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Marburg Ungewöhnlicher, atmosphärischer Abschluss
Marburg Ungewöhnlicher, atmosphärischer Abschluss
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18:58 30.05.2017
Der Liedermacher Gerhard Schöne spielte in der Kugelkirche das Abschlusskonzert zur 500-Jahrfeier. Quelle: Mareike Bader
Marburg

Mit virtuosem, kraftvollem Orgelspiel eröffnet Jens Goldhardt das Konzert mit ­einem Werk von Johann Sebastian Bach. Dann folgt der Wechsel ins Flötenregister, die Klänge werden atmosphärisch, sanfter und vorne im Altarraum singt Liedermacher Gerhard Schöne das zum Nachdenken anregende „Wo?“. Nach der ersten Strophe kommt Ralf Benschu Sopran-Saxophon spielend über den Mittelgang hinzu und es entfaltet sich ein warmer Klang.Die Musiker, die sich bei einem Konzert kennengelernt haben, zeigen sich gut aufeinander abgestimmt.

Ihr Programm „Ich öffne die Tür weit am Abend“ nach einer Komposition des Griechen Mikis Theodorakis ist nicht nur wegen der ungewöhnlichen Mischung der Instrumente interessant. Hier treffen auch unterschiedliche Musiken aufeinander: Weltlich und geistlich, neu bearbeitete Choräle oder Lieder aus Schönes Feder für Erwachsene oder Kinder. Die Grenzen scheinen manchmal fließend. Bei „Ich packe meinen Koffer“ vermutet der Zuhörer schnell ein Kinderlied, das sich mit Utensilien von Nuckelflasche über Lesefibel, Motorsäge bis hin zum Rentenausweis eher zu einer Reise durch das Leben wappnet.

Alte Choräle mit neuem Klang

„Ich mag gute Geschichten“, erläutert Gerhard Schöne, der als einer der wenigen ostdeutschen Liedermacher auch nach der Wende erfolgreich blieb. Schöne Erzählungen verarbeitet er zu eigenen Liedern oder verleiht alten Chorälen auch mal einen neuen Text – weil er sie ein paar hundert Jahre später aus seiner heutigen Sicht zeigen will, wie er bekräftigt.

Und so klingen dann „Die güldene Sonne“ oder „Jesu, meine Freude“ schon inhaltlich ganz anders. Zusammen mit den thüringischen Musikern Jens Goldhardt, Kirchenmusikdirektor in Gotha, und dem Jazz- und Rockmusiker Ralf Benschu, die zusammen auch als Team Orgelsax unterwegs sind, bekommen die alten Choräle aber auch gleich einen neuen Klang.

Die etwa 150 Zuhörer in der Kugelkirche genossen das ruhige, andächtige Konzert und bedankten sich mit kräftigem Applaus und einzelnen stehenden Ovationen.

von Mareike Bader

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