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Marburg Bushaltestellen sollen barrierefrei werden
Marburg Bushaltestellen sollen barrierefrei werden
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00:18 08.02.2019
Die Bushaltestelle Bachweg. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Damit eine Bushaltestelle barrierefrei ist, gibt es verschiedene Kriterien zu erfüllen. Unter anderem muss der Bus so halten könnten, dass bis zum extrahohen Bordstein ein maximaler Abstand von fünf Zentimetern ist. So kann man nahezu stufenlos ein- und aussteigen. Wenn die Haltebucht weniger als 90 Meter lang ist, ist das aber für Gelenkbusse nicht möglich. Dann ist der Abstand vom Bordstein bis zum Bus gerade bei den hinteren Türen größer.

Nicht überall ist Platz für so lange Haltebuchten. Deshalb werden im Zuge des barrierefreien Ausbaus künftig wohl vermehrt Bushaltestellen auf die Straßen verlegt. Das bestätigte Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel (CDU) auf OP-Nachfrage.
Grund für den Ausbau ist das Personenbeförderungsgesetz. Es legt fest, dass „für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs bis zum 1. Januar 2022 eine vollständige Barrierefreiheit zu erreichen“ ist. Ausnahmen von dieser Regel darf es geben, sie müssen aber begründet sein.

Im Nahverkehrsplan legt die Stadt fest, nach welchen Kriterien der Umbau erfolgen soll. Zunächst sind Haltestellen auf stark frequentierten Routen an der Reihe, da auf diesen Strecken auch die meisten Fahrgäste unterwegs sind. Dann sind jene in dicht besiedelten Stadtteilen dran, dann die in weiteren Stadtteilen der Kernstadt, in zentralen Außenstadtteilen, in entlegeneren Stadtteilen und schließlich Haltestellen im Schülerverkehr.

Stötzel: Geringe Belastung für Autoverkehr

Zunächst werde eine Bestandsaufnahme gemacht, so Baudezernent Stötzel. Damit soll geplant werden können, welche Schritte an den einzelnen Haltestellen umgesetzt werden müssen, um sie barrierefrei zu machen. Anhand der Liste würden die Stadtwerke und Stadt Marburg eine gemeinsame Prioritätenliste erstellen.

Welche Haltestellen auf die Straße verlegt werden sollen und wo stattdessen eine Verlängerung der Busbuchten möglich ist, stehe derzeit noch nicht fest, so Stötzel. In diesem Jahr sollten zunächst Haltestellen barrierefrei ausgebaut werden, die bereits direkt an der Straße liegen: „Volkshochschule“ in der Biegenstraße, „Südbahnhof West“ in der Straße Am Krekel sowie „Steinmühle“ in Cappel. Eine Verlegung ist daher nicht erforderlich, aber es sollen beispielsweise die Bordsteine erhöht werden und ein Leitsystem zur Orientierung für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung geschaffen werden.

Die meisten Haltestellen auf der Hauptverkehrsachse durch die Stadt sind laut Stötzel bereits barrierefrei ausgebaut. Eine Haltestelle, die auf einer Hauptverkehrsachse liegt, ist „Philippshaus“. Dort seien jedoch keine Staus bekannt. Die Belastung für den Autoverkehr, der sich hinter dem Bus staut, schätzt der Baudezernent als gering ein. Zudem sollten Pausen oder Fahrerwechsel an diesen Haltestellen vermieden werden. Trotzdem sollen Busbuchten „nur dann zurückgebaut werden, wenn das Verkehrsaufkommen dies zulässt.“

Für den Ausbau kann die Stadt vom Land eine Förderung zwischen 75 und 80 Prozent bekommen.

Fraktionen sind unterschiedlicher Meinung

Magistratsmitglied Nico Biver (Linke) befürwortet die Verlegung von Haltestellen auf die Straße, weil damit der Busverkehr beschleunigt werde. Diese Meinung teilt auch Hans-Werner Seitz (Grüne). Beide sind der Meinung, dass so gerade an Haltestellen, wo viele Menschen ein- und aussteigen, mehr Platz zum Warten geschaffen werden kann. 

Es sei wichtig, bei alledem sicherzustellen, dass der Verkehr ansonsten insgesamt flüssig laufe, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Jens Seipp. Dafür wolle seine Fraktion noch vor der Sommerpause Vorschläge für die Nordstadt machen. Am barrierefreien Ausbau führe kein Weg vorbei, sagte Thorsten Büchner von der SPD-Fraktion auf OP-Nachfrage. Er nutze nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch mit Rollator oder Kinderwagen. Er gehe zudem davon aus, dass der barrierefreie Ausbau so verträglich wie möglich gestaltet werde. Der Vorsitzende der FDP/MBL-Fraktion, Christoph Ditschler, sagte: „Busse dürfen nicht zum Verkehrshindernis für andere Verkehrsteilnehmer werden und sollten daher möglichst selten direkt auf der Straße halten.“

von Freya Altmüller und Michael Agricola