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Marburg Umwelthilfe misst Schadstoffe in der Ketzerbach
Marburg Umwelthilfe misst Schadstoffe in der Ketzerbach
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13:59 11.03.2018
Diese Proben-Röhrchen fangen derzeit Schadstoffe in der Ketzerbach auf. Quelle: Björn Wisker
Marburg

An einem Mast in der Ketzerbach hängen zwei von Kabelbindern umwickelte Röhrchen. Seit drei Wochen saugen sie alle Partikel auf, die unsichtbar durch die Luft zwischen der Elisabethkirche und dem Marbacher Weg fliegen. In diesen sogenannten Passivsammlern befindet sich eine chemische Substanz, die die Messkomponente – aktuell Stickstoffdioxid – bindet. Sobald die Röhrchen, vier Wochen nach Beginn der Messung (am 1. März) in einem Labor geöffnet werden, wird dieser Prozess in Gang gesetzt.

Aufgehangen hat die Röhrchen Hartmut Möller, der nahe der Ketzerbach wohnt. „In all den Jahrzehnten gab es verschiedene Verkehrskonzepte, alle sind in Schubladen verschwunden. Geblieben ist die Tatsache, dass man rund um die Ketzerbach kein Fenster aufmachen kann ohne sich die Wohnung mit Abgasen zu füllen“, sagt der 65-Jährige.

Diskussion um Fahrverbote betrifft auch Marburg

Der ehemalige Geografielehrer hat sich bei der Umwelthilfe als freiwilliger Messstations-Betreuer beworben – und dafür gesorgt, dass die Ketzerbach einer von 500 Orten deutschlandweit ist, der von der Umwelthilfe als überprüfenswert erachtet wird.

Der seit Jahrzehnten existierende Behringwerke-Stau, der seit zwei Jahren verstärkte Nordstadt-Stau, die seit Monaten von Ketzerbach-Bewohnern beobachteten vermehrten Lkw-Durchfahrten zum Pharmastandort und der grundsätzliche Diesel- und Abgasskandal: Der gebürtige Marburger ist überzeugt, dass die Stickoxid-Werte in der Ketzerbach (laut Stadt 7.500 Fahrzeuge pro Tag) zu Spitzenzeiten ähnlich kritisch sein werden wie die einzig bislang bekannten: jene Messdaten aus der Universitätsstraße (15.000 Fahrzeuge pro Tag).

„Hier vor Ort gibt es eine ganz konkrete Betroffenheit, durch diese Straße ziehen giftige Dunstwolken. Es geht daher um die Gesundheit von Menschen, die hier wohnen, es geht um Naturschutz auch der umliegenden Wälder und es geht um Baudenkmäler wie die Elisabethkirche, deren Bausubstanz, deren Sandstein durch die Abgase ­beeinflusst wird“, sagt Möller.

Die Umgestaltung der Ketzerbach vor einigen Jahren, das damit verbundene Fällen der Bäume in der Straßenmitte habe dem Bereich eine „grüne Lunge, eine Filterfunktion genommen“, sagt er und verlangt von der Stadtverwaltung ein Mess-Kataster für ganz Marburg – einer Stadt, der angesichts von regelmäßigen Schadstoff-Grenzwertüberschreitungen Fahrverbote drohen könnten.

von Björn Wisker