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Marburg Tonne soll den gelben Sack ersetzen
Marburg Tonne soll den gelben Sack ersetzen
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00:16 04.12.2018
Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft bringt gelbe Säcke zum Müllwagen. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf sollen die Säcke 2021 flächendeckend durch Tonnen ersetzt werden. Quelle: Patrick Seeger / dpa
Marburg

Ab dem neuen Jahr greift das neue Verpackungsgesetz. Dieses bedingt den Abschluss einer neuen Abstimmungsvereinbarung zwischen den ­dualen Systemen und 
den ­öffentlich-rechtlichen ­Entsorgungsträgern.                 

Der Landkreis ­Marburg-Biedenkopf, der zusammen mit dem Landkreis Schwalm-Eder den Verband Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF) bildet, wirbt für hiesigen Landkreis um ein gemeinsames Vorgehen der Kommunen bei den anstehenden Verhandlungen. „Vertreter des Müllzweckverbandes (MZV) Biedenkopf sowie der nicht zum MZV Biedenkopf zählenden Städte und Gemeinden haben ein Eckpunktepapier erarbeitet zur Vorbereitung auf die anstehenden Verhandlungen, die im nächsten Jahr geführt werden sollen“, sagt Landrätin Kirsten Fründt, die stellvertretende ALF-Verbandsvorsitzende ist.

ALF-Geschäftsführer Dr. Peter Zulauf setzt darauf, dass sich alle Kommunen des Kreises hinter diesem Eckpunktepapier versammeln und sich entsprechend vertreten lassen. „Wenn wir uns gemeinschaftlich aufstellen, sind die Verhandlungen sicher einfacher und auf ­Augenhöhe zu führen“, sagt Zulauf.

Hintergrund

Das neue Verpackungsgesetz soll mit dazu beitragen, dass Hersteller Verpackungsabfälle möglichst vermeiden und entstehenden Abfall in erster Linie einer Wiederverwendung zuführen. Das Gesetz löst die bisherige Verpackungsverordnung ab. Sie hat in erster Linie Auswirkungen auf die Hersteller und jene, die die Verpackungen in den Verkehr bringen. Neu eingerichtet wird die so genannte „Zentrale Stelle Verpackungsregister“.

Bereits seit Ende August ist es Herstellern und Vertreibern möglich, sich bei der Zentralen Stelle zu registrieren. Das ist auch zwingend, weil ab 2019 Inverkehrbringer von Verpackungsmaterial bereits registriert sein müssen, bevor sie ihre Verpackungen überhaupt bei einem dualen System lizenzieren oder Ware in Verkehr bringen dürfen. Für Endverbraucher ändert sich nicht viel, wobei im Landkreis nach Möglichkeit eine Einheitlichkeit bei der Abfuhr hergestellt werden soll.     

Eine stärkere Verhandlungsposition durch die Unterstützer sei das eine, man wolle aber auch damit dafür sorgen, dass ein kreisweit einheitliches Sammelsystem zur Erfassung von Verpackungen gewährleistet wird. Aufgrund laufender Verträge müssen im Landkreis die ­
Ergebnisse erst 2021 greifen. Das bedeutet, das kommende Jahr bleibt den Verhandlungen reserviert. Die Kommunen sollen bis Ende März ihre Entscheidungen zum Eckpapier rückmelden.

Dann ab März soll es in die Verhandlungen gehen mit dem Ziel, spätestens Ende des ­Jahres eine unterschriftsreife ­Abstimmungsvereinbarung vorzulegen. 2020 sollen dann die Ausschreibungen vorgenommen werden, ehe dann zum Jahresbeginn 2021 das neue System landkreisweit greifen soll. Das Eckpapier schreibt einige Mindeststandards fest, formuliert aber auch einige Optionen. Keinesfalls soll es für den Verbraucher komplizierter werden. Im Gegenteil. Für Verpackungen aus Altpapier soll weiterhin die kommunale Altpapiertonne ­genutzt werden können.

Das Altglas-Sammelsystem soll ebenfalls in bestehender Form, aber mit verbessertem Servicegrad fortgeführt werden. „Zum einen sollen die Lärmschutzbestimmungen eingehalten bleiben, zum anderen soll die Leerung so erfolgen, dass es keine Klagen über überfüllte Glascontainer mehr gibt“, so Zulauf. Und ganz wichtig: Die Verpackungen aus Kunststoffen, Verbundstoffen und Metallen sollen ab 2021 flächendeckend im Kreis in der gelben Tonne landen.

Abfuhr-Rhythmus wird halbiert

Säcke sollen nur noch da eingesetzt werden, wo es aufgrund enger Bebauung nicht mehr möglich ist, eine zusätzliche Tonne unterzubringen. Aufgrund der zu erwarteten Abfallmenge, die im gelben Sack landet, soll der Abfuhr-Rhythmus von vierwöchig auf 14-tägig umgestellt werden. Die Einführung einer kostenfreien gelben Tonne würde dann ab 2021 gelten.

Landrätin Fründt ist überzeugt, dass die Kommunen mit dem Eckpunktepapier ihre Interessen wahren können. Sollte es allerdings dazu kommen, dass nur eine Kommune ausschert, müssen als Konsequenz dann alle Kommunen beziehungsweise der Müllzweckverband für sich verhandeln.

von Götz Schaub