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Marburg Patienten leiden besonders unter Hitze
Marburg Patienten leiden besonders unter Hitze
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00:17 29.07.2018
Die Krankenschwestern (von links) Beate Beck, Rita Wagner und Natalie Poll freuen sich über die kühle Zusatzluft durch den Ventilator am Empfangstisch der Neugeborenenstation. Im Klinikum wird bei der Hitze mehr Wasser getrunken. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Die aktuellen Temperaturen von mehr als 30 Grad bringen nicht nur gesunde Menschen ins Schwitzen, sondern machen auch Patienten im Krankenhaus gehörig zu schaffen. Die OP machte sich ein Bild von der Lage und besuchte gestern das Uni-Klinikum auf den Lahnbergen, wo es schon auf dem Besucherparkplatz um 12 Uhr mittags richtig heiß war.

„Wer sich richtig schlecht fühlt, leidet zusätzlich unter der Hitze. Wer krank ist, schwitzt mehr“, erläuterte Pflegedirektor Michael Reinecke im Gespräch mit der OP. Allerdings falle es den Patienten auf den Klinikstationen häufig auch nicht leicht, dem Pflegepersonal und den Ärzten über ihre Hitzebeschwerden zu berichten. So sei es auch ein ­wenig der Sensibilität des Pflegepersonals überlassen, für Linderung zu sorgen, beispielsweise durch zusätzliches Auflegen von feucht-kalten Wasch­lappen auf das Gesicht oder durch mehrmaliges Wechseln der verschwitzten Bettwäsche.

Doppelt soviel Mineralwasser wie sonst verbrauchen die ­Patienten, schätzt Reinecke – denn viel trinken auch von Säften oder Tee ist auch im Klinikum momentan sehr gesundheitsförderlich. Und die Patienten in der Kinderklinik dürfen sich wegen der Hitze sogar über Extraportionen Eis freuen.

Trotz Sommerferien herrscht derzeit immer noch Hochbetrieb im Uni-Klinikum. Besonders Herz-/Kreislauferkrankungen, aber auch neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle haben Hochkonjunktur.
Auch die Pflegekräfte beeinträchtigt die Hitze. „Es geht gerade so“, berichtet Anna Karina Naumann, die täglich mehr als 30 benutzte Betten durch die langen Flure des Klinikums schiebt und wieder bezugsbereit macht. Sie wischt sich ein paar Schweißtropfen von der Stirn und hat sich mit ausdrücklicher Billigung des Pflegedirektors im Gegensatz zur vorgeschriebenen Kleiderordnung die Hosenbeine ein wenig aufgekrempelt, um mit der Hitze zurechtzukommen.

Neugeborenenstation ist voll belegt

Voll belegt ist zurzeit die Station 129, die Neugeborenenstation. „In den Monaten Juli und August werden die meisten Kinder geboren“, berichtet Stationsleiterin Natalie­ Poll, die am Empfangstresen der Station sitzt. Sie hat ein simples Rezept zur Hitzebewältigung­ und sagt: „Arbeiten hilft. Wir ­haben gar keine Zeit, um an die Hitze zu denken“. Dennoch freuen ihre Kolleginnen und sie sich jetzt auch über die Abkühlung, die ihnen ein großer Ventilator bietet.

Allerdings dürfen die Ventilatoren aus hygienischen Gründen nicht in den Patientenzimmern aufgestellt werden, macht Michael Reinecke deutlich. Das ist auf der Station 129 noch nicht ganz so schlimm. Heißer ist es hingegen einen Stockwerk höher auf der neurochirurgischen Station 139. Die Zimmer im obersten Stockwerk liegen auf der „Sonnenseite“ und die Fenster führen teilweise in Richtung eines Innenhofs, in dem sich die Hitze staut. „Deswegen kühlen die Zimmer auch nachts nicht so richtig ab“, berichtet ­Stationsleiterin Jessica Theiß.

Auch die Pflegekräfte sind durch die fast tropische Hitze geschlaucht. Sie versuchen ihr Bestes, mit häufigem Durchlüften, den Patienten erträgliche Raumtemperaturen zu schaffen. Doch gefühlt ist die Station 139 wohl immer noch die heißeste Station im Klinikum wie auch bei der Momentaufnahme durch die OP vor acht Jahren.

von Manfred Hitzeroth