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Marburg Vögel brauchen dringend Wasser
Marburg Vögel brauchen dringend Wasser
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00:17 29.07.2018
Rabenkrähen sind schlaue Tiere. Hier trinkt eine direkt aus dem Brunnen auf dem Marburger Marktplatz. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Putzig, wie die kleinen Racker genüsslich in der Tränke baden. Dieser Tage treibt es immer mehr Feld- und Gartenvögel ins kühlende Nass. Gut, wenn sie da auf menschliche Hilfe zurückgreifen können. „Vogeltränken sind eigentlich ein beliebtes ausschmückendes Gartenelement, die es in allen Formen zu kaufen gibt, es reichen aber auch schon Schalen“, sagt Professor Martin Kraft, Vorsitzender des Marburger Instituts für Ornithologie und Ökologie.

Wenn sie dann auch in Betrieb genommen werden, sprich täglich mit frischem Wasser ausgestattet werden, jubelt das kleine Vogelherz. Vögel nehmen eine Tränke nur an, wenn sie sich dort auch sicher fühlen. Wichtig ist deshalb, dass die Tränke an einem Platz steht, der für die ­Vögel gut einsehbar ist. „Vögel sind beim Trinken und Baden stark abgelenkt und werden sonst zu leichter Beute für anschleichende Katzen“, sagt Maik Sommerhage, Vogelexperte des Naturschutzbundes Deutschland. Das bestätigt auch Kraft. „Katzen kriegen es schnell heraus, wo sie gute Chancen auf Beute haben.“

Tränken unbedingt sauber halten

Auf jeden Fall sollte sich die Vogeltränke­ nie direkt auf dem Boden befinden. „Tränken sind bei diesem Wetter schon eine große Hilfe. Manche Vögel, die sich eher im Feld aufhalten und dort natürlich keine Pfütze mehr finden, müssen jetzt tatsächlich schon weiter fliegen, um an Wasser zu kommen“, sagt Kraft.

Er bittet die Menschen, die den gefiederten Tieren etwas Gutes tun wollen, auch darum, auf die Sauberkeit am Trink- und Badeplatz zu achten. Vogeltränken werden natürlich auch gerne als Badeplatz genutzt. Und wo nun mehrere Tiere zusammenkommen, schleichen sich gerne auch Parasiten ein, die für andere Vögel tatsächlich eine Gefahr fürs Leben darstellen können. Gerade bei dieser Hitze vermehren sich Trichomonaden, das sind einzellige Parasiten, und Salmonellen schon fast explosionsartig. „In den letzten Tagen haben wir vermehrt Meldungen über tote Grünfinken erhalten. Aus den Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Main-Kinzig wurden schon 25 verendete Vögel gemeldet“, informiert Sommerhage.

Im Sandbad können Vögel Parasiten loswerden

Deshalb nie Wasser einfach nur nachgießen, sondern die Vogeltränke zuvor mit einer robusten Bürste und klarem Wasser reinigen. Wer ein bisschen mehr Platz im Garten hat, kann den Vögeln noch einen weiteren Service bieten: einen Sandbadeplatz in einer kleinen Mulde.­ Den nutzen insbesondere Spatzen und Meisen gerne, um ­ihre Parasiten loszuwerden. Der Sand hält länger vor und muss nur alle paar Wochen ausgetauscht werden.

Übrigens: Wenn Vögel kein Wasser finden, halten sie sich gerne an Beeren. Wer also lieber Beeren ernten will, sollte mit dem Wasser für die Vögel nicht knausern.

von Götz Schaub