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Entdeckung aus der Nachkriegszeit

Buchneuauflage Entdeckung aus der Nachkriegszeit

1949 hat der Zeichner und spätere OP-Redakteur 
Otto Brinckmann ein kleines Büchlein veröffentlicht, das den „Tieren von Marburg“ gewidmet ist.

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„Ich fliege lieber
mal kreuz und quer durch Markt und Straßen, wer immer brav ist, darf auch spaßen”, denkt sich der Rathausgockel.

Quelle: Otto Brinckmann / Tierschutzverein

Marburg. 1949 – Deutschland ist vom Krieg verwüstet. Die Städte liegen in Trümmern, viele Menschen sind vom Krieg versehrt – physisch und psychisch, der Schwarzmarkt blüht.

Das „1000-jährige Reich“ der Nazis, die einen mörderischen Weltkrieg mit Abermillionen Toten entfesselten, ist seit vier Jahren Geschichte. 1949 werden die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik gegründet, Ausdruck eines neuen Gegensatzes zwischen den alten Alliierten, zwischen Ost und West.

Doch gibt es vorsichtige Anzeichen für einen Neuanfang. Das Grundgesetz wird erlassen, die Berliner Luftbrücke endet. In dieser Zeit schuf Otto Brinckmann „Die lustigen Tiere von Marburg“. In Reimform erzählte er ein kleines Märchen über Marburger Stadtsymbole. Der Rathaushahn kommt ebenso vor wie die große Löwen
skulptur, die damals nahe der alten Universität stand, der Bär vom Bärenbrunnen in der Oberstadt und die Wappentiere der Einhorn- und Schwan-Apotheke. Die Tiere werden lebendig, verstören die Marburger und werden schließlich von der heiligen Elisabeth zur Räson gerufen.

Das Buch enthält 12 ausdrucksstarke Grafiken. Brinckmann zeigt eine Idylle. Der Krieg und seine Folgen sind weit weg. Die Tiere sowie die Menschen und ihre Kleidung hat er holzschnittartig eingefangen, die Gebäude dagegen sehr detailliert gezeichnet.

Brinckmann wurde 1905 in Waren an der Müritz geboren. Er studierte an der Dresdner Kunstakademie. Kurz nach Kriegsende kam er nach Marburg, arbeitete bis 1951 bei der Marburger Presse, nach dem Zusammenschluss mit der Oberhessischen Zeitung als Redakteur und Grafiker für die Oberhessische Presse.

Die Kunsthistorikerin Siegrid Schmeer hat das Buch Mitte der 1990er Jahre bei Recherchen in der Universitätsbibliothek entdeckt. „Ich habe mir damals schon gedacht, damit muss man etwas machen.“ Gemeinsam mit Elmar Altwasser, ebenfalls Kunsthistoriker und Mitgründer des Jonas-Verlags, hat sie es jetzt neu herausgebracht (Foto: Badouin).

Die Rechte hat ihr der Herausgeber der Oberhessischen Presse, Dr. Wolfram Hitzeroth, großzügig überlassen. Der Erlös kommt dem Tierschutzverein Marburg und Umgebung zu Gute, dessen Vorsitzende Siegrid Schmeer ist.

  • Das Buch ist zum Preis von 8 Euro in den OP-Geschäftsstellen im Schlossberg-Center und im Franz-Tuczek Weg, im Marburger Buchhandel sowie beim Tierschutzverein erhältlich.

von Uwe Badouin

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