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Überleben in einer mörderischen Welt

Filmstart von Die Tribute von Panem Überleben in einer mörderischen Welt

Jetzt kommt der erste Film zur Bestsellerreihe "Die Tribute von Panem" in die Kinos. Der Jugendfilm ist wegen seiner Gewaltszenen umstritten.

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Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und ihr Jagdpartner Gale Hawthorne (Liam Hemsworth) müssen töten, um zu überleben.Foto: Studiocanal

Quelle: Murray Close

Marburg. Die Erfolgsgeschichte erinnert an "Harry Potter" oder die "Twilight"-Bücher: US-Autorin Suzanne Collins hat mit ihren "Tributen von Panem" einen neuen Teenie-Kult erschaffen. Die postapokalyptische Jugendbuchreihe wurde ein weltweiter Bestseller. Man muss kein Prophet sein, um anzunehmen, dass es den Hauptdarstellern Jennifer Lawrence, Liam Hemsworth und Josh Hutcherson bald ähnlich gehen dürfte wie den zu Shooting-Stars gewordenen Schauspielern der "Twilight"-Vampirsaga. Der Film "Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele" hat alles, was das Teenie-Herz begehrt: Spannung, Romantik und ein hübsches Mädchen zwischen zwei gut aussehenden jungen Männern.

Im Gegensatz zur nicht ganz so originellen Vampir-Saga erzählen "Die Tribute von Panem" aber noch eine erstaunlich gute und bei genauerem Hinsehen gar nicht so futuristische Geschichte: Wo früher einmal Amerika war, gibt es Panem, ein Land, unterteilt in 13 Distrikte und eine Hauptstadt. Nach einer Revolution gegen die Hauptstadt, müssen zwölf Distrikte auch Jahrzehnte später ihren Tribut zahlen.

Um die Distrikte an die Aufstände und ihre Schuld zu erinnern, veranstaltet die Hauptstadt einmal im Jahr die großen "Hungerspiele", eine pervertierte Reality-TV-Show. Jeder Distrikt muss einen Jungen und ein Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren in die Arena schicken. Gewinner ist derjenige, der die Spiele überlebt.

Als der Name von Katniss‘ (Lawrence) kleiner Schwester aus der Lostrommel gezogen wird, meldet Katniss sich freiwillig. Gemeinsam mit dem männlichen "Tribut" Peeta Mellark (Hutcherson) und der Unterstützung ihres Mentors Haymitch (Woody Harrelson) und ihres Stylisten Cinna (Lenny Kravitz) muss sie für ihren Distrikt kämpfen - wohl wissend, dass höchstens einer von beiden die Spiele überleben kann.

Die Bilder, die der Film zeigt, sind alles andere als leichte Kost. Während in "Twilight" und auch "Harry Potter" die Grenzen zwischen Gut und Böse meistens sehr klar sind, sind es in den "Tributen von Panem" unschuldige Kinder, die einander im wahrsten Sinn des Wortes abschlachten. Doch nicht die blutigen Szenen in der Arena sind es, die am meisten erschrecken. Die Szenen bei der Auswahl der Delinquenten erinnern wohl nicht zufällig an Bilder aus einem Konzentrationslager. Der krasse Gegensatz zwischen dem Grau in Distrikt zwölf und der grellen Buntheit in der Hauptstadt ist fast unerträglich.

Auf den zweiten Blick fällt auf, dass diese Ungerechtigkeit nicht nur das Problem einer Fantasy-Zukunft ist. Der Film stellt die Frage nach Gerechtigkeit zwischen einer reichen und einer armen Welt, nach Mitgefühl und Menschlichkeit.

von Britta Schultejans

Mix aus Ego-Shootern und Gladiatorenspielen

Die Frage ist nur: Wie alt genau sollen die Zuschauer sein, die den Film gucken? Man kann an "Die Tribute von Panem" studieren, wie sich allmählich die Standards verschieben: Das Gewalttabu, das lange die Präsentation von Kindern und Jugendlichen im Mainstream regelte, ist im Begriff zu fallen. Natürlich nehmen Susan Collins und der Regisseur Ross für sich in Anspruch, dass sie Kritik üben an dem unsäglichen Mix aus Gewalt und Entertainment, der unsere medial vermittelte Wirklichkeit ist. Fragt sich nur, ob ihre Mittel der Aufgabe gewachsen sind.

Man kann sich vorstellen, dass dieses provozierende Szenario, in dem Verlierer- und Siegertypen immer neue Muster bilden, auf alptraumhafte Weise die Alltagserfahrung von Teenagern in einem hoch konkurrenten, von Ausgrenzung und Leistungsstress geprägten Erziehungs- und Bildungssystem abbildet. Aber weil es keine Idee von Widerstand gibt - den hat Suzanne Collins für den dritten Band aufgespart -, kann der Film all seine Spannung nur aus dem beziehen, was er nominell verwirft: faschistische Aufmärsche in der Stadt Panem, gemeine Kampfszenen und voyeuristische Nahaufnahmen vom gequälten Gesicht der Darstellerin Jennifer Lawrence.

Am Ende weiß die Inszenierung sich selbst nicht mehr vom Blick der Überwachungskameras im Wald abzugrenzen. Es ist, als wolle man Hitler mit Leni Riefenstahl austreiben.

von Sabine Horst

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