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Viel frischer Wind aus Norwegen

KFZ Viel frischer Wind aus Norwegen

Randi Tytingvåg verzauberte ihre Gäste im KFZ mit einer Mischung aus Pop, Jazz und Chanson. Die  34-Jährige bewies, welches Potenzial  das Musikwunderland Norwegen hat.

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Randi Tytingvåg geht ganz in ihrer Musik auf.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. An den voll besetzten Stuhlreihen konnte man bereits vor Beginn des Konzerts ablesen, dass in der erfolgreichen Reihe „55° Nord“ wieder Hochkarätiges aus dem Norden zu erleben sein würde. 

Tytingvågs markantestes Merkmal ist sicher ihre Stimme, die irgendwo zwischen denen von Kate Bush und Tori Amos, angesiedelt ist.

Ausdrucksstark und nuancenreich lässt sie ihre Melodien durch den Saal schweben. Ihre Themen sind persönlich, erzählen Geschichten die sie erlebt hat, die sie berühren.

Drummer und Percussionist Pål Hausken holt das Leiseste aus seinen Drums, was möglich ist. Bei den meisten Songs ist es eher ein kräftigeres Ablegen der Drumsticks als ein harter Schlag. Dämpfen die mit Fell ummantelten Schlegel noch zu wenig, polstert er die Trommeln kurzerhand mit Decken. Während seine Kollegen die Instrumente wechseln, begeistert er das Publikum – ganz untypisch für Schlagwerker–  mit dem leisesten und langsamsten Solo, das seit Langem zu hören war.Tytingvågs klare und durchdringende Stimme wirkt beim Publikum. Gebannt verfolgt es den Spannungsbogen ihrer Stücke. Sie breitet ihre Arme voller Leidenschaft aus, scheint mit Leib und Seele ihre Musik zu leben. Oft erstarrt sie, haucht den Ton am Ende ihrer Stücke bis zum letzten Atemzug. Erst ein Lächeln sagt: „Ich bin fertig!“ – und der Beifall der Zuschauer tost los.

Gitarrist Ivar Grydeland unterstützt Tytingvågs Gesang perfekt. Meist sieht man seine Finger jenseits des zwölften Bundes aufwändige Tonleitern oder Dreiklänge zupfen. Mit viel Hall unterlegt, geben die hohen Töne der Stimme noch mehr Weite und Raum. Jo Berger Myhre ist stetig bemüht, einen unaufdringlichen Grundton zu produzieren. Dezent wabern seine Bassläufe im Hintergrund. Manchmal hockt er auf dem Boden, um das Keyboard bedrohlich grollen zu lassen, mal tauscht er sein Instrument gegen die Akustikgitarre. Nach einem eineinhalbstündigen Ausflug in emotionale Tiefen und der  Zugabe verlässt Tytingvåg die Bühne. Das norwegische Klangerlebnis wird bei den begeisterten Zuschauern aber sicher noch lange nachhallen.

von Jan Bosch

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