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Varieté als Anti-Depressivum

Premiere in der Waggonhalle Varieté als Anti-Depressivum

Lange Zeit galt das Varieté als aussterbende Kunstform. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. Die ZAC-Varieté-Reihe in der Waggonhalle ist auch im 13. Jahr ein Renner. Zu Recht, wie die aktuelle Show beweist.

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Schräge Moderatoren (von oben im Uhrzeigersinn): Linne & Riesling führen durch die Show. Hausmeister Stanke überlebt die Leiter. Natalie Reckert zeigt klassische Artistik, Marcel Peneux Stepptanz in Perfektion. Und Zauberer Juno sucht eine Karte.Fotos: H

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Varieté-Programme sind Wundertüten. Man weiß vorher nie so genau, was drin ist: Comedy, Artistik, Jonglage, Zauberei, das Spektrum dieser Kleinkunstform ist riesig.

Für die Waggonhalle und ihren Marburger Impressario Horst Lohr alias Zauberer Juno ist die 13 offensichtlich keine Pechzahl: Das inzwischen 13. ZAC-Sommer-Varieté in der Waggonhalle, das am Donnerstagabend in der mit rund 200 Zuschauern ausverkauften Waggonhalle Premiere hatte, entpuppt sich nämlich sehr schnell als echtes Anti-Depressivum für stress- und krisengeplagte Marburger. Fast drei Stunden dauert die Show mit Pause und diese drei Stunden vergehen wie im Flug.

Dazu tragen insbesondere die sympathisch-frechen Komiker Linne & Riesling bei. Das Comedy-Duo führt mit seinen aberwitzigen Sketchen nicht nur durch die Show, es prägt sie zu einem großen Teil. Zum Schießen komisch ist etwa ein Luftballonnummer der beiden. Immer wieder kämpft insbesondere der durchtrainierte Riesling dank seiner unglaublichen Körperbeherrschung gekonnt mit der Tücke des Objekts.

Körperbeherrschung ist ohnehin das A und O im Varieté. Das gilt selbst für den Zauberer Juno, der seine Tricks mit seinem angelernten, charmanten Schwyzer Dialekt präsentiert. Diesmal findet er nach langem Hin und Her natürlich die vermaledeite Karte, die eine Besucherin ausgewählt hat. Und selbstverständlich kriegt er auch die sechs Metallringe zusammen, ohne dass einer merkt, wie er das macht.

Athletik und Comedy verbindet auch der Berliner Hausmeister Stanke zu einer grandios-witzigen Slapstick-Teppich-Nummer. Wie sich der trottelige Hausmeister immer wieder in äußerst prekäre Situationen bringt und sie am Reck mit atemberaubender Artistik löst, ist zum Schreien komisch und geradezu olympisch gekonnt.

Für klassische Artistik steht noch bis Sonntag Natalie Reckert. Sie zeigt eine gekonnte Handstand- und eine Vertikaltuchnummer.

Star des Abends aber ist der in Surinam in Südamerika geborene Stepptanz-Weltmeister Marcel Peneaux. Mit einem bestechenden Rhythmusgefühl tanzt er nahezu schwerelos zu live gespielten Jazzstandards der Marburger Jazzrobots, die sich längst ruhig und gekonnt in die Herzen der heimischen Varieté-Fans gespielt haben.

Mit einem Lächeln im Gesicht präsentiert Marcel Peneaux seine Show der schnellen Füße. Ein absoluter Bühnenprofi, der das Publikum mit einbezieht, der sichtlich den Applaus liebt, ihn braucht und natürlich bekommt.

Das 13. ZAC-Sommer-Varieté bietet allerbeste und in erster Linie komische Unterhaltung. Ab kommender Woche stößt die Trapezkünstlerin Katrina zum Team. Die „Königin der Lüfte“ löst Natalie Reckert ab.

Leider sind Linne & Riesling am kommenden Samstag, 18. August, wegen anderer Verpflichtungen ausnahmsweise nicht auf der Marburger Bühne zu sehen. Als „Ersatz“ stehen für einen Abend Ulli Lohr und Bauchredner Frank Rossi bereit.

Das ZAC-Sommervarieté ist bis zum 26. August in der Waggonhalle zu sehen, jeweils mittwochs bis samstags um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr.

von Uwe Badouin

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