Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Überfall am Bahnhof: Freund wird zum Todfeind
Marburg Überfall am Bahnhof: Freund wird zum Todfeind
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 28.08.2018
Symbolfoto zu Überfällen am Bahnhof. Quelle: Marcus Führer
Marburg

„Bis jetzt bekomme ich Drohungen, sie wollen mich umbringen“, sagte der 25-jährige Geschädigte vor Gericht. Was die Verhandlung vor dem Schöffengericht erschwerte: Der Geschädigte konnte sich nur rudimentär erinnern. Wie er berichtete, sei der 23-Jährige sein Freund gewesen. Immer wieder habe er ihm mit Lebensmitteln, Geld und Zigaretten ausgeholfen. Im vergangenen Februar dann bekam er einen Anruf: Unter Androhung von Gewalt forderte der Angeklagte 600 Euro. Der Geschädigte verweigerte die Hilfe. Dann habe er eine Sprachnachricht erhalten: „Ich mache deinen Kopf tot!“

Zwei Überfälle am Bahnhof

Der nächste Kontakt kam am 22. März zustande, als beide Angeklagten einen perfiden Plan ausgeheckt haben sollen: Der Geschädigte hatte am Hauptbahnhof auf den Bus gewartet. Ein ihm Unbekannter soll ihn dann um Hilfe gebeten haben, es handelte sich um den 22-Jährigen. Der Geschädigte sei ihm gefolgt, und als sich beide den Gleisen näherten, soll der 23-Jährige aus einem Versteck gekommen sein.

Sofort habe der 22-Jährige die Arme des Geschädigten festgehalten, während der Mitangeklagte ihn zunächst ins Gesicht geschlagen und dann mit dem Knie ins Auge getreten haben soll. Der Geschädigte erstattete noch am selben Tag Anzeige. Gut zwei Wochen später sei es zu einem weiteren Vorfall am Bahnhof gekommen. Nachdem nach der Anzeige die Wohnungen der Angeklagten durchsucht worden waren, wollten sie offenbar unter Androhung von Tötung zurückbekommen, was ihnen von der Polizei genommen worden sein soll: Geld, eine Pistole und Rauschgift. Am 16. April hätten die Angeklagten den Geschädigten zusammengeschlagen.

Der letzte Vorfall betrifft den 23-Jährigen. In Ebsdorfergrund soll er seine Freundin geschlagen und gewürgt haben, als diese sich von ihm trennen wollte. „Wenn der Geschädigte sich genauer hätte erinnern können, hätte hier gut eine Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren herauskommen können“, machte der Staatsanwalt klar. Auf den Vorschlag einer der Verteidiger, vier Taten einzustellen, um zwei zu gestehen, so dass die Freiheitsstrafe höchstens ein Jahr betrage, ließen sich Nebenklagevertretung und Staatsanwaltschaft ein. Demnach gestanden beide Angeklagte den ersten Vorfall am Bahnhof, der 23-Jährige gab auch die Nötigung seiner Ex-Freundin zu.

Beide Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt

Das Gericht folgte den Anträgen, und so wurde der 23-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, der 22-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung zu elf Monaten Haft. Beide Strafen setzte das Gericht zur Bewährung aus, mit der mehrmals vorgetragenen Auflage, weder persönlich noch über soziale Medien oder Dritte in Kontakt mit dem Geschädigten oder der Zeugin zu treten, die mit dem 23-Jährigen liiert war.

von Beatrix Achinger