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Venedig auf dem Markplatz

Open-Air-Spektakel Venedig auf dem Markplatz

Am kommenden Donnerstag feiert das Hessische Landestheater Premiere mit dem Klassiker „Der Kaufmann von Venedig“. Zaungäste können bis dahin Probenatmosphäre auf dem Marktplatz schnuppern.

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Franziska Knetsch (oben von links) und Victoria Schmidt machen es sich auf dem Belmont-Mobil bequem. Regisseurin Ursula Maria Berzborn (linkes Bild) diskutiert bei den Proben mit Darstellern.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Touristen, Oberstadtbewohner und Cafébesucher wundern sich ein wenig über die merkwürdig gekleideten Figuren und die komisch aussehenden Schubkarren auf dem Marktplatz. Die Männer tragen Dreispitz, wehende Mäntel und altertümlich wirkende Stiefel. Es sind Schauspieler vom Hessischen Landestheater, die sich nach wochenlangen Proben jetzt das Gelände auf dem Marktplatz aneignen.

Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr bis zur Premiere am Donnerstag um 20.30 Uhr. Aus Sicht der vielen Fußballfans unter den Schauspielern kollidieren die Endproben zudem mit den Europameisterschaftsspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Heute Abend wird geprobt, am kommenden Mittwoch ist Generalprobe.

 

Für das Team um Regisseurin Ursula Maria Berzborn von der international renommierten freien Theatergruppe „Grotest Maru“ ist vieles neu an dieser Arbeit. Die Berliner kommen vom Bewegungs- und Objekttheater, vom Straßentheater, die Darsteller des Landestheaters vom klassischen Sprechtheater. Beides gilt es nun zu verbinden zu einem sinnlichen Open-Air-Spektakel.

Nach Molierès „Don Juan“ soll nun Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ die Theaterfans beim zweiten Marburger Theatersommer begeistern. Der über 400 Jahre alte Klassiker von Shakespeare ist das Herzstück des zweiten Marburger Theatersommers vom 14. Juni bis 1. Juli mit insgesamt 26 Veranstaltungen. „Der Kaufmann von Venedig“ wird elfmal gespielt.

Der Aufwand ist wieder enorm. Gut 50 Kostüme wurden für die elf Darsteller und die zehn Statisten geschneidert. Auch die Schreiner und Schlosser des Landestheaters hatten und haben noch alle Hände voll zu tun: Sie haben Kulissen und eine Bühne gebaut, an Schubkarren erinnernde Laufgondeln zusammengeschraubt und rot-weiß geringelte Pfähle in Autoreifen gestellt. Sergej Fuchs hat ein 38 Meter breites Meeresbild gemalt: Marburgs Marktplatz soll sich schließlich in Venedig verwandeln. All dies sind Versatzstücke aus der Traumstadt von Touristen aus aller Welt.

Selbst vor dem VW-Pritschenbulli des Berliner Bühnenbildners Torsten Holger Schlopsnies haben sie nicht haltgemacht. Der altgediente Transporter wurde in das Belmont-Mobil verwandelt, die Heimat der Prinzessin Porzia. Die Schweißarbeiten sind vermutlich irreparabel. Schlopsnies trägt es mit der Fassung eines Theatermannes: „Wir tragen der angespannten Lage im Kulturbereich Rechnung und bringen uns völlig ein“, sagt er schmunzelnd. Er hat sichtlich Spaß an der aufwändigen Produktion, für die Martin Ertl eigens die Musik komponierte. Und die portugiesische „Grotest Maru“-Tänzerin Paulina Almeida hat mit den Darstellern und den Statisten die Choreografien einstudiert - keine leichte Sache.

Ursula Maria Berzborn will die Geschichte um Liebe, Rache, Gier und Leidenschaft als pralles und komödiantisches Spektakel mit Sturm, Getöse und Prinzencasting erzählen. Gut und böse prallen in dem Stück aufeinander: Ist es gerechtfertigt, von dem Schuldner ein Pfund seines eigenen Fleisch einzufordern, wenn dies das vereinbarte Pfand war? Die Verweise auf Juden und Christen hat Regisseurin Berzborn gestrichen.

In den Hauptrollen sind Franziska Knetsch als Porzia, Jürgen Helmut Keuchel als Geldverleiher Shylock und Oliver Schulz als Kaufmann Antonio zu sehen, der mit einem Pfund seines Fleisches für seinen Kredit gebürgt hat. In weiteren Rollen sind Victoria Schmidt, Paulina Almeida, Sebastian Muskalla, Charles Toulouse, Martin Maecker, Stefan Alexander Piskorz, Michael Köckritz und aus der Verwaltungsetage des Hessischen Landestheaters Dieter Dreßen als Doge zu sehen.

Weitere Vorstellungstermine sind am 15. (geschlossene Vorstellung der OP, ausverkauft), 16., 17., 19., 20., 22., 23., 24., 28. und 29. Juni. Vorstellungsbeginn ist jeweils ab 20.30 Uhr; Einlass ab 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf an der Theaterkasse in der Stadthalle oder im Theater-Bauwagen in der Oberstadt (neben der Sparkasse).

von Uwe Badouin

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