst zieht und quetscht er sein Instrument, lässt den riesigen Balg auffächern, während die Tonleitern sein Publikum auf den Balkan entführen. Gweltaz Niel groovt dazu am Kontrabass. Wie mit einer Geliebten wiegt und dreht er sich mit dem großen hölzernen Korpus über die Bühne.

„Ma Valise“ schaffen es auf hohem musikalischem Niveau jedem Song eine eindeutige Note zu verleihen. Klar differenziert klingen ihre Lieder nach Senegal oder französischem Chanson. Die Band serviert ihren stilistischen Reichtum wohl dosiert als Mehrgänge-Menü und nicht als den oft üblichen Weltmusikeintopf.

Immer wieder treibt Michel Pinault am Schlagzeug das Tempo nach vorne. Verausgabt sich, bis der Schweiß in Strömen fließt. Virtuos bearbeitet Ronan Niel die sechs Saiten seiner Gitarre, heizt den Tanzenden mit schnellen Ska-Akkorden und groovigen Reggae-Rhythmen ein.

Stetig tauschen die beiden ihre Instrumente und zeigen so ihre Vielfältigkeit. Dazu gehört auch, dass die Musiker mit Instrumenten von der Bühne springen und durch die tobende Menge ziehen.

Weit mehr als zwei Stunden verwandelten „Ma Valise“ den Marburger Kulturladen in einen glühenden Hochofen, ohne auch nur ansatzweise an Energie zu verlieren.

Auch bei den Zugaben versprühten sie noch unbekümmert gute Laune und hielten die Menge in Bewegung.

von Jan Bosch

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