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Marburg Verheißung oder Bedrohung?
Marburg Verheißung oder Bedrohung?
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06:16 01.04.2012
Besucherinnen gehen in der Ausstellung «Frauen» in der Pinakothek der Moderne in München an dem Gemälde «The Visit» (1966-67) von Willem de Kooning vorbei. Quelle: Felix Hörhager
München

München. Pablo Picasso war ein Macho, Willem de Kooning hatte mit Frauen so seine Probleme und Max Beckmann sah in ihnen wohl die Verheißung einer besseren Welt. Eine große Ausstellung in München bringt die "Frauen"-Bilder der drei Künstler nun in einen Zusammenhang.

Kuratorin Carla Schulz-Hoffmann hat für ihre Abschiedsausstellung 95 Frauendarstellungen der Künstler Pablo Picasso (1881-1973), Max Beckmann (1884-1950) und Willem de Kooning (1904-1997) aus aller Welt zusammengetragen - für die größte und teuerste Ausstellung, die es in der Pinakothek der Moderne je gegeben hat. "Es geht um die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Frau", sagt sie gestern in München. Die Schau ist bis zum 15. Juli zu sehen.

Die meisten der Gemälde sind Leihgaben aus anderen Museen und privaten Kunstsammlungen, darunter Kostbarkeiten wie Beckmanns "Frau mit Mandoline", de Koonings extra aus Australien eingeflogene "Woman V" und das letzte Bild, das Picasso vor seinem Tod gemalt hat: "Die Umarmung".

Auch Picassos heftig umstrittene "Madame Soler", die Erben eines jüdischen Kunstsammlers von der Pinakothek zurückfordern, hängt jetzt in weiblicher Gesellschaft - ausgerechnet in dem Raum, der mit dem Thema "Harmonie, Ruhe, Selbstvergessenheit" überschrieben ist.

In insgesamt fünf Räumen sind die Bilder angeordnet; so stellt die Ausstellung die Frage nach Gegensätzen: Sind die Frauen in den Darstellungen Typus oder Idol, Verheißung oder Bedrohung? Die Maler, so wird in der Gegenüberstellung schnell klar, hatten jeweils ihre ganz eigene Sicht auf das ewig Weibliche. Beckmann habe Frauen als ruhenden Gegenpol zu sich selbst gemalt, sagt Kuratorin Schulz-Hoffmann. Während seine Selbstporträts "schonungslose Schärfe", Einengung und Selbstzerstörung auszeichne, sehe er in Frauen eine selbstverständliche Stärke. "Sie sind sich ihrer selbst sicher."

Für Beckmanns größten künstlerischen Konkurrenten Picasso sei die Frau dagegen eine "Reflexionsebene" gewesen, auf der er "das ganze Spektrum existenzieller Grunderfahrungen" abgearbeitet habe. "Picassos Frauenbilder sind Spiegel des Künstlers".

Bei de Koonings abstrakten Gemälden gelte dagegen: "Die Frau wird zur Landschaft, die Landschaft zur Frau." Es gehe ihm um die Malerei, um das Umsetzen von Emotionen, von Sinnlichkeit, in Farbe.

Picasso gilt als Frauenverschlinger

Dass Picasso privat alles andere als ein Kostverächter war, ist hinlänglich bekannt. Die zahlreichen Beziehungen zu seinen Musen, von denen die meisten an der Liebe zu dem Künstler zerbrachen, sind legendär. Ein Porträt seiner ersten Frau Olga ist in der Ausstellung zu sehen.

"Picasso gilt ja als Frauenverschlinger", sagt auch Schulz-Hoffmann. Vielen seiner Ex-Geliebten galt er als Monster. De Kooning soll ein Frauenverächter gewesen sein.

Die Bilder der Künstler aber, so betont die Kunsthistorikerin, zeichnen ein ganz anderes Frauenbild: ein starkes, ein autonomes. Das hätten die Werke aller drei Künstler gemeinsam.

Und noch etwas: "Sie widersprechen geläufigen Idealen weiblicher Schönheit", sind weder Ikonen noch willige Objekte. Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Klaus Schrenk, sieht in den Frauendarstellungern der Künstler "Grundfragen menschlicher Existenz im Gegenüber".

Auf wie viele Besucher sie hofft, das will Kuratorin Schulz-Hoffmann nicht sagen. Nur soviel: "Ein wirklicher Erfolg ist eine Ausstellung in der Pinakothek der Moderne, wenn sie über 150000 Besucher hat."

Das bislang erfolgreichste Projekt des Museums war 2010 die Neo-Rauch-Retrospektive mit rund 165000 Besuchern. Auf Platz zwei schafft es 2007 "Max Beckmann - Exil in Amsterdam". Beckmann zog damals rund 150000 Menschen an - und das ohne seine beiden berühmten Kollegen.

von Britta Schultejans