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Marburg Überblick über ein großes Werk
Marburg Überblick über ein großes Werk
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18:57 28.08.2014
Professor Eckhard Kremers zeigt im Marburger Kunstverein einen breiten Querschnitt durch sein Werk. Neben Bronzeplastiken sind Malerei und Zeichnungen zu sehen.Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Es ist für einen einzelnen Künstler nicht leicht, die Marburger Kunsthalle zu bespielen. Es sei denn, man ist ein Künstler, der seit vielen Jahren aktiv ist und über ein breites Werk verfügt - wie Eckhard Kremers.

Seit dem Jahr 2000 war Kremers Professor für Grafik und Malerei an der Philipps-Universität. Er baute in dieser Zeit „gemeinsam“, und dieses Wort betont er, mit seinen Mitarbeitern das Institut für Bildende Kunst mit einem angeschlossenen und ausgebuchten Masteratelier auf. Seit dem 1. April ist er im Ruhestand und kann sich noch intensiver seiner Kunst widmen.

Ursprünglich wollte der Kunstverein Kremers gemeinsam mit Tilmann Damrau, bis zur endgültigen Neubesetzung seiner Professur sein Nachfolger am Institut, präsentieren. Damrau musste absagen - und das entpuppt sich als Glücksfall. Die Ausstellung von Kremers ist zur Retrospektive eines Künstlers angewachsen, der sich in Marburg, was eigene Ausstellungen betrifft, eigentlich immer sehr rar gemacht hat.

Zu sehen sind Arbeiten von den späten 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Und wer durch die großzügigen Räume des Kunstvereins geht, glaubt Werke verschiedener Künstler zu sehen - so unterschiedlich und vielfältig sind Stile, Themen und Materialien.

Kremers hat mehr als 60 Arbeiten mit nach Marburg gebracht: Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Bronze-Plastiken und Plastiken aus Papier und Pappe. Einzig das umfangreiche grafische Werk des Grafik-Professors ist nicht vertreten.

„An den Kunstakademien wird gelehrt, jeder solle seinen eigenen Stil entwickeln. Das ist vollkommener Quatsch“, sagt der 1949 in Elz bei Limburg geborene Künstler. Für ihn bestimmt das Thema die Form. „Wenn man die Form einem Stil anpasst, ist das Ideologie“, meint er.

Seine Themen sind ebenfalls vielfältig: Japan, „falsche Tiere“, Menschen, Gewänder - und verblüffend für einen bekennenden Ungläubigen: Kreuze. Sie alle sind in seiner Biografie begründet: Von 1978 bis 1980 lebte und arbeitete er, ausgestattet mit einem Stipendium, in Tokio. Die Fülle der Eindrücke habe er nur mit Hilfe des dokumentarischen Mediums Fotografie verarbeiten können, sagte er im Pressegespräch. „Falsche Tiere“ tauchen bei ihm immer wieder auf - gemalte Panda-Bären, ein ausgestopftes Pferd auf Fotos etwa. Mit Gewändern hat er sich schon während seines Studiums in Stuttgart auseinandergesetzt - am Staatstheater bemalte er Kostüme.

Heute kehrt Kremers zu seinen „Wurzeln“ zurück: Er habe mit Bildhauerei begonnen, es zugunsten von Malerei und Grafik wieder gelassen. Vor vier bis fünf Jahren sei er zunehmend wieder in die „Skulptur eingestiegen“. Zu sehen sind in Marburg viele Bronzeplastiken - Gewänder, Torsi und Köpfe.

In dem Katalog „Bouquet X“, der im Kunstverein erhältlich ist, zeichnet Kremers den extrem aufwändigen Entstehungsprozess nach. Aus Papier und Pappe formt er die Vorlagen für seine Bronzen. Das Interessante: Diese mit grauer Acrylfarbe bemalten Vorlagen funktionieren in der Ausstellung auch als eigenständige Plastiken.

Die Ausstellung ist bis zum 16. Oktober zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

von Uwe Badouin

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