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Marburg Weihnachtstraditionen im Landkreis
Marburg Weihnachtstraditionen im Landkreis
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20:00 23.12.2018
Backtag bei Familie Schwick in Bürgeln. Eltern, Kinder und Enkelkinder halten eine Tradition aufrecht, die Oma Margareta und Opa Heinrich einst begründet haben: die Plätzchenherstellung in familieninterner Großproduktion mithilfe des Fleischwolfs. Quelle: Privatfoto
Bürgeln

Andrea und Bernhard Schwick haben drei Kinder, die alle verheiratet sind. „Sie haben uns zu überaus glücklichen Großeltern von bisher zwei Enkeln und zwei Enkelinnen gemacht“, berichtet das Ehepaar aus Bürgeln. „Somit besteht unsere Familie aus einem Dutzend fröhlicher Schwicks.“

Eine starke Familie

Unvergessen für Ehepaar Schwick: ihr inniges Verhältnis zu den Eltern beziehungsweise Schwiegereltern Margareta und Heinrich. Im Jahr 2010, als der erste Enkel Paul auf die Welt kam, sind die älteren Schwicks verstorben. Eine ihrer Traditionen ist jedoch erhalten geblieben. So war es bei Margareta, genannt Oma Gretchen, eine feste Einrichtung, zum ersten Advent Plätzchen zu backen. „Heinrich bediente die Kurbel des Teigwolfs und Margareta passte genau auf, dass die Plätzchen immer die gleiche Länge hatten“, berichten Andrea und Bernhard Schwick schmunzelnd. „Dazu muss gesagt werden, dass die beiden fünf Kilo Mehl im Plätzchenteig verarbeiteten. Das waren insgesamt ungefähr 12 Kilo Teig. Da musste Heinrich lange kurbeln …“.

Nach dem Tod der älteren Schwicks im November 2010 beschlossen Andrea und Bernhard, die Plätzchenbacktradition weiterleben zu lassen. „Unser ältester Sohn Sander hat dann Omas handgeschriebene Rezepte eingescannt und für alle Familienmitglieder ein Oma-Backbuch erstellt.“ Und nun trifft sich also die gesamte „Schwickeria“, wie sich die Familie selbst liebevoll nennt, alljährlich am ersten Advent bei den Eltern in Bürgeln, „und wir backen mit den genauen Mengen und den gleichen Utensilien die Plätzchen, so wie wir es von Gretchen gelernt haben“.

Das letzte Blech bleibt bei Schwicks immer etwas länger im Ofen, zur Erinnerung an Oma Gretchen, die die Plätzchen immer gern etwas dunkler mochte. „Diese dunkleren Plätzchen bekommt sie dann abends zum Grab gelegt, so sind die beiden nicht nur in unseren Herzen, sondern auch mit allen Sinnen bei uns“, berichten Andrea und Bernhard. Die Familie redet an diesem Backtag viel über früher, über die Kindheit mit den Großeltern. „Damit halten wir sie in unseren Herzen und vor allen Dingen bei unseren Enkelkindern, die sie nicht mehr erleben durften, in Erinnerung.“

Liebevoll gestaltete Figuren

Für Katharina Thürfelder aus Hachborn ist es eine liebgewordene Tradition, die Wohnung mit Weihnachtsfiguren aus dem Erzgebirge zu schmücken. Über viele Jahre hat sie diese Holzfiguren gesammelt. Ihr verstorbener Mann brachte diese Tradition einst aus seiner Heimat, dem Erzgebirge, mit. In Zeiten des eisernen Vorhangs war dieser Brauch eines von wenigen und besonders in der Weihnachtszeit sehr starken emotionalen Bindegliedern, die er zu seiner Heimat besaß.

Nachdem Katharina Thürfelders Mann und auch ihr erwachsener Sohn verstorben waren, führte sie diese Tradition beginnend zur Adventszeit fort und gestaltete mit den Figuren liebevoll ihre Wohnung in Hachborn. Das Aufstellen der Figuren, Krippen und Räuchermännchen spendet ihr nicht nur Freude, sondern auch großen Trost. Es stellt eine Verbindung zu ihren verstorbenen Lieben dar.

Das Weihnachtsgeschenk

Rainer Güllich aus Cappel hat der OP eine Geschichte über ein Weihnachtsgeschenk übermittelt. Seine Eltern und Großeltern lebten mit seiner Tante und ihrem Mann unter einem Dach. Zu dieser Großfamilie gehörten noch sein Cousin Emil und natürlich er selbst. Die Jungs waren gleichalt und wuchsen wie Brüder auf. „Verstärkt wurde dieses Gefühl durch die Geburtstage von uns Kindern, wenn auch das Nichtgeburtstagskind das gleiche Geschenk von den Großeltern erhielt wie das Geburtstagskind“, erinnert sich Güllich. Dadurch sollten Tränen der Kinder und das Gefühl, benachteiligt zu sein, vermieden werden. Dieses Ritual des Schenkens gab es auch an Ostern und Weihnachten.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Zeigen Sie uns mit einem Foto und einem kurzen Text, wie Sie Weihnachten feiern. Bis zum 28. Dezember sammelt die OP die Einsendungen, unter denen ein Gutschein im Wert von 210 Euro für ein Familien-­Fotoshooting von „photography Zabel“ aus Amöneburg verlost wird. Ebenfalls im Topf ist der Hauptgewinn – ein Kurzurlaub für Familie oder Freunde (maximal 4 Personen) nach Leipzig im Wert von 660 Euro.
Und so können Sie mitmachen: Senden Sie eine Mail mit dem Betreff „Weihnachtstradition“ an gewinnspiel@op-marburg.de oder per Post an Oberhessische Presse, Gewinnspiel „Weihnachtstradition“, Team Lesermarkt, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg. Einsendeschluss ist Freitag, 28. Dezember 2018. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

„An Weihnachten jedoch wurden Unterschiede durch die Geschenke unserer Eltern deutlich“, denkt Güllich zurück. So bekamen er und sein Cousin Emil eines Heiligabends eine Eisenbahn geschenkt. Emils war von besserer Qualität als die Eisenbahn, die der junge Rainer erhielt. „So war es später auch bei dem Cowboyfort, bei dem Zündplättchengewehr und bei der Fotokamera“, berichtet Güllich über seine Kindheitserinnerunge. Emil habe nie etwas zu ihm gesagt. „Doch war zu erkennen, dass er sehr stolz war, qualitativ bessere Geschenke als ich zu erhalten. Dieses Verhalten meines Cousins verletzte mich sehr.“

Rainer Güllich wünschte sich damals, seine Eltern hätten Emils Eltern wenigstens einmal mit einem Geschenk übertrumpft. Und eines Tages schien es dann auch so, als sollte es ihnen gelingen. Der junge Rainer war zwölf Jahre alt, als ein Lehrer an seiner Schule Trompetenunterricht anbot. „Ich war Feuer und Flamme. Ich weiß heute zwar nicht mehr, was mich damals so begeisterte, doch so war es jedenfalls.“

Für den Unterricht musste nun eine Trompete her. Weihnachten bot sich als Gelegenheit an. Doch seine Eltern allein hätten ihm keine Trompete kaufen können, berichtet Güllich, zu teuer. Aber als Weihnachtsgeschenk, bei dem sich auch die anderen Verwandten beteiligen konnten, wurde es möglich. Bis zum Fest stellt die Schule dem 12-Jährigen ein altes, verbeultes Tenorhorn zur Verfügung. „Ich begann also, Weihnachten entgegenzufiebern. Drei Monate waren es noch bis dahin“, berichet Güllich heute. „Zweimal die Woche hatte ich meinen Musikunterricht, mein Spiel wurde von Mal zu Mal besser und Weihnachten rückte immer näher.“ Da sagte ihm sein Cousin eines Morgens auf dem Schulweg, dass er sich zu Weihnachten eine Gitarre wünsche und auch Musikunterricht nehmen wolle. Das Herz des 12-jährigen Rainer Güllich stockte. „Es war klar für mich, dass mein Cousin die schönste, beste und teuerste Gitarre von seinen Eltern erhalten würde, die es auf der Welt gab. Meine Trompete würde die schäbigste und billigste sein, die jemals jemand besessen hatte. Meine Vorfreude auf Weihnachten war dahin.“

Doch dann kam das Fest. Rainer Güllich bekam seine Trompete. „Sie war das beste und schönste Weihnachtsgeschenk, das ich je bekommen habe. Sie glänzte golden im Licht der Weihnachtsbaumkerzen, ihr metallischer Schimmer gab ihr etwas Edles. Kühl lag sie in meinen Händen und ich blies zaghaft die ersten Töne und dann mutiger die erste Melodie. Es funktionierte, der Klang des Musikinstrumentes war sehr gut. Ich war glücklich.“

Auch Cousin Emil hatte sein ersehntes Instrument bekommen. „Er stand mit offenem Mund neben mir und klimperte hilflos auf seiner, zugegebenermaßen hochqualitativen, Gitarre. Ich weiß nicht, ob er dachte, er könne auf Anhieb auf dem Instrument spielen, jedenfalls schaute er ziemlich ratlos drein.“

Rainer Güllich weiß noch heute ganz genau, dass er den ersten und den zweiten Weihnachtsfeiertag in freudiger Stimmung verbrachte, die Lieder spielend, die er schon kannte und fleißig für neue Stücke übend. „Mein Cousin hatte seine Gitarre in irgendeiner Ecke abgestellt, wo sie noch einige Tage stand. Dann habe ich sie nie mehr gesehen. Emil hat nie Gitarre spielen gelernt.“ Er selbst besuchte weiter den Musikunterricht, sein Trompetenspiel verbesserte sich … Und das Weihnachtsfest seines 12. Lebensjahrs vergaß Rainer Güllich nie.