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Marburg Viel Applaus für Solisten und Chor
Marburg Viel Applaus für Solisten und Chor
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18:02 04.04.2017
Konzentriert und einfühlsam sang die Kantorei Marburger Land in der evangelischen Kirche von Cölbe. Quelle: Nadine Weigel
Cölbe

Stark, kraftvoll und mit wunderbaren Verzierungen interpretierte der Marburger Tenor Hubert Schmid die erste Arie „Mensch, empfinde doch Erbarmen“ der Markuspassion von Gottfried August Homilius, der zum unmittelbaren Schülerkreis von Johann Sebastian Bach zählt.

Ungewöhnlich an dieser Arie war, wie auch bei der zum Schluss, dass sie mit einem Tenor statt einer Sopranistin besetzt ist. Doch es passte zu dieser Passionsvertonung, deren Solokompositionen vorrangig männlich besetzt sind. Neben Schmid komplettierten Sänger aus dem Marburger Oktett die Runde der Solisten mit Dorith Neumeyer, Birgit Küllmar, Ralf Wicke sowie Marc Müllenhoff als Evangelist und Hartmut Raatz als Jesus.

Wie der Großmeister Bach verwendet auch Homilius in seiner oratorischen Passion die Elemente Evangelienbericht, Choräle, Turba-Chöre und Arien. Doch in seinem 1768 in der Zeit der Aufklärung entstandenen Passionsoratorium wählte Homilius einen schlichteren Tonfall. Als Dresdener Kreuzkantor komponierte er vor allem Kirchenmusik. In den vergangenen Jahren wurde seine Musik wiederentdeckt. Obwohl seine zehn Passionen immer wieder mal aufgeführt wurden, erklang die Markuspassion zum ersten Mal im Marburger Umland.

Orchester spielt zu kraftvoll

Geschlossen, bedächtig und mit viel Gefühl sangen die etwa 40 Laiensängerinnen und -sänger der Kantorei Marburger Land unter der Leitung von Bezirkskantorin Christiane Kessler etwa die Choräle, in denen die Passionsgeschichte kommentiert wurde. Kraftvoller und eigenständiger erklangen hingegen die Stimmen in den Turba-Chören, die in die ruhigen Rezitative als direkte Rede eingeworfen waren.

Doch Homilius verzichtete auf eine starke imitatorische Verflechtung, wie etwa bei Bach, und hielt die Chöre äußerst kurz. Dafür sind die Arien wesentlich ausgeschmückter. Sie bestechen durch viele Wiederholungen des Textes und schöne Verzierungen wie etwa in der Arie „Jerusalem, wie wütest du“, die von Dorith Neumeyer gesungen wurde. Energisch interpretierte sie die Passagen über die Verurteilung Jesu‘ an und wanderte mit ihrer Verzierung ganz hoch hinaus.

Begleitet wurde die Kantorei Marburger Land vom Marburger Kammerorchester, die mit Annette von Malek an der Orgel und um einige Blasinstrumente und Pauke ergänzt wurde. Allerdings zeigte sich schon nach der lieblichen Ouvertüre, dass das Orchester an manchen Stellen zu kraftvoll für die Laiensänger war. Gerade am Anfang fehlte dem Chor die Durchsetzungskraft gegen das eingespielte Orchester, um textverständlich wahrgenommen werden zu können.

Nach dem Schlusschor, in den Schmid und Wick als Duo mit einstimmten, hielt das Publikum, wie gewünscht, während des Glockengeläuts inne und bedankte sich im Anschluss mit kräftigem Applaus für eine schöne Aufführung einer Passionsmusik, die selten zu hören ist.

von Mareike Bader