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Viel Applaus für „Musik-Ausgräber“

Canticum Antiquum gab Konzert Viel Applaus für „Musik-Ausgräber“

Mit viel Gefühl sangen die knapp 30 Sängerinnen und Sänger am Sonntagabend in der Kugelkirche Werke von drei weitgehend unbekannten Komponisten aus dem späten 16. Jahrhundert.

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Der Chor Canticum Antiquum hat sich auf alte Musik spezialisiert. In der Kugelkirche sang er Werke unbekannter Komponisten aus dem 16. Jahrhundert.Foto: Mareike Bader

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Die Stücke ausfindig gemacht hatte die Sängerin Dorothea Philipps, die in Marburg am musikwissenschaftlichen Institut promoviert. Bei ihren Recherchen in der Bibliothek Francisceum in Zerbst stieß sie auf eineinhalb Meter Noten. Die Möglichkeit diese Werke mit ihrem Chor auszuführen war da geradezu naheliegend.

Mit ihrem Konzert „Musik zur Zeit der Reformation“ folgt das Vokalsensemble Canticum Antiquum dem Themenjahr der Lutherdekade „Reformation und Musik“ und würdigt gleichzeitig das 800-jährige Jubiläum des Fürstentums Anhalt.

Am Sonntagabend kamen über 100 Zuhörer in die Kugelkirche, um die schönen geistlichen Werke aus der Reformationszeit zu hören. Wie bei fast allen Chören hat auch das Canticum Antiquum mit Männermangel zu kämpfen. Chorleiterin Brigitte Key hatte sich dafür eine ganz besondere Idee einfallen lassen. Bei einer Konzertreise in Frankreich war sie bei den Proben unzufrieden mit dem Klang der Männerstimmen. Seitdem stehen bei ihr die Männer nicht mehr hinter den Frauen, wie es sonst üblich ist, sondern in der Mitte. Bei der Generalprobe zum Konzert am Sonntag zog sie den Bass sogar ganz nach vorne. Dies erwies sich als ein sehr geschickter Schachzug, der zu einem herrlich homogenen Klang führte. Stellenweise hatte man sogar den Eindruck die Männer sängen die gleiche Stimme.

Gleich der Konzertbeginn war richtig auffallend. Die Motette „Ascania de gente duci“ hatte Gallus Dressler gleich zweimal vertont und beide Kompositionen waren hintereinander zu hören. Mit dem wunderbar hellen und klaren Klang des Soprans und der tollen Verwebung der verschiedenen Stimmen, nahm das Vokalensemble Canticum Antiquum sein Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise ins 16. Jahrhundert. Herrlich anzuhören war, wie sich textverständliche, homophone Teile mit ausgiebig verzierten polyphonen Teilen abwechselten. Eine sehr ausgeklügelte Kompositionsweise der damaligen Zeit, die von den Sängerinnen und Sängern wunderbar umgesetzt wurde.

Besonders bei ruhigeren Stücken wie das Sanctus der Messe „Mort m’a privé“ von Thomas Crecquillon oder die Motette „Ich schlafe aber mein Herz“ von Christoph Demantius wurde hervorragend ruhig und gefühlvoll vorgetragen.

Besonders gelungen waren die Abschlüsse der jeweiligen Werke. Punktgenau endete der letzte Ton des Chores, der dann einen tollen Nachhall im kleinen, hohen Schiff der Kugelkirche mit sich zog.

Das Publikum war restlos begeistert. Nach einem langen und kräftigen Applaus kamen sehr schnell Anfragen nach einer CD des gelungenen Konzertes.

von Mareike Bader

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