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Marburg Träumerische Lyrik, heldischer Angriff
Marburg Träumerische Lyrik, heldischer Angriff
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17:29 16.11.2014
Der Pianist Sveinung Bjelland, der Sprecher Hans-Jürgen Schatz und der Tenor Daniel Behle begeistern das Publikum im Audimax mit Johannes Brahms‘ Liedzyklus „Die schöne Magelone“. Fotos: Florian Gaertner Quelle: Florian Gaertner
Marburg

Johannes Brahms hat es seinen Interpreten freigestellt, ob sie die 15 Romanzen aus Ludwig Tiecks „Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence“ (1797) als Liedzyklus oder eingebettet in eine Lesung des literarisch bearbeiteten Volksmärchens wiedergeben, wie sie am Samstag im Audimax zu erleben war. Eingeladen hatte der Konzertverein drei Künstler, die das Werk vor Kurzem auch auf CD veröffentlicht haben. Ihre Live-Wiedergabe geriet zur Sternstunde - trotz der bei Aufführungen dieses Werkes unüblichen Pause, die den Spannungsbogen unterbrach.

Hans-Jürgen Schatz, den Fernsehkrimi-Fans als „Fahnder“-Assistent Max Kühn kennen, ist einer der profiliertesten Rezitatoren unserer Zeit. Es ist ein Genuss, dem 56-Jährigen zuzuhören, weil er so spricht, dass noch in der letzten Reihe des großen Hörsaals jedes Wort zu verstehen ist, selbst wenn er flüstert und obwohl er auf technische Verstärkung verzichtet. Das ist große Sprechkunst, worauf heutzutage vor allem im Fernsehen zunehmend weniger Wert gelegt wird. Schatz schaffte es mit seiner an Modulationen reichen Stimme, ungemein fesselnd zu erzählen - vom Ritter Peter, der die schöne Magelone erringt, sie wieder verliert und in die Gefangenschaft eines Sultans gerät, bevor sich das Liebespaar wiederfindet.

Daniel Behle schlüpfte nicht nur in die Rolle des Ritters, sondern auch in die seiner Angebeteten und die der ihm ebenfalls zugetanen Sultanstochter. Was die Wiedergabe der 15 Brahms-Romanzen so anspruchsvoll macht, sind ihr dramatischer Gestus, der Affektwechsel auf engstem Raum: Gerade noch in träumerische Lyrik versunken, muss der Sänger nahtlos zum heldischen Angriff übergehen. Behle, der als Opernsänger genauso geschätzt wird wie auf dem Konzertpodium, schaffte dies mühelos: betörend sein a mezza voce (mit halber Stimme) Singen, phänomenal die gleißende Strahlkraft seines Tenors. Und auch bei ihm verstand der Zuhörer jedes Wort.

Dritter im Bunde war der norwegische Pianist Sveinung Bjelland, der dem zwischen Vollgriffigkeit und feinsinniger Durchsichtigkeit changierenden Brahmsschen Klaviersatz zu orchestraler Wirkung verhalf.

Für den Applaus der 400 Zuhörer bedankten sich Behle und Bjelland mit „Wie ist doch die Erde so schön“ des 18-jährigen Brahms.

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