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Marburg Türkische Tradition trifft deutschen Alltag
Marburg Türkische Tradition trifft deutschen Alltag
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17:14 13.06.2014
Vater Ismael (Adnan Maral) will, dass seine Tochter Hatice (Idil Üner) glücklich ist. Sie soll aber heiraten.Foto: Wüste Medien/NFP Quelle: Boris Laewen
Marburg

Kann ein Film über eine junge Deutsch-Türkin in Deutschland die Themen Unterdrückung und Zwangsehe weglassen? Ja! Hatice (Idil Üner) sind diese Dinge fremd. Sie ist Mitte 30, lebt als Single in Hamburg und ist auf der Suche nach der großen Liebe. So weit, so normal. Und trotzdem gibt es etwas, das sie dabei von ihrer Freundin Julia unterscheidet. Sie hat ein anatolisches Dorf in ihrem Hinterkopf und eine türkische Familie in Salzgitter. Und sie will auf keinen Fall einen Türken als Mann.

Regisseurin Buket Alakus spielt in ihrem neuen Film „Einmal Hans mit scharfer Soße“, der auf dem autobiografischen Roman von Hatice Akyün basiert, mit sämtlichen Klischees. Hatice pendelt zwischen Hamburg und Salzgitter, zwischen ihrem Leben als moderner junger Frau und ihrer traditionsbewussten Familie. Deren Alltag wiederum scheint sich zwischen dem Einkauf im türkischen Supermarkt und dem Besuch türkischer Hochzeiten abzuspielen. Und überall stellt sich die Frage: Wann heiratet Hatice endlich?

Denn so stolz Vater Ismael (Adnan Maral) auch auf seinen Mercedes ist - so stur hält er auch an seinen anatolischen Traditionen fest. Und die besagen, dass die jüngere Tochter Fatma (Sesede Terziyan) erst nach Hatice heiraten darf - obwohl sie längst einen türkischen Freund hat. Als Fatma schwanger wird, muss Hatice schnell einen Schwiegersohn nach Hause bringen.

Neun Jahre hat es gedauert, bis das Buch von Hatice Akyün es in die Kinos geschafft hat. Immer wieder hatten Regisseure der Autorin vorgeschlagen, ihre Filmfigur könne doch ein Kopftuch aufsetzen - und es dann als Befreiung im Laufe der Geschichte ablegen. „In vielen Gesprächen und Situationen habe ich gemerkt: Da stimmt das Bild nicht. Mein Gegenüber hat ein Bild von einer türkischstämmigen Frau im Kopf, dem ich nicht entspreche“, sagt Akyün.

Umso wichtiger war es Akyün, mit Buket Alakus eine Regisseurin gefunden zu haben, die einen ähnlichen Hintergrund hat und der sie vertraut. „Dadurch, dass sie selbst eine türkische Tochter ist, kannte sie viele Situationen aus ihrem eigenen Leben - das hat es sehr schön und spannend gemacht, dieses Projekt mit ihr zu entwickeln.“ Auch die Schauspieler, die ihre Familie sehr überzeugend darstellen, sind türkischstämmig.

Der Film ist dann spannend, wenn er das Identitäts-Dilemma der Protagonistin thematisiert. Sozialisiert in Salzgitter, fühlt sie sich zu deutsch, um türkisch zu sein. Und zugleich zu türkisch, um deutsch zu sein.

Hatice Akyün wollte mit ihrer Autobiografie „das normale Bild einer türkischstämmigen Frau“ beschreiben. Die Botschaft macht „Einmal Hans mit scharfer Soße“ zu einem wichtigen Beitrag in der öffentlichen Wahrnehmung des deutsch-türkischen Zusammenlebens. Am Ende ist es die Vater-Tochter-Beziehung, die berührt. Die entpuppt sich - anatolisches Dorf und Traditionen zum Trotz - als universell gültig: Ismael will, dass Hatice glücklich ist.

von Britta Kollenbroich

Meinungen von Besuchern der OP-Vorpremiere

Zuschauermeinungen:

„Wirklich lustig – viele Klischees toll getroffen.“Bärbel Tschirner (51) aus Lahntal

„Schöner Sommerfilm.“

Birgit Scheffel aus Marburg

„Zwischen ernsthaft und Komödie.“

Johanna Premper aus Marburg

„Herzerfrischend.“

Bettina Bähr aus Marburg

„Wunderbar. Sehr komisch, kein Klischee ausgelassen, aber nicht übertrieben.“

B. Erler-Haupt aus Marburg

„Lange nicht so gelacht. Super Film.“

Beate Hoffmann (47) aus Marburg

„Sehr amüsant, türkische Mentalität gefällt.“Elke Hoffmann (58) aus Wetter

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