Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Tosender Applaus für tolles Opernfest
Marburg Tosender Applaus für tolles Opernfest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 27.06.2012
Das Ensemble des Gymnasiums Philippinum freut sich über den donnernden Schlussapplaus (oben). Das rechte Foto zeigt Hauptdarstellerin Johanna Neubauer als Carmen im Kreis der Tänzerinnen. Fotos: Hoffsteter Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Der Jubel der tausend Besucher war völlig berechtigt. Respekt allen Beteiligten, die sich für das große Projekt „Carmen“ mit Ideen und Fleiß einbrachten und es mit Geduld und Engagement zum Erfolg führten - wie die Teams für die geistreich-witzige Aktualisierung von Text und Dialogen sowie Katharina und André Kutsch und Burchard Schäfer für die Einstudierung der Solisten.

Sie ist die beliebteste Oper der Welt: "Carmen". Für Schüler des Philippinums und die Musiker des Studentensinfonieorchesters Marburg kein Grund, davor zurückzuschrecken. Die Premiere in der Stadthalle begeisterte über 1000 Zuhörer und OP-Fotograf Michael Hoffsteter...

„Carmen“ war eine amüsante bis atemberaubend aktuelle Inszenierung von Bizets Oper „Carmen“, die es wert ist, auf DVD gebannt zu werden. Abnehmer finden sich reichlich. Nicht nur unter den jeweils tausend Besuchern am Samstag und bei der zweiten Aufführung am Sonntagnachmittag.

Begeisterung lösten Chöre und Solisten sowie die Musiker auf der Bühne und im Orchestergraben mit ihrer Kondition und Konzentration, geistiger und stimmlicher Frische, ihrer Leidenschaft, ihrem Charme und Können in der scharfsinnigen Regie von Roland Knoke aus.

Was für eine Stimme und welch körperliche Präsenz: Abiturientin Johanna Neubauer in der Titelrolle umgarnte mit ihrem Gesang, Tanz und Violinspiel nicht nur die Männer auf der Bühne, sondern auch das Publikum. Sie verkörperte leidenschaftlich eine „Carmen“, die sich blenden und manipulieren ließ, die nur ihren Vorteil suchte und dabei die falschen Entscheidungen traf.

Neubauer glänzte mit feinem Timbre in starker Opernstimme und mit hoher Bühnenpräsenz, mit Gefühl für Melodie und Rhythmik, mit intuitiver Gestik und Mimik sowie dem Gespür für freies Bewegen im Bühnenraum. Ohne Zweifel: Sie war die ideale „Carmen“, an die man sich lange und gern erinnern wird.

Lehrerin Marion Clausen als Micaela überzeugte auf der ganzen Linie. Mit glockenreiner Stimme, mit weichem Ton, mit Sinn für Lyrik und Emotionen, Harmonik und Melodik, gestaltete sie mit vornehmer Zurückhaltung ihren Partien voll zarter Farbigkeit mit schimmerndem Glanz. Bezaubernd waren Neubauers und Clausens Duette, die Damaris Balzereit und Lea Rehlich zum Quartett erweiterten.

Alex Langenbach als José sang anfangs spröde, wurde dann stimmlich und spielerisch weicher und intensiver, um am Ende in eruptiver Eifersuchtsszene zu brillieren.

Mehr als nur farbliche Akzente setzten die großen Chöre. Von Vielstimmigkeit der Kinder über bisweilen reine Mehrstimmigkeit der Großen bis hin zu schönen Einzelstimmen mit solistischen Einlagen reichte die Spannbreite der kleinen und großen Sängerinnen und Sänger, die Antje Oliver und Bianca Nassauer einstudierten und bei der Aufführung dezent im Hintergrund leiteten.

Die Massenszenen mit den Hippies, den Touristen, den spanischen Fußballern mit Johannes Lautenbacher als „Hero“, den Fans und Hooligans waren exzentrisch, quirlig, von bunt bis schrill.

Das Studenten-SinfonieOrchester Marburg unter der Leitung von Burchard Schäfer begann mit hörbarer Nervosität in allen Instrumentengruppen. Die legte sich schnell und das große Orchester spielte mit Engagement, Lust, Leidenschaft und Feingefühl und mit strahlendem Blech in dichten Szenerien auf.

Burchard Schäfer als routinierter Dirigent mit Liebe für Details führte das Orchester mit Elan und Esprit. Unter seinen Händen wurde das SSO zum sicheren Impuls- und Taktgeber, zum eleganten Tanzmeister, zum einfühlsamem Begleiter der Solisten bis hin zum kraftvollen Stimmungsmaler.

Reinhard Hölker hatte für die 200 Mitwirkenden ein ausgeklügeltes Bühnenbild mit zentralem Schlagbaum als variablem Sinnbild geschaffen.

Peter Tillmanns und Philipp Hüttich waren geschickte Lichtgestalter, die Stimmungen transportierten, Szenerien modellierten oder Solisten akzentuierten. Den guten Ton steuerten Friedemann Neuhaus und David Rehlich bei.

von Helmut Rottmann

Anzeige