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Marburg Töne bekommen Herz und Seele
Marburg Töne bekommen Herz und Seele
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20:46 15.01.2012
Giora Feidman und die Gitanes Blondes begeisterten in der Elisabethkirche rund 600 Zuhörer. Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Kaum waren die vier jungen Instrumentalisten auf der Bühne, erklang – traditionell bei Feidmans Konzerten – vom Eingang her leise seine Klarinette. Auf ihr spielend, ging er langsam durch den Mittelgang nach vorne auf die Bühne zu.

Feidman hauchte den Tönen Herz und Seele ein. Sie wurden dabei immer klarer und intensiver, zum den Ton A summenden Publikum spielte Feidman eine wehmütig klingende Melodie an. Er betrat die Bühne, vereinigte sich tonal mit dem Quartett. Ton und Tempo sowie die Wechsel des Rhythmen wurden immer schneller.

Mario Korunic auf der Violine, Konstantin Ischenko auf dem Knopfakkordeon, Christoph Peters an der Gitarre und Simon Ackermann am Kontrabass griffen die Melodie auf. Nach ermunterndem Blick Feidmans stellten sie sich mit dieser solistisch vor, um sich am Ende in fast übermütiger Spielfreude wieder mit Feidmans Spiel auf der Klarinette – und später auf der Bassklarinette – zu vereinen. Der Lohn: erster prasselnder Applaus des insgesamt rund zweistündigen Konzerts.

Damit ging das Konzept des Abends schon beim ersten Auftritt auf: Musizieren im Quintett, exzellente solistische Einlagen, Kommunikation untereinander und mit dem Publikum sowie dessen Einbeziehung als großer Chor.

Feidman und die Gitanes Blondes hatten einen riesigen bunten Blumenstrauß aus Melodien gebunden, als wollten sie daraus jedem Besucher seinen Favoriten als Blüte schenken. Zarte Melodien in weichem Ton, volksliedhafte Weisen in Melancholie oder voller Lebendigkeit, chassidische Mystik, tänzerische Elemente in Freudigkeit vermischten sich in Klängen West- und Osteuropas, des Nahen Osten und Amerikas. Pure Musizierfreude spiegelte sich auf den Gesichtern des Quintetts. Jeder ist ein Meister seines Instruments; jeder profilierte sich solistisch. Als Ensemble schufen sie ein Fülle von Tonfarben, die jeder in seinen Duktus setzte und sie kongenial für den Gesamtklang ausmalte. Tonale Sicherheit, irrwitziges Tempo, Leidenschaft, Temperament, Seelensprache und rhythmische Wendigkeit der Musiker waren den ganzen Abend lang atemberaubend.

Geschickt überließ Feidman den Gitanes Blondes die Bühne, um sich eine Atempause zu gönnen. Die vier jungen Musiker boten mitreißende Musik in technischer Perfektion, gepaart mit Lust am musikalischen Spaß.

Bereitwillig offenbarte Giora Feidman seine Gedanken und Gefühle für Verständigung und Versöhnung sowie den Frieden unter den Völkern. Seine musikalische Essenz „eines Lieds mit ein bisschen von hier und dort“ war das Potpourri aus Nationalhymnen.

Das Publikum war von der Vielfalt des Klezmer und der musikalischen Qualität von Feidmann mit den Gitanes Blondes restlos begeistert. Immer wieder spendierte es stürmischen Applaus und Bravos für die Künstler, um sie am Ende mit Standing Ovations zu feiern.

von Helmut Rottmann