Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Tankstelle nimmt Coupons nicht an
Marburg Tankstelle nimmt Coupons nicht an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:12 21.02.2018
Die Internet-Plattform waschpakete.de bietet vergünstigte Autowäschen an – zumindest im Landkreis werden die Coupons aber nicht mehr eingelöst. Quelle: Oliver Berg
Marburg

Es hört sich nach einer verlockenden Idee an: Statt bei einer Tankstelle vor Ort kauft man seine Autowäsche bei einem Internet-Portal – und kann so bis zu 70 Prozent des ursprünglichen Preises sparen.

Das dachte sich auch Jochen Schreiner (Name von der Redaktion geändert): Er registrierte sich beim Portal „waschpakete.de“, kaufte dort in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Autowäschen.

Das habe auch immer gut geklappt. Daher habe er im vergangenen Dezember erneut fünf Premium-Wäschen gekauft. 43,95 Euro kosteten diese – statt 69,95 Euro, eine satte Ersparnis von 38 Prozent also.

Seit November keine Provision mehr erhalten

Doch als er kürzlich eine dieser Wäschen bei der Partner-Waschanlage einlösen wollte, wurde ihm die Annahme des Gutscheins verweigert.

Einzige Partner-Waschanlage des Portals rund um Marburg ist die Aral-Tankstelle von Frank Drusel in Cölbe. Und der erklärt auf Anfrage der OP, warum er die Gutscheine nicht mehr annimmt: „Wir haben schon seit November keine Provision mehr von waschpakete.de erhalten“, sagt Frank Drusel.

Daher habe er sich entschieden, die Gutscheine nicht mehr anzunehmen. Das Geschäftsmodell funktioniere so, dass waschpakete.de die Wäschen vergünstigt im Netz verkaufe und der Tankstellenbetreiber dann bei Einlösung eine Provision erhalte. „Und die steht nun schon seit längerer Zeit aus.“

Zu waschpakete.de kommt kein Kontakt zustande

Telefonisch, auf E-Mails und auch auf Faxe würde sich das Unternehmen nicht zurückmelden. „Es rührt sich niemand mehr. Daher sind mir auch die Hände gebunden: Ich kann deren Gutscheine nicht einlösen, wenn ich kein Geld mehr bekomme“, so Drusel.

Er rate Kunden, deren Gutscheine er ablehne, sich bei dem Unternehmen zu melden – „vielleicht per E-Mail und das zu dokumentieren, damit sie später einmal eine Handhabe haben, falls es um eine Insolvenz geht“, rät Drusel.

Wie groß ist der Schaden, der ihm als Unternehmer bisher entstanden ist? „Konkrete Zahlen möchte ich nicht nennen, aber er ist noch nicht vierstellig“, sagt er. Doch bevor es schlimmer werde, ziehe er lieber die Notbremse.

Was Drusel ärgert: „Ich kann auf den Verkauf der Gutscheine keinen Einfluss nehmen. Und auch, dass ich weiter auf dem Portal gelistet bin, kann ich nicht ändern.“ Er habe schon versucht, die Kooperation aufzukündigen – doch da auf seine Anfragen niemand reagiere, scheitere auch dieses Unterfangen.

"Leid tue es ihm für die Kundschaft"

Drusel habe auch schon überlegt, einen Rechtsbeistand einzuschalten. „Aber wenn ich das gegenrechne mit dem bisher entstandenen Schaden, dann steht das in keinem Verhältnis.“

Leid tue es ihm für die Kundschaft, die letztlich in die Röhre schaue. OP-Leser Schreiner bedauert zwar den Verlust seiner knapp 44 Euro, wichtiger sei es ihm jedoch, andere OP-Leser zu warnen. Seine Vermutung: „waschpackete.de“ sei insolvent.

Entsprechende OP-Recherchen ergeben dies jedoch nicht: Registriert ist die Waschpakete GmbH beim Amtsgericht Stuttgart, das auch das zuständige Insolvenzgericht ist. Eine Insolvenz ist dort aber nicht anhängig, ein entsprechender Antrag war zumindest bis gestern nicht gestellt.

von Andreas Schmidt