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Marburg Ohrfeigen, Faustschläge, Würgen
Marburg Ohrfeigen, Faustschläge, Würgen
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00:17 17.03.2019
Ein Vater-Sohn-Konflikt endet vor Gericht. Das Verfahren wegen Körperverletzung in vier Fällen wird aber eingestellt.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der beschuldigte Witwer kam mit dem Lebenswandel seines Sohnes nicht klar. Da jedoch Aussage gegen Aussage stand, stellte das Gericht unter dem Vorsitz von Maja Schlenzig das Verfahren wegen Körperverletzung in vier Fällen ein. Ohrfeigen, Faustschläge, Würgen und mehrere Sekunden den Kopf in eine mit Wasser gefüllte Badewanne tauchen: Die Vorwürfe des 19-jährigen Mannes gegen seinen eigenen Vater waren schwerwiegend. Doch um beiden Männern, die mittlerweile keinen Kontakt mehr zueinander haben, eine Annäherung zu ermöglichen, stellte das Gericht das Verfahren ein.

Der 42-jährige Mann, der mittlerweile in Nordrhein-Westfalen lebt und seit mehreren Monaten keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn hat, erklärte Rechtsmittelverzicht und muss daher einen Geldbetrag von 1.000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen. Die Vorwürfe seines Sohnes stritt er vehement ab und brach in Tränen aus, als der 19-Jährige, der noch immer in Marburg wohnt, Amtsanwältin Tina Grün kühl vorhielt: „Ich will meinen Vater aber nicht wiedersehen. Sie können sich nicht vorstellen, was ich in 20 Jahren durchgemacht habe.“

Vater würde sich über Kontakt per Telefon freuen

Die Beschuldigungen seien nur die Peinigungen, die ihn im Juni 2018 zum Auszug aus der gemeinsamen Marburger Wohnung bewegten. Er kam bei seiner Freundin unter. Grund für den Vater-Sohn-Konflikt war der Lebenswandel des Sohnes. „Er ist hier in Deutschland in Kreise geraten, die seinem Vater, der als Witwer seinen Sohn seit der Kindheit alleine erzogen hat, nicht gefallen haben. Mein Mandant hat nur seinen Sohn“, sagte Verteidigerin Funda Bicakoglu.

Drogen, Freundin, nur unregelmäßige Kirchenbesuche und Vernachlässigung des Kickboxtrainings – der Sohn bestätigte diese Konfliktgründe, lieferte aber noch weitere: „Ich habe ihn aufgefordert, dass er mir einen Teil der Sozialleistungen monatlich gibt, den wir erhalten haben. Außerdem wollte ich meinen Ausweis von ihm haben, als ich endlich 18 Jahre alt war. Den hatte er immer. Beides hat er abgelehnt.“ Der Vater hielt seinem Sohn die Tür offen und erklärte, sich über Kontakt via Telefon als ersten Schritt zu freuen. Dieser Idee war der Sohn zumindest nicht ganz so abgeneigt wie einem Treffen von Angesicht zu Angesicht.

von Benjamin Kaiser