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Marburg Eingewöhnung nimmt Hund die Angst
Marburg Eingewöhnung nimmt Hund die Angst
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00:33 15.10.2018
Urlaub mit dem Hund ist heute selbstverständlich. Nur sollte er in einer speziellen Transportbox oder angeschnallt auf der Rücksitzbank transportiert werden. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Na klar soll er mit in den Urlaub – schließlich gehört er zur Familie. Wer einen Hund hat, der möchte ihn am liebsten überall mit hinnehmen. Beim Wandern in den Bergen oder beim Spazieren am Meer fühlen sich die Vierbeiner pudelwohl, genießen die langen Aktivitäten mit ihrem „Rudel“.

Die Fahrt zum Urlaubsort könnte aber unter Umständen schon zum Problem werden. Denn auch Hunde können unter der sogenannten Reisekrankheit leiden. Bekannt ist, dass die Kombination aus unkontrollierbaren, ungewohnten Bewegungen in Transportmitteln, sowie der Stress und die Angst des Hundes ein starkes Gefühl von Übelkeit und in der Folge Erbrechen hervorrufen.

Auch fürs Tier: Mittel gegen Reiseübelkeit

Die Kombination aus dieser Angst und das fehlende Verständnis des Hundes, was genau beim Transport mit ihm passiert, fördern die Symptome der Reiseübelkeit. Unruhe, vermehrter Speichelfluss, Zittern, Übelkeit und Erbrechen können die Folge sein. Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob der Hund in einer speziellen Transportbox oder angeschnallt auf dem Rücksitz mit in den Urlaub fährt.

Dirk Behnke, Fachdienstleitung Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis Marburg-Biedenkopf, rät, einen Tierarzt aufzusuchen, wenn die Symptome beim eigenen Hund auftreten. „Der kann Medikamente verabreichen, die die Symptome lindern“, so der Veterinär. Durch die Gabe eines Antiemetikums (=Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) beispielsweise, wird dem Hund das körperliche Unwohlsein genommen. Es gibt aber auch homöopatische Mittel, wie etwa Bachblüten, die helfen können.

Früh übt sich auch der Hund

Um das Angstpotential schneller in den Griff zu bekommen, bieten sich Sprays an, die sogenannte Beruhigungsbotenstoffe enthalten. Die Mutterhündin gibt diese Botenstoffe ihren Welpen über die Muttermilch mit. Sie signalisiert so den Welpen, dass sie keine Angst zu haben brauchen, dass alles in Ordnung ist. Den Welpen hilft dies, die vielen neuen Reize während der ersten Wochen ihres Lebens entspannt zu verarbeiten. Diesen Effekt macht man sich nun durch synthetisch hergestellte Pheromone zu Nutzen.

Aber am besten ist es, den Hund frühzeitig an das Auto sowie das Fahrgeräusch zu gewöhnen. Je jünger er dabei ist, umso besser. Bei älteren Hunden kann dieser Prozess länger dauern. Die Gewöhnung startet man üblicherweise im stehenden Auto, ohne Motorgeräusch. Der Hund wird in die Box oder auf den Rücksitz gelockt und gefüttert oder gestreichelt – man macht ihm die Umgebung „schmackhaft“. Wenn der Hund gerne ins Auto springt, dann kommen die Motorgeräusche hinzu, später das fahren. Dieser Prozess kann Wochen dauern, er kann aber auch, je nach Hundetyp, viel kürzer ausfallen.

Über Einreiseformalitäten informieren

Während der Reise sollten ausreichend Pausen gemacht werden, damit der Hund sich lösen kann oder auch Flüssigkeit zu sich nehmen kann. Empfohlen wird, dem Hund etwa sechs Stunden vor Reisebeginn nicht mehr zu füttern. Ein nicht zu voller Magen hilft ja auch beim Menschen gegen Reiseübelkeit. Während der Fahrt sollte darauf geachtet werden, dass der Hund keine Zugluft abbekommt oder die Umgebungstemperatur durch die Klimaanlage zu sehr abkühlt. Hunde können ihre Körpertemperatur nicht so rasch
anpassen. An warmen Tagen sind die Morgen- und Abendstunden die beste Reisezeit.

Je nach Reiseziel sollte sich der Hundehalter schon im Vorfeld über die Einreisebedingungen informieren. „Es müssen die speziellen Einreiseformalitäten des Reiselandes erfüllt werden, wie Impfungen, Entwurmungen oder spezielle Blutuntersuchungen“, so Dirk Behnke. Selbst in der Europäischen Union gibt es dort in den einzelnen Ländern Abweichungen. Geht es nach Übersee, sind die Vorschriften meist noch schärfer. In Australien müssen alle Tiere, auch Haustiere, in eine mehrwöchige Quarantäne nach der Einreise. Ein Grund, warum es down under keine Tollwut und auch keine Zecken gibt.

Der Veterinär fügt noch hinzu: „Des Weiteren muss darauf geachtet werden, was bei der Wiedereinreise in die Europäische Union gefordert wird. In Deutschland besteht beispielsweise ein Ein- und Durchreiseverbot mit Welpen unter 15 Wochen.“

Abwägen, was das 
Beste für den Hund ist

Am Urlaubsort angekommen, sollte man auch dem Hund die Möglichkeit geben, sich zu akklimatisieren. Vierbeiner, die es gewohnt sind, können in der Nacht in der Box im Auto schlafen. Wer seinen Hund auch zu Hause in der Wohnung hat, der nimmt ihn am Urlaubsort am besten auch mit ins Zimmer. Dies sollte aber vorher mit der Zimmervermietung abgesprochen werden. Mittlerweile gibt es auch spezialisierte Unterkünfte, die sich sowohl auf die Bedürfnisse des Vierbeiners, als auch auf die Halter eingestellt haben.

Beim Stadtspaziergang oder Festbesuchen ist zu überlegen, ob der Hund unbedingt dabei sein muss. Stolz zu präsentieren, dass der eigene Gefährte beim Kanonenschuss oder Feuerwerk keine Angst zeigt, ist nicht zu empfehlen. Ebenso bedeuten Menschenansammlungen oft Stress. Starkes Hecheln, zittern oder panische Reaktionen sind Anzeichen, die ein verantwortungsvoller Hundehalter nicht ignorieren sollte. „Hundebesitzer sollten immer abwägen, was das Beste für das Tier ist. Vor allem was das Reiseziel angeht“, sagt Dirk Behnke abschließend.

von Katja Peters