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Verstörende Blicke auf den Körper

Ausstellung Verstörende Blicke auf den Körper

Johannes Grützkes monumentale Kunst polarisiert und irritiert – dennoch (oder deswegen?) kamen rund 200 Besucher zur Eröffnung seiner Ausstellung im Kunstverein.

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Johannes Grützke vor einem Selbstporträt.

Quelle: Ines Dietrich

Marburg. Die fast beängstigend gegenständlichen Werke des Künstlers scheinen ein bisschen befremdlich in einer Zeit, in der abstrakte Kunst allgegenwärtig ist.

„Die Botschaft auf den Rücken schreiben“, „In Betrachtung des Gänsekopfes“ oder „Das Gesicht von Wowereit“ heißen Grützkes Bilder und das was der Titel angibt sieht der Betrachter auch. Aber natürlich nicht ausschließlich. Denn Grützke malt mit energischem Pinselstrich und hat überhaupt keine Scheu, das zu zeigen, was er sieht und das ist manchmal verstörend, manchmal schön und manchmal häßlich.

Grützkes Blick auf Menschen und Ereignisse ist ironisch, humorvoll und sehr, sehr klar. Bei Grützke sind Körper Körper, und deshalb sind auch Falten, Fett und Muskeln zu sehen – da wird nichts beschönigt oder kaschiert. Grützkes Bilder sind sehr groß, sie nehmen viel Raum ein und brauchen viel Zeit zum Betrachten, nicht nur wegen der ungeheuren Detailtreue, die er zeigt. In jedem Bild steckt eine Geschichte und die herauszufinden ist nicht einfach – und jedem selbst überlassen.

„Es ist ja nicht so, dass ich über meine Bilder reden könnte oder wollte. Niemals! Was ich tue, weiß ich nicht. Eigentlich wissen Sie alles oder können es sich von Kennern erläutern lassen,“ sagte der Künstler.

Die Kennerin, die einführende Worte zu Grützkes Bildern sprechen wollte, war allerdings verhindert. Dr. Birgit Jooss vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg hatte mit den Unbillen der Deutschen Bahn zu kämpfen, so dass Grützke seine Laudatio selbst halten musste.

Wer sich aber eine Deutung seiner Bilder oder gar einen Blick ins künstlerische Innenleben erhofft hatte, wurde enttäuscht. Grützke nahm die Vernissagenbesucher mit auf einen Diskurs über Wissen und Nichtwissen und versuchte den Unterschied zwischen Wörtern und Bildern zu benennen. „Die Sprache der Malerei ist mit der Sprache der Wörter nicht zu beschreiben,“ so Grützke und machte auf geistreiche und humorvolle Art deutlich, dass Kunst nicht zu verstehen – und das auch eigentlich nicht nötig sei.

von Ines Dietrich

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