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Marburg Vermittler zwischen Kunst und Menschen
Marburg Vermittler zwischen Kunst und Menschen
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18:48 24.10.2012
Das Archivbild zeigt Dr. Paul Jürgen Wittstock im Jahr 2007 beim Interview mit der OP in seinem Büro im Ernst-von-Hülsen-Haus. Wittstock starb am Samstag im Alter von 68 Jahren. Quelle: Brock
Marburg

Paul Jürgen Wittstock hat als Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität das Marburger Kulturleben über zwei Jahrzehnte maßgeblich mitgeprägt.

Wittstock wurde in Wiesbaden geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte promovierte er über die „Geschichte der deutschen und skandinavischen Thorvaldsen-Rezeption“. Nach wissenschaftlicher Arbeit am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München begann Jürgen Wittstock 1975 seine Museumstätigkeit an den städtischen Museen in Lübeck. 1980 wechselte er an das kulturgeschichtliche Focke-Museum in Bremen, wo er stellvertretender Museumsdirektor wurde.

1986 übernahm er die Leitung des Marburger Universitätsmuseums, dem er bis zu seinem Ausscheiden in den Ruhestand am 1. Juli 2007 vorstand. Sein wissenschaftliches Interesse reichte von mittelalterlichen Pilgerzeichen bis zur Kunst der Gegenwart. Dies schlug sich auch in seiner Arbeit am Universitätsmuseum nieder, dessen Sammlung er durch Zukäufe zeitgenössischer Kunst geschickt erweiterte.

Wittstock hat zahlreiche Ausstellungen in Marburg kuratiert, darunter große, für Marburger Verhältnisse phänomenale Publikumserfolge: Seine großartige Ausstellung „Carl Bantzer - Aufbruch und Tradition“, für die er die Bantzer-Gemälde des Museums um zahlreiche überregionale Leihgaben ergänzte, sahen im Jahr 2002 mehr als 13000 Menschen.

Ähnlich erfolgreich war ebenfalls im Jahr 2002 auch die große Schau „Die Ausstellung „Otto Ubbelohde - Kunst und Lebensreform um 1900“. Das Jahr 2002 war wohl das erfolgreichste in der Geschichte des Museums.

Und wenn die Philipps-Universität am kommenden Mittwoch den Katalog zur „Sammlung Eitel. Kunst der Nachkriegsjahre in Europa“ vorstellt, ist auch dies ein Verdienst des stillen, zurückhaltenden und stets freundlichen Kunsthistorikers. Die Kunst-Sammlung Eitel, die dem Museum vermacht wird, sei ein „seltener Glücksfall“, sagte er 2002 der OP. Schon damals hatte er lange hinter den Kulissen mit der Stifterin und den Erben verhandelt. Die Sammlung sei ein Glücksfall, weil „nicht der persönliche Sammler-Geschmack im Vordergrund steht“. Sondern weil sie sehr bewusst zusammengestellt worden sei, erkannte Wittstock. Und zwar mit Kunst aus dem dritten Viertel des 20. Jahrhunderts, die im Marburger Uni-Museum fast gänzlich fehle. Wittstock hat hartnäckig um diese Sammlung gekämpft, nicht laut, sondern leise.

Gekämpft hat er auch um einen Erweiterungsbau an das Museum in der Biedenstraße, weil diese Bau seiner Ansicht nach Voraussetzung für die Sammlung gewesen sei. 2003 präsentierte Wittstock Pläne des renommierten Berliner Architekturbüros Volker Staab. Sie sahen einen sechs Mieter tiefen und drei Stockwerke hohen Anbau im Innenhof vor. Der Anbau aus Glas und Kupfer sollte etwa zwei Millionen Euro kosten und den heute kaum genutzten, quadratischen Innenhof bereichern. Die Pläne scheiterten am Geld, obwohl Stifterin Hilde Eitel sich bereiterklärte, selbst einen hohen Beitrag zum Anbau beizusteuern.

„Die Sache ist schief gelaufen, die Pläne sind baureif, aber das Geld ist nicht da“, sagte Wittstock 2007 in einem Interview mit der OP.

Neben seiner Arbeit für das Museum und dessen umfangreiche Sammlungen hat Wittstock die Marburger Kunstszene aufmerksam begleitet und viele Jahre etwa im Vorstand des Kunstvereins mitgearbeitet. Dessen Vorsitzender Dr. Gerhard Pätzold würdigte Wittstock als „sehr angenehmen Gesprächspartner und Kunstkenner, der für Kooperationen immer sehr offen war“. Tatsächlich hat Wittstock insbesondere dem Kunstverein immer „sein“ Museum für große Ausstellungen „Kunst in Marburg“ überlassen, bis der Kunstverein seine neuen Räume am Gerhard-Jahn-Platz bezog.

Bernd Höhmann hat über viele Jahre eng mit Paul Jürgen Wittstock zusammengearbeitet - als Kanzler der Philipps-Universität und als Vorstandsmitglied des Freundeskreises des Museums, dessen Gründung auch auf eine Initiative Wittstocks zurückgeht. Wittstock habe über Jahrzehne die Weiterentwicklung des Museums betrieben „und insbesondere moderne Kunst in Marburg verankert“, sagt Höhmann über Wittstock der dem Freundeskreis immer „ein guter ehrlicher Freund“ gewesen sei. Ihn habe das „sichere Gespür“ des Kunsthistorikers für junge talentierte Künstler fasziniert, die Wittstock mit Ausstellungen und Ankäufen förderte - wie etwa Harald Häuser oder Clemens Mitscher.

von Uwe Badouin

Marko Löhrke sieht die Stadt mit anderen Augen. Spielerisch überwindet er die grauen Mauern, springt über die höchsten Geländer und klettert Fassaden hinauf. Parkour ist für ihn mehr als Sport: es ist seine Bestimmung.

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