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„Exit“ vereint Tiefgang mit Humor

„Dramarasmus“ in der Waggonhalle „Exit“ vereint Tiefgang mit Humor

Das Theater-Ensemble „Dramarasmus“ präsentierte in der gut besuchten Waggonhalle sein neues Stücks „Exit“.

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Studierende aus vielen verschiedenen Ländern spielen in der Marburger Theatergruppe „Dramarasmus“. In der Waggonhalle stellten sie ihr neues Stück vor.

Quelle: Nigar Ghasimi

Marburg. Das Ensemble wurde 2011 gegründet, um internationale Begegnungen durch das Theater zu fördern. Es bietet lokalen und ausländischen Studierenden ein Forum, miteinander in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und gegenseitig zu bereichern. Die Kunst bietet hierfür den Raum.

Dabei wird nicht nur Theater gespielt, sondern es werden auch Lesungen veranstaltet und Workshops angeboten. So steht auch „Exit“ – das Stück, an dem die aktuelle Ensemble-Formation in Kooperation mit Juliane Nowak und Franz Burkhard vom Hessischen Landestheater und unter der Regie von Romy Semler, Annika Prätsch und Luisa Frobel gearbeitet haben – unter dem Motto der Begegnung.

Musik baut Stimmungen auf

Auf einer Party treffen sich einige Studenten und erzählen die Geschichte einer Wanderung in Norwegen während ihres Erasmus-Austauschs. Es beschäftigen sie Themen wie die Globalisierung, der Bürgerkrieg in Syrien, die Angst, von der der Mensch diktiert wird, und der durchgetaktete Zeitplan, der das Leben bestimmen soll. Dabei bieten sie keine Lösungen an, sondern stellen Fragen und arbeiten mit diesen.

Stille herrscht im Raum. Nur ein regelmäßiger Herzschlag ist zu hören, begleitet von Wind – und Wasserklängen. Von scheinbarer Müdigkeit überwältigt treten die zwölf Darsteller auf die Bühne, wo erst das Finale von Beethovens neunter Sinfonie und Schillers „Ode an die Freude“ sie aus ihrem Schlaf zu reißen und in große Euphorie zu versetzen vermag.

Auch im Folgenden spielt Musik eine große Rolle in diesem Stück. Meist wird sie dabei zwischen zwei Szenen eingesetzt, wobei sie kein Lückenfüller ist, sondern ein eingesetztes Mittel, um Stimmungen aufzubauen. Die jungen Schauspieler schaffen es auf einer leeren Bühne mit schlichten Kostümen und wenig Requisiten, dem Publikum die Botschaft ihres Stückes zu übermitteln.

Was bleibt von mir, von dir, von uns?

Gleich zu Beginn zeichnet sich ein Wechselspiel zwischen Spannung und Entspannung ab, wobei immer wieder mit Extremen gespielt wird. Etwa in der Konfrontation mit den eigenen Ängsten und der Suche nach seinem eigenen Platz neben den anderen. Mit viel Engagement und dem Mut, aus sich heraus zu gehen spielen die Laiendarsteller ihre Rollen. Es ist zu spüren, dass die Figuren mit viel Sorgfalt und Mühe erarbeitet wurden und mit großer Freude am Spielen präsentiert werden.

Das Stück „Exit“ ist eine facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Thema Begegnung, wobei es nicht nur um das Zwischenmenschliche geht, sondern auch um die Frage, was bleibt von einem selbst und was bleibt von einem „Wir“, wenn die äußeren Einflüsse und Eindrücke abgestellt werden. Was passiert, wenn sich ein Glied von der Gruppe löst? Und wie fühlt es sich an, ein Stück des Weges auch mal alleine zu gehen?

„Exit“ ist ein gelungenes Stück zwischen Tiefgang und Humor, in dem spielerisch mit existentiellen Fragen unserer Zeit umgegangen wird. So wird das Ensemble bei der Premiere am Montagabend mit tobendem Applaus des begeisterten Publikums belohnt.

von Nigar Ghasimi

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