Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg „Bald sind wir eine Weltmacht“
Marburg „Bald sind wir eine Weltmacht“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:45 13.04.2017
Am Christa-Czempiel-Platz am Richtsberg endete der Stadtspaziergang des Theaterprojekts „Marburger Kinderkonferenz“, bei dem Kinder ihre Sicht auf Marburg zeigten. Quelle: Viet Duc Le
Marburg

Zwei Wochen lang hatten sich die Teilnehmer im Alter von acht bis zwölf Jahren der „Marburger Kinderkonferenz“ zusammen mit Theaterschaffenden und Künstlern aus Frankfurt und Leipzig in Workshops an der in das Theaterprojekt integrierten Stadtführung mit Theater, Kamera und Aufnahmegeräten vorbereitet. Mit Präsentationen und „Audiowalks“ zeigten sie während der Stadtführung die Möglichkeiten in der Stadt auf.

„Geld abschaffen, keine doofen Diktatoren und den Weltfrieden. Zudem ein Rauchverbot, mehr Feiertage und Schokobrunnen für alle“, lauteten die Forderungen aus der Kampagne der Sesselkinderpartei (SeKiPaDe), als erste Kinderpartei Deutschlands. Zumindest ein Wahlversprechen sollte am Ende des Stadtspaziergangs sogar eingelöst werden.

„Man sollte die Kinder nicht unterschätzen. Sie wissen über soziale Ungerechtigkeiten, Kinderarbeit und Kriege Bescheid“, erklärte Katrin Hylla, Leiterin der „Marburger Kinderkonferenz“. „SeKiPaDe ist bald keine Partei mehr. Bald sind wir eine Weltmacht. Wählt uns. Wir haben nur Gutes im Sinne“, betonten die jungen SeKiPaDe-Politiker. Das Ziel der Kinderkonferenz ist es, auf spielerische und theatrale Weise auf die Bedürfnisse von Kindern aufmerksam zu machen.

Ein Tunnel von der Oberstadt zum Richtsberg

Los ging es in der Oberstadt. Dabei zogen die Kinder nicht nur mit Mikrofon und Stereoanlage, sondern auch mit bunten Gewändern und Hüten die Aufmerksamkeit auf sich. Die erwachsenen Teilnehmer der Stadtführung durften die Wahlschilder tragen, die eigens für die SeKiPaDe angefertigt wurden. Bei Popcorn erklärten die Kinder dann ihre Sicht auf die Stadt: Die Baustelle in der Barfüßerstraße sei ein geplanter Tunnel zum Richtsberg, Mülltonnen sogenannte „Kackakanonen“, mit denen man Bösewichte abwehren möchte und die Tür neben der Sparkasse als Eingang zum Hauptquartier.

Mit dem Shuttlebus ging es weiter zu zwei Exkursionen ins Südviertel und zum Richtsberg. Diese beiden Stadtteile seien bewusst ausgewählt worden, erklärte Workshop-Leiter vom Künstler-Kollektiv „ongoing project“ Ferdinand Klüsener: „Das Südviertel ist ein sehr wohlsituiertes Viertel, wohingegen der Richtsberg für Universitätsangestellte gebaut wurde, sich aber zunehmend ghettoisiert hat.“

Wie bei einer Schnitzeljagd wurden die Teilnehmer zum „Audiowalk“ losgeschickt. Dafür hatten die Kinder in einem der Workshops für verschiedene Stationen spezielle Tonspuren erstellt, die über das Smartphone abgerufen werden konnten. Diese gewährten Einblick über die Wahrnehmung der Umwelt der Kinder und rückten scheinbar Vergessenes, wie Vogel­gezwitscher oder Auspuffgeräusche, in den Vordergrund. Insgesamt gab es sieben Stationen: Drei am Südviertel, drei am Richtsberg und einen Bonustrack am Christa-Czempiel-Platz. Dort hielten die jungen Teilnehmer des Theaterprojekts eine Rede und zum Abschluss gab es noch eine kleine Feier mit Grill – und einem Schokobrunnen.

von Viet Duc Le

Anzeige