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Marburg Protest gegen Bebauung des Rothenbergs
Marburg Protest gegen Bebauung des Rothenbergs
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16:26 23.04.2018
Dr. Nadia Otero (links) und Ellen Hissung blicken mit Sorge auf das Flurstück „Engelsberg“. Sie ­haben Kritik an und viele Fragen zu den Bebauungsplänen Oberer Rotenberg. Quelle: Simone Schwalm

„Wir wollen die ­Bevölkerung wachrütteln“, sagt Dr. Nadia Otero. Sie wohnt nur wenige Straßen entfernt vom Flurstück „Engelsberg“, das parallel zum Höhenweg liegt.

Die Fläche ist ebenso wie der ­Hasenkopf am Stadtwald im ­Regionalplan als Wohnungsbau-Vorrangfläche ausgewiesen (OP berichtete), das heißt konkret: Hier darf gebaut werden.

Das weiß Otero und verbindet mit den Bebauungsplänen zahlreiche Befürchtungen. Dabei ist sie nicht die Einzige: Mehr als 400 Bürger haben sich an einer Unterschriftensammlung „gegen den Bau des Gewerbe­gebietes und der Wohnbebauung“ am Oberen Rotenberg und den Marbacher Wiesen beteiligt.

Positionspapier liegt vor

Otero und ihre Mitstreiterin­ Ellen Hissung sind sich sicher: Von den – möglichen – Auswirkungen der ­Bebauung seien nicht nur die Anwohner des Rotenbergs und der Marbach betroffen, sondern auch die Bürger in Ockershausen und Wehrshausen „und letztlich die gesamte Marburger Bevölkerung“.

Die Unterschriften-Aktion hat die Initiative Marbacher Nachbarn (MarNa) gestartet, zu der Otero und Hissung gehören. Vier weitere Bewohner des Rotenbergs und der Marbach befassen sich aktiv mit den Bebauungsplänen – seit der Bürgerversammlung im März vergangenen Jahres, als die Pläne zu einem tegut-Markt am Oberen Rotenberg vorgestellt wurden (OP berichtete).

Die MarNa-Mitglieder, die laut Otero viel recherchiert und sich auch Rat bei Experten geholt haben, haben­ ein Positionspapier ausgearbeitet, in dem sie ihre Bedenken ­gegen die Bebauung des Oberen Roten­bergs und der Marbacher ­Wiesen darlegen und mit ­ihren Recherchen begründen.

Ihre Unterschriftensammlung möchten sie am Montag der Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk übergeben. „Wir möchten ein Zeichen setzen mit diesen Unterschriften – ein Ausrufezeichen für das Wahljahr“, sagt Otero.

Sorge um Vögel, Amphibien und kühle Frischluft

Ihre Kritik an den Plänen begründen die MarNa-Mitglieder vor allem mit Aspekten rund um den Naturschutz – etwa dass durch die Bebauung sowohl Vögel als auch Amphibien wie Erdkröten und Molche gefährdet seien.

Darüber hinaus fürchten sie beispielsweise um die kühle Frischluft, wenn Frischluftschneisen wegfallen, was auch klimatische Auswirkungen auf die Stadt habe.

Ihr Anliegen ist es daher, dass – „bevor die Bauleitplanung läuft“ – unabhängige und zeitnahe Gutachten von der Stadt in Auftrag gegeben und öffentlich gemacht werden. Sie sind der Ansicht, dass ein unabhängiges ­Artenschutzgutachten, ­Vögel und Amphibien betreffend, ­erstellt werden müsse.

Mindestens ein Jahr lang müssten Klimadaten über Messungen erhoben werden und die Bedeutung der Bebauung für das Abwasser beziehungsweise­ den Wasserhaushalt eruiert
werden.

„Neue Anwohner sorgen auch für mehr Verkehr“

Eine weitere Befürchtung geht mit den Bebauungsplänen einher: „Neue Anwohner sorgen auch für mehr Verkehr, es muss ja dann auch eine Verkehrsanbindung geben“, sagt Otero­ und ergänzt: „Eine Möglichkeit wäre, dass der Feldweg, der an das Flurstück Engelsberg angrenzt, zu einer Straße wird.“

­Ihre Angst sei, dass es dann kein weiter Schritt mehr wäre, den Bau der Westtangente anzugehen, etwa als bessere Anbindung an das Lahntal. Diese würde Otero zufolge über den unteren Sellhof-Bereich mit den Streuobstwiesen führen, um dessen Fortbestehen sie nun auch fürchten.

Neben all diesen Sorgen gibt es noch eine weitere: „Wer muss denn die Kosten dafür tragen, wenn zum Beispiel Baumaschinen die Straßen kaputt machen und diese dann erneuert werden müssen?“, möchte Hissung wissen. Sie beschäftigen vor allem die finanziellen Auswirkungen und befürchtet Folgekosten für die Marburger Bürger.

Die Bürgerbeteiligung kommt Otero zufolge „einfach zu spät“, ebenfalls sieht sie ein Problem im angekündigten Zeitraum, der auch die Sommerferien betrifft. „Da sind viele Bürger einfach nicht da“, sagt sie.

von Simone Schwalm