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Marburg Gegen Genderismus und Anglizismen
Marburg Gegen Genderismus und Anglizismen
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00:17 30.10.2018
Der Genderismus macht auch vor Verkehrsschildern in der Marburger Uferstraße nicht Halt. Der Verein Deutsche Sprache kämpft gegen ihn und auch gegen die Anglizismen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Im Mai 1990 hat der Bundestag einen Beschluss gefasst, in dem es unter anderem heißt: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, ab sofort in allen Gesetzentwürfen, Rechtsverordnungen und Gesetzen geschlechterspezifische Formulierungen zu wählen oder solche zu verwenden, die beide Geschlechter benennen, soweit dies sachlich gerechtfertigt ist und Lesbarkeit und Verständlichkeit des Gesetzestextes nicht beeinträchtigt werden.“

Für den Verein Deutsche Sprache, der sich auch regelmäßig in Marburg trifft, ein Unding. Adolf Wallbott, Mitglied des Vereins und Vortragender beim letzten Treffen, spricht sogar von „einer Misshandlung und Verhunzung der deutschen Sprache, die vor allem auf den sogenannten Genderismus zurückzuführen sei“.

„‚Die Person‘ kann auch einen Mann meinen“

Das sehen auch Ernst Lorch sowie Hermann Schubart so. Die beiden 77-Jährigen aus Gladenbach und Michelbach sind in der Marburger Gruppe des Vereins Deutsche Sprache sehr aktiv und wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die deutsche Sprache eben nicht weiter verhunzt wird. „Denn das natürliche Geschlecht und das grammatische Geschlecht sind nicht identisch“, erklärt der ehemalige Lehrer Hermann Schu­bart und ergänzt: „‚Die Person‘ beispielsweise ist grammatisch weiblich, kann aber einen Mann meinen.“

So sei es ganz normal, mit dem generischen Maskulinum „eine Allgemeinheit zu bezeichnen oder gemischtgeschlechtliche Gruppen oder Referenten, deren Geschlecht (Sexus) unbekannt oder gleichgültig ist“, sagt Wikipedia. „Im generischen Maskulinum ist beides enthalten“, ergänzt Hermann Schubart.

Forderung: deutsche Sprache im Gesetz verankern

Für Adolf Wallbott sei die „Gendersprache das Werkzeug eines ideologischen Programms zur Gesellschaftsveränderung. Sie entstehe nicht ‚von unten‘ aus dem allgemeinen Sprachgebrauch, sondern werden ‚von oben‘ durchgesetzt auf dem Weg politischer Verordnungen oder durch informelle sprachliche Richtlinien.“ Denn selbst im Grundgesetz ist weder von der Gleichheit der Menschen, auch nicht von Mann und Frau, die Rede. „Es heißt ‚vor dem Gesetz gleich‘. Von der Ideologie des Genderismus ist dort keine Rede.“

Der Verein Deutsche Sprache mit den beiden Marburger Sprachenliebhabern Lorch und Schubart kämpft auch dafür, dass die deutsche Sprache im Grundgesetz verankert wird. In Österreich, in der Schweiz, in Liechtenstein und sogar in Belgien ist Deutsch als ­Landessprache in der jeweiligen Verfassung verankert, nur in Deutschland nicht. Sogar in der Europäischen Union ist die deutsche Sprache als Arbeitssprache verankert. Dabei hat sie in den letzten Jahren an Einfluss verloren.

Warum „Funeral Master“ statt „Bestatter“?

„Wie alle­ anderen europäischen Sprachen auch, die durch die Globalisierung gefährdet sind“, weiß Ernst Lorch. Der deutsche VW-Konzern hat intern Englisch als Konzernsprache eingefügt, ebenso Siemens Deutschland. Das gleiche Unternehmen hat in Spanien allerdings Spanisch als Unternehmenssprache festgelegt.

„Warum ist das so?“, fragt der Gladenbacher, der sich auch gegen die „Verenglischung“ der deutschen Sprache einsetzt. „Die englischen Begriffe­ im Deutschen werden immer mehr. Selbst Berufsbezeichnungen existieren nur noch in englischer Sprache“, moniert Ernst Lorch. „Funeral Master“, sagt er, „ist der Bestatter. Das ist doch nicht normal.“ Über „Coffee to go“ regen sich die beiden schon gar nicht mehr auf. Aber das „denglische“ Wort „Back-Factory“ macht für sie gar keinen Sinn. „Wörtlich übersetzt heißt es ‚Rücken-Fabrik‘“, schütteln beide mit dem Kopf.

Rucksack wird zum Leichensack

Ähnliche Beispiele sind „public viewing“, was im Englischen „Leichenschau“ bedeutet, oder „body bag“ eigentlich Leichensack heißt und nicht „Rucksack“. Auch die Ankündigung der evangelischen Jugend aus Gladenbach für ein Kinderfest sorgte bei den beiden Männern für Unverständnis. „Alle Spiele wurden auf Englisch aufgezählt, in der gesamten Ankündigung wimmelte es nur von ‚denglischen‘ Ausdrücken“, ­ärgert sich Ernst Lorch.

Jährlich vergibt der Verein den Titel „Sprachpanscher des Jahres“, wo auf völlig abwegige Anglizismen aufmerksam gemacht wird. Gewinner in diesem Jahr war der Sponsor Mercedes-Benz vom Deutschen Fußballbund mit seinem Slogan „Best never rest“ – zu Deutsch „am besten nicht rasten“, sollte aber eigentlich heißen „Die Besten rasten nie“.

  • Der Verein Deutsche Sprache trifft sich alle drei Monate in Marburg, das nächste Mal im November. Interessierte können sich bei Hermann Schubart unter 06420/7334 melden.

von Katja Peters