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Marburg Theaterfreunde planen Protestaktionen
Marburg Theaterfreunde planen Protestaktionen
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06:15 22.06.2012
Die heutige Front der Stadthalle (linkes Bild). Das obere Foto zeigt das Modell der künftigen Marburger Stadthalle. Die Seite zur Biegenstraße ist geprägt von einer Glasfront. Die Treppe rechts im Vordergrund führt in die neuen Räume des KFZ. Der bestehe Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Ich gehe davon aus, dass wir während der Zeit des Umbaus der Stadthalle ein Theaterzelt bekommen. Ich habe bisher noch nichts Gegenteiliges gehört“, sagte Intendant Matthias Faltz am Montagabend bei der Jahreshauptversammlung der Freunde des Hessischen Landestheaters. Der 220 Mitglieder starke Verein unterstützt das Theater sowohl ideell als auch materiell.

Im Gegensatz zum Intendanten sind die Theaterfreunde nicht ganz so zuversichtlich. „Schweigen ist gefährlich“, meint der Vorsitzende Jürgen Bandte.

Der Jurist will die Marburger Theaterbesucher dazu mobilisieren, sich für die Belange des Theaters einzusetzen, die aus seiner Sicht bei Umbauplänen der Stadthalle nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Er sei zunehmend skeptisch, ob es adäquate Ausweichspielorte für den Verlust der Stadthalle geben werde. „Wir fordern ein Theaterzelt“, sagte Bandte und hat die Rückendeckung der Vereinsmitglieder.

Das Ausweichen auf Zelte ist üblich bei Sanierungen von Theatern. In Kassel ebenso wie in Rostock. Allerdings sind Theaterzelte auch nicht billig: 30000 bis 35000 Euro monatlich fallen nach Auskunft von Intendant Faltz an. Plus Auf- und Abbau.

Faltz schlägt daher vor, das Zelt nur von September bis Februar für die großen Produktionen zu nutzen, die sonst in der Stadthalle zu sehen wären: Die Dreigroschenoper etwa oder das große Weihnachtsstück, den Publikumsrenner schlechthin.

Ausweichspielort: „kein Budget vorgesehen“

Vermutlich zwei Jahre dauert der Umbau der Stadthalle. „Wenn wir in dieser Zeit keine vergleichbare Spielstätte hätten, wäre das eine Katastrophe für das Theater“, meint die stellvertretende Intendantin Dr. Christine Tretow.

Sie verweist auf den Theatervertrag mit dem Land, wonach die Stadt verpflichtet sei, Spielstätten zu stellen. Ihre Skepsis wächst von Tag zu Tag: „Es ist kein Budget für eine Ausweichspielstätte vorgesehen.“

Bis jetzt ist diese Frage nicht geklärt - obwohl die Zeit drängt. Das Landestheater arbeitet bereits am Spielplan für die Spielzeit 2013/14, die erste ohne Stadthalle.

Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) sagte gestern auf Anfrage der OP: „Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Das Theater braucht einen Ausweichspielplatz. Ein Theaterzelt ist sehr teuer und wir bräuchten auch einen Standort.“ Sie werde noch vor der Sommerpause mit dem Theater „Alternativideen zum Theaterzelt mit bestehenden Räumen diskutieren“. Welche das sein könnten, wollte sie nicht sagen. Bürgerhäuser? „Aber“, sagte Weinbach, „wir werden das Theater nicht irgendwo hineinzwingen, wo es nicht hin will.“ Und dann müssten die Finanzen geklärt werden.

Auch Angesichts der Planungen zum Umbau der Stadthalle rumort es bei den Theaterfreunden. Trotz der enormen Kostensteigerung von 16 auf 23 Millionen Euro würden die Bedürfnisse der Theatermacher und des Theaterpublikums vernachlässigt, meint der Freundeskreis-Vorsitzende Bandte.

Was die Technik im großen Saal betrifft, scheinen ihre Befürchtungen zuzutreffen. Der große Saal bekommt eine neue Bestuhlung, bleibt sonst im Wesentlichen wie er ist. Die Tonanlage werde ohnehin gemietet, heißt es aus Verwaltungskreisen, das Licht sei auf aktuellem Stand. Die schwierige Akustik in der Halle werde durch neue Wandpaneele deutlich verbessert.

Die Theaterfreunde trauen dem Ganzen nicht und haben eine Protestresolution beschlossen. Ihre Forderungen nach Theaterzelt und nach einer besseren Technik im großen Saal wollen sie dem Magistrat und den Fraktionen zukommen lassen.

„Die vom KFZ kriegen alles neu. Nichts gegen die Konzertagentur KFZ, aber das Landestheater bietet 60 Arbeitsplätze und produziert selbst“, sagt Bandte. Die Theaterfreude seien nicht bereit, zwei Jahre auf großes Theater zu verzichten, meint Bandte: „Und wir wollen nicht noch weiter an den Rand der Stadt gedrängt werden.“

von Uwe Badouin

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