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Viel Herzblut fließt für Dvorák

Konzertverein Viel Herzblut fließt für Dvorák

Eine Frau am Dirigentenpult der Nordböhmischen Philharmonie Teplice - das war eine Premiere beim Konzertverein. Und auch die drei Werke des Programms waren dort zuvor noch nie zu hören. Doch die Wiedergabe ließ Wünsche offen.

Marburg. Das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg (SSO) hatte Edward Elgars e-Moll-Cellokonzert bereits zweimal im Programm - zuletzt im Januar. An diese nicht nur begeisternde, sondern bewegende Wiedergabe mit Akira-Sebastian Olbrich, einem ehemaligen SSO-Mitglied, dachte ein wenig wehmütig zurück, wer Mikael Ericsson am Samstag in der Marburger Stadthalle hörte. Das Spiel des gebürtigen Schweden, der viel in Tschechien musiziert, überzeugte zwar technisch, auch mit dynamischer Vielfalt und schlankem Ton. Aber ihm fehlte die leidenschaftliche, bedingungslose Hingabe an Elgars herbstlich-melancholische Gefühlswelt, die persönliche Schicksalsschläge im Leben des großen britischen Spätromantikers genauso widerspiegelt wie die Katastrophe des Ersten Weltkriegs.

Wie verwandelt wirkte Ericsson in der Zugabe „aus eigener Produktion“: einem teils gezupften, teils feurig gestrichenen Tango.

Die Nordböhmische Philharmonie Teplice hatte ihr drittes Marburg-Gastspiel seit 2004 mit Franz Schuberts „Rosamunde“-Ouvertüre begonnen - und brauchte dieses Zehn-Minuten-Stück, das wie die beiden anderen Werke des Abends eine Konzertverein-Premiere war, zum Warmspielen für die kammermusikalisch ausgefeilte Begleitung des Elgar-Konzertes.

Unter der Leitung von Miriam Nemcová musizierten die 41 Musikerinnen und Musiker nach der Pause mit Herzblut und Feinsinn die selten zu hörende sechste Sinfonie von Antonín Dvorák, die seinen Namen erstmals über die Grenzen des europäischen Kontinents trug.

Sie ist unüberhörbar eine Huldigung an Johannes Brahms und dessen ebenfalls in D-Dur stehende zweite Sinfonie, zählt aber gleichzeitig zu jenen Werken, in denen Dvorák bewusst nationale Töne anschlägt: am intensivsten im dritten Satz „Furiant“, einem böhmischen Tanz, der den zeitgleich entstandenen „Slawischen Tänzen“ entstammen könnte.

Nemcová ging ihn mit Verve und federnder Leichtigkeit an, ließ das Orchester im melodienseligen Adagio sehnsuchtsvoll singen und bewahrte auch in den effektvoll zugespitzten Ecksätzen ein Optimum an Klangkultur.

Am Ende applaudierten nicht nur die Musiker ihrer sympathisch zurückhaltend agierenden Dirigentin, auch die 650 Zuhörer wollten die Gäste aus Tschechien nicht von der Bühne lassen.

Mit dem einzigen Sinfoniekonzert der Saison verabschiedete sich der Konzertverein in die traditionelle Weihnachtspause. Sie endet am Sonntag, 13. Januar. Dann gastiert das Kammerorchester Cappella Istropolitana gemeinsam mit dem Gitarristen Friedemann Wuttke ab 20 Uhr in der Stadthalle Marburg.

von Michael Arndt

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