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Über das Leben in zwei Welten

Ausstellung im Marburger Landgarfenschloss Über das Leben in zwei Welten

Was nimmt man mit, wenn man sich auf eine Reise begibt ohne Wiederkehr? Die Ausstellung „Hessen hybrid“ im Marburger Landgrafenschloss beschäftigt sich mit Migration und Integration.

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Ein Besucher streift durch die Ausstellung „Hessen hybrid“ im Marburger Schloss. Thema ist die Migration nach und aus Hessen.
Fotos: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der durchschnittliche Westeuropäer des 21. Jahrhunderts schart 10000 Gegenstände in seinem Heim um sich. Einige sammeln viel, andere leben spartanischer. Spätestens seit der Frage nach „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ ist uns bewusst, dass unser Zuhause ein Teil unserer Identität darstellt.

Doch was ist, wenn jemand ein neues Leben weit entfernt von der Heimat plant? Dann darf nur das, was wirklich von Bedeutung ist, mit ins Gepäck.

Diese Glücksbringer, Hoffnungsträger und Nützlichkeiten kann man sich nun in der preisgekrönten Sonderausstellung „Hessen hybrid. Vom Kommen und Gehen in fünf Jahrhunderten“ im Marburger Landgrafenschloss ansehen. Die Ausstellung ist der Siegerbeitrag im Ideenwettbewerb „Die Dinge und ihre Bedeutung“, den das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit dem Freilichtmuseum Hessenpark und der Hessischen Vereinigung für Volkskunde im Jahr 2009 auslobten.

Das Konzept oblag der Arbeitsgemeinschaft Museumskultur des Graduiertenzentrums Kulturwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Umgesetzt wurde es schließlich im Freilichtmuseum Hessenpark als Wanderausstellung. Nach ihrer Etappe in Korbach ist die Ausstellung nun in Marburg an ihrer dritten Station angekommen.

Durch Exponate aus der Dauerausstellung des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte und Leihgaben aus den völkerkundlichen und religionskundlichen Sammlungen der Philipps-Universität ist die Schau noch erweitert und mit einer lokalen Note versehen worden. Als Ausstellungsfläche ist auch erstmals wieder der „Waldecker Saal“ im Schloss geöffnet.

Ein Hafen, um auf eine Reise in ferne Länder aufzubrechen, solle dieser Saal in den nächsten Monaten sein, erklärte Professor Dr. Joachim Schachnter, Vizepräsident der Philipps-Universität, in seinem Grußwort zur Eröffnung.

In der Tat erwartet den Besucher ein Hafen voller Kisten und Kuriositäten, den es zu entdecken gilt. Man tritt ein in einen Ort zwischen den Welten, an dem diese hybriden Exponate davon zeugen, wie zwei Kulturen sich mischen und eine neue Identität schaffen. Mit ihrer Hilfe vollziehen die Ausstellungsmacher die Geschichte von hessischer Migration und Integration nach.

Die Lebenswege von fünf Personen stehen dabei exemplarisch für verschiedene Migrationsgruppen aus fünf Jahrhunderten. Der Bericht des Wolfhagener Landsknechts Hans Staden über seine zweite Reise nach Brasilien und seine Begegnung mit einer indigenen Gruppe steht stellvertretend für das 16. Jahrhundert.

Außerdem geht es um französische Hugenotten, die nach ihrer Verfolgung eine neue Heimat in Hessen fanden, um hessische Soldaten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, um deutsche Arbeiter, die vor dem Hunger in ihrer Heimat ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten flüchteten, und um Russlanddeutsche, die im 20. Jahrhundert wieder in das Land ihrer Vorfahren zurückkehrten.

Eine große Weltkarte dient den Besuchern dazu sich mit einem roten Punkt auf ihrem Heimatort zu verewigen.

Bereits am Eröffnungsabend zeichnete sich das Bild eines internationales Publikums ab. Dieser Punkt gibt vielleicht auch Anlass für die Frage, was von Bedeutung ist, wenn man den eigenen Koffer packt.

Die Ausstellung „Hessen hybrid“ ist bis 15. Juni 2014 im Museum für Kulturgeschichte im Marburger Landgrafenschloss zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr (April bis Juni bis 18 Uhr).

von Wiebke Hoffmann

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