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Begegnungen auf der Reise

Theatergruppe Dramarasmus Begegnungen auf der Reise

In „Menschen im Hotel“ der Theatergruppe ­Dramarasmus wird dem Zuschauer fast schon ­voyeuristisch Einblick in das verrückte Treiben 
in einem Hotel gewährt.

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Menschen im Hotel: Die studentische Theatergruppe Dramarasmus befasste sich mit den Sorgen, Nöten und Glücksmomenten von Reisenden aller Art.

Quelle: Nigar Ghasimi

Marburg. Die Waggonhalle war gut gefüllt, als die Darsteller unter der Regie von Luisa Frobel, Annika Prätsch und Jonathan David die Premiere ihrer neuesten Produktion darboten.

Das Publikum wurde Zeuge von Feierlichkeiten, bei denen der Alkoholkonsum aus den Gleisen gerät, erlebte die verlegene Annäherung eines Paares nach der ersten gemeinsamen Nacht und bekam Zugang zu den verworrenen Gedanken einer Geschäftsreisenden, die unter Alkoholeinfluss ihrer Sentimentalität freien Lauf lässt. Und auch der Dauergast des Hotels, der sich volltrunken kaum mehr auf den Beinen zu halten vermag, verliert die Lust am Philosophieren nicht. Es entwickelten sich sonderbare Begegnungen, die das Publikum mal amüsierten und mal nachdenklich stimmten.

Skurrile Personen, Menschen mit tragischer Geschichte, Heimatlose und auch Vergessene finden in diesem Hotel am Rande Europas Zugang zueinander. Wie zum Beispiel die Diva (Giulia Pagliarini) im tannengrünen Kleid, die nach kurzer Antipathie mit Frau Maier (Serena Rapacchietta) Schwesternschaft trinkt und Bobby Vintons „Mr. Lonely“ zur persönlichen Hymne macht.

Ensemble besteht aus Studierenden vieler Länder

So erlebte das Publikum sowohl den Alltag der gelangweilten Barfrau, die gerne auch mal mit den Gästen trinkt, als auch den des genervten Rezeptionisten, der es satt hat, den Alkoholleichen am nächsten Morgen zu begegnen und in der Schweiz eine Stelle annimmt.

Dramarasmus ist ein Ensemble, das seit 2011 besteht. Es dient als Raum, in dem Studierende aus der ganzen Welt neue Begegnungen pflegen und sich durch das Theater kreativ ausleben können. Hier treffen sich sowohl ausländische, als auch lokale Studenten und realisieren neben dem Theaterspiel auch Workshops und Lesungen zu unterschiedlichen Themen.

Die zehn Darsteller zeigten viel Engagement und die Freude am Spiel war ihnen deutlich anzusehen. Ihr Mut, sich als Austauschstudenten in einem ihnen fremden Land auf die Bühne zu stellen und so ungeniert drauflos zu spielen, ist hervorzuheben.

Jedoch hätte man mehr aus dem Stück knapp einstündigen Stück herausholen können. Es wirkte dramaturgisch noch unfertig und nicht dicht. Zu viele Pausen wurden gesetzt, die das Stück unnötig auseinanderzogen und keinen Spannungsbogen zuließen.

Dramaturgisch interessant war, dass die Studentinnen und Studenten auch ihre Muttersprache in das Stück integrierten und so den Austausch der Kulturen und das Gefühl der jeweiligen Sprache auch auf der Bühne spürbar machten.

  • Weitere Aufführungen gibt es am 11. und 12. Juli jeweils ab 20 Uhr in der Waggonhalle.

von Nigar Ghasimi

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