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Marburg Baby schwebt in Lebensgefahr
Marburg Baby schwebt in Lebensgefahr
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00:18 01.03.2019
Ein sieben Wochen altes Baby schwebt in Lebensgefahr. Die Ermittlungsbehörden untersuchen, woher die schweren Verletzungen stammen.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Mit massiven äußeren und inneren Verletzungen liegt der Säugling derzeit im Uniklinikum Marburg und befindet sich noch in akuter Lebensgefahr. Dies bestätigt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Nicolai Wolf, auf Nachfrage der Oberhessischen Presse.

Wie erst jetzt aufgrund der Recherchen bekannt wurde, ereignete sich der Vorfall bereits vergangenen Mittwoch in einer von einem freien Träger gestellten Wohnung in der Marburger Innenstadt.

Was ist passiert? Gegen Mittag wird ein Notarzt in die Wohnung einer 18-Jährigen Marburgerin gerufen. Die Rettungskräfte stellen nach Eintreffen fest, dass das sieben Wochen alte Baby schwere äußere und innere Verletzungen aufweist.

Noch vor Ort nehmen Polizeibeamte den 17-jährigen Lebensgefährten der Kindsmutter fest. Widerstandslos. „Er ist dringend tatverdächtig des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher, schwerer Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener“, erklärt Staatsanwalt Wolf.

Bei dem Jugendlichen, der nicht der Vater des Kindes ist, handele es sich um einen deutschen Staatsangehörigen. Nach nicht bestätigten OP-Informationen stammt er nicht aus Marburg. Er befindet sich seit der Tat in Untersuchungshaft.

Ob er bereits im Vorfeld auffällig geworden ist, dazu konnte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen. Bestätigen konnte Wolf allerdings OP-Informationen, nach denen das Jugendamt Marburg und ein freier sozialer Träger im Vorfeld bei der 18-Jährigen „aufgrund des jungen Alters unterstützend tätig waren“, wie Wolf es formuliert.

Wie lange dies der Fall war und in welcher Form die junge Frau unterstützt wurde, dazu konnte Wolf derzeit noch keine Erkenntnisse mitteilen. Nur so viel: Die Betreuung sei nicht im Sinne einer Vormundschaft oder ähnlichem gewesen.

Nach OP-Recherchen hatte sich die 18-Jährige wohl während der Schwangerschaft eigenständig Rat und Unterstützung bei den Behörden geholt.

Hinweise, dass das neugeborene Mädchen bei der jungen Mutter gefährdet gewesen sein könnte, hatte es offenbar nicht gegeben. Deshalb will Staatsanwalt Wolf Spekulationen vorbeugen: Bislang gebe es keinerlei Anhaltspunkte, dass das Jugendamt oder der freie Träger „irgendetwas falsch gemacht haben oder sich in diesem Fall etwas zu Schulden haben kommen lassen“, betont Wolf.

Auf OP-Anfrage erklärt die Stadt Marburg für das Jugendamt: „Wir haben mit großer Bestürzung von dem Ereignis erfahren, die Stadt unterstützt die Arbeit der Ermittlungsbehörden in vollem Umfang.“ Auch die Mitarbeiter des sozialen Trägers, die täglich mit der jungen Mutter in Kontakt standen, sind fassungslos.

Es habe keinerlei Signale gegeben, dass in der Betreuung des Babys etwas auffällig gewesen sei. Im Gegenteil: „Sie ist gut mit dem Kind zurechtgekommen“, betont der Vorstand des freien Trägers im Gespräch mit der OP. Die 18-Jährige sei ihrem Kind sehr zugewandt gewesen und habe zum Beispiel jede Vorsorgeuntersuchung ihrer Tochter wahrgenommen.

Auch habe es wohl keine Hinweise gegeben, dass der 17-jährige Lebensgefährte dem kleinen Mädchen gegenüber aggressiv aufgetreten sei. Vertreter des sozialen Trägers und des Jugendamtes hoffen nun, dass die Staatsanwaltschaft den tragischen Vorfall schnellstmöglich aufklären kann.

Noch keine Anklage erhoben

Doch: „Wir stehen mit den Ermittlungen noch ganz am Anfang“, sagt Wolf und verweist auf die umfangreichen rechtsmedizinischen Untersuchungen, die nötig seien, um den genauen Tathergang aufklären zu können.

Wann mit einer Anklage zu rechnen ist, sei ebenfalls noch nicht absehbar. Letztlich hänge auch der konkrete Tatvorwurf davon ab, wie sich der fragile Gesundheitszustand des kleinen Mädchens weiter entwickle.

Das Leben des sieben Wochen alten Säuglings hängt am seidenen Faden. „Es besteht noch immer akute Lebensgefahr“, bestätigt der Pressesprecher.

Bei der Art der Gewalteinwirkung bleibt Wolf vage. „Wir gehen nach derzeitigem Ermittlungsstand davon aus, dass auf verschiedene Arten auf das Baby eingewirkt worden ist“.

Warum wurde der Fall erst jetzt nach OP-Recherchen bekannt? „Aktiv informieren wir die Presse in der Regel dann, wenn es Straftaten sind, die in der Öffentlichkeit stattfinden oder die Öffentlichkeit tangieren“, so Wolf.

Bei Straftaten im häuslichen Umfeld – und zudem mit minderjährigem Tatverdächtigen – werde die Presse in der Regel nicht informiert, sagt der Staatsanwalt.

von Nadine Weigel