Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Transsylvanien auf den Lahnbergen
Marburg Transsylvanien auf den Lahnbergen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:21 31.07.2011
Thomas M. Held (von links), Markus Klauk, Daniel Sempf und Franziska Knetsch auf der „Dracula“-Lesebühne. Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Dichter Kunstnebel wabert über das Gelände. Der Kaiser-Wilhelm-Turm ist in blutrotes Licht getaucht. Dracula gibt sich die Ehre, der berühmteste aller Vampire. Der Fürst der Finsternis hat sein kaltes Grab in seinem finsteren Schloss in Transsylvanien verlassen, um Marburger Theaterbesucher zwei Stunden lang angenehm zu gruseln.

Doch keine Sorge: So richtig Angst verbreitet der mächtige Vampir – 114 Jahre nachdem der irische Schriftsteller Bram Stoker ihn auf die Menschheit losließ – nicht mehr. Dank Hollywood sind die Menschen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts ganz andere Schrecken gewöhnt.

Und doch hat der berühmte Vampir nichts von seiner morbiden Faszination verloren. Der Marburger Schauspieler Daniel Sempf hat den Romanklassiker, der unzählige Auflagen und Nachahmer erlebte, mit seiner 2009 gegründeten Hörtheatrale in eine Spielfassung gebracht.

Er hat die Tagebucheintragungen, die den Roman prägen, in Dialoge umgewandelt, hat gemeinsam mit dem Sound-Designer Ben Streibig monatelang an Klängen und Effekten getüftelt, die die Atmosphäre des Schauerromans unterstreichen: Alte Türen knirschen in rostigen Angeln, Krähen krächzen, Fenster splittern, Särge werden aufgebrochen, Kutschen und Pferdegespanne galoppieren über den Platz, Lokomotiven quälen sich geräuschvoll durch die Berge der Karpaten, Wellen plätschern an Schiffsrümpfe.

Die Klanggemälde machen die Illusion für die Zuhörer perfekt, die die Augen schließen. Es ist Kopfkino pur, zumal die Mitstreiter von Daniel Sempf ihr Handwerk verstehen. Franziska Knetsch gehört wie Daniel Sempf aktuell dem Ensemble des Hessischen Landestheaters Marburg an.

Thomas M. Held und Markus Klauk spielten früher in Marburg Theater und sind heute freischaffende Schauspieler. Sie schlüpfen gekonnt in verschiedene Rollen: Klauk etwa gibt unter anderem einen wahrhaft dämonischen Dracula. Zwar ist die „Dracula“-Version der Hörtheatrale in erster Linie ein Hörspiel, das den Vergleich zu Studioproduktionen auf CD keineswegs scheuen muss, doch setzt das kleine Team auch optisch Akzente.

von Uwe Badouin

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

Anzeige